Nahostchronologie


Aktuelle Chronologie zum israelisch-palästinensischen
Konflikt und zur arabischen Welt


Zusammengestellt von Georg Stein unter Benutzung folgender Medien: Archiv der Gegenwart, Frankfurter Rundschau, Israel und
Palästina, Journal of Palestine Studies, Monitordienst Nahost der Deutschen Welle, Nahost Jahrbuch, Palästina Journal;
Palestine-Israel Journal of Politics Economics and Culture; PASSIA Diary, Süddeutsche Zeitung, die tageszeitung (taz).



14 000 - 7 000 v. Chr.
Übergang vom Jägerdasein zu seßhafter Lebensweise in der Mittleren Steinzeit. Die ersten Siedlungsspuren in dem später Syrien und Palästina genannten Land reichen bis in die Altsteinzeit zurück.

Um 3000 v. Chr.
In einer ersten Einwanderungswelle dringen seit der frühen Bronzezeit semitische Nomaden in das Land ein. Siedlungsbeginn an der Stelle des heutigen Jerusalem.

Um 2100 v. Chr.
Die semitischen Kanaaniter (zu ihnen gehören auch die Jebusiter) lassen sich in Palästina nieder. Kleine Stadtstaaten bilden sich, so Jebus an der Stelle des heutigen Jerusalem.

Um 1850 v. Chr.
Der älteste schriftliche Beleg über Jerusalem, das in den ägyptischen Ächtungstexten um 1850 v. Chr. erstmals genannt wird, findet sich um 1360 v. Chr. im Keilschriftenarchiv der Amarna-briefe des Königs von Urusalim (Jerusalem) an Amenophis IV. (Echnaton).

Um 1800 - 1700 v. Chr.
Ungefähre Zeit der Wanderung Abrahams von Mesopotamien nach Kanaan. Begegnung Abrahams mit Melchisedek, dem König von Salem (der Name »Jerusalem« leitet sich von dem lokalen jebusitischen Schutzgott »Salem« ab). Abraham und seine Frau Sara werden in der Höhle Machpela bei Hebron begraben.

Um 1650 - 1550 v. Chr.
Die semitischen Hyksos erobern das heutige Syrien, Palästina und Ägypten. Vermutliche Zeit des Aufenthalts von Joseph und der Israeliten in Ägypten.

Ab 1500 v. Chr.
Verstärktes Eindringen israelitischer Nomaden (Habiru) nach Palästina.

1480 v. Chr.
Unter Thutmosis III. werden Palästina und Syrien ägyptische Provinzen.

Um 1450 v. Chr.
In Palästina versuchen mehrere Kleinstaaten, ihre Selbständigkeit zu bewahren.

Um 1380 v. Chr.
Die Hethiter dringen aus der heutigen Türkei nach Süden vor und erreichen etwa 1350 das südliche Palästina.

Um 1300 v. Chr.
Die semitischen Aramäer besetzen einzelne Gebiete in Palästina und Syrien.

1270 v. Chr.
Ramses II. von Ägypten schließt Frieden mit den Hethitern und behält Palästina. Um diese Zeit ziehen die Israeliten unter ihrem Anführer Moses nach etwa 400 Jahren des Exils von Ägypten zurück nach Palästina.

Um 1200 v. Chr.
Die Philister, ein ägäisches Seevolk, dringen nach Palästina ein (Palästina ist die griechische Bezeichnung für »Philisterland«) und vermischen sich mit den Kanaanitern; das Hethiterreich zerfällt. Der von Moses zu seinem Nachfolger bestimmte Josua erobert Jericho und große Teile Kanaans.

Um 1050 - 1004 v. Chr.
Bedrängt von den Philistern, wird Saul zum König der zwölf Stämme Israels gesalbt; die Philister vermag er jedoch nicht zurückzudrängen.

1004 - 965 v. Chr.
Sauls Nachfolger David residiert zunächst als König von Juda in Hebron. Dann setzt er sich auch im nördlichen Landesteil durch. David erobert das bis dahin von den kanaanitischen Jebusitern gehaltene Jerusalem und macht es zur neuen Hauptstadt des Gesamtreiches. Seine Herrschaft reicht vom Roten Meer bis an den Euphrat.

964 - 926 v. Chr.
Regierungszeit von König Salomo, dem Sohn Davids. Er baut den Ersten Tempel von Jerusalem. Nach Salomos Tod zerfällt sein Reich in das Nordreich Israel, mit Sichem und ab 880 Samaria als Hauptstadt, und das Südreich Juda mit Jerusalem als Hauptstadt.

744 - 727 v. Chr.
Tiglatpileser I. von Assur wird zum Begründer des Assyrischen Weltreiches, das sich von Babylon bis nach Gaza erstreckt.

725 - 697 v. Chr.
Hiskias, König von Juda, versucht vergeblich, die assyrische Oberhoheit abzuschütteln. Die Hauptstadt Jerusalem jedoch kann der assyrische König Sanherib nicht erobern.

722 v. Chr.
Sargon II. von Assur zerstört Samaria, und das Nordreich Israel findet sein Ende.

Um 625 v. Chr.
Das Neubabylonische Reich löst auch in Palästina das Assyrische Reich ab.

597 v. Chr.
Nebukadnezar aus Babylon erobert Jerusalem; 586 zerstört er es einschließlich. Ein Großteil der Bevölkerung zieht in die Babylonische Gefangenschaft.

539 v. Chr.
Der Perserkönig Kyros (559-530) macht nach der Unterwerfung des Neubabylonischen Reiches Palästina zu einer persischen Provinz. Die Juden kehren nach fast 50jähriger Gefangenschaft zurück. Von 520 bis 515 wird in Jerusalem der Zweite Tempel gebaut.

332 v. Chr.
Nach dem Zerfall des Persischen Reiches kommt Palästina unter die Herrschaft Alexander des Großen, nach seinem Tod 323 an die in Ägypten residierenden Ptolemäer.

Um 198 v. Chr.
Eroberung Jerusalems durch die hellenistischen Seleukiden.

166 - 164 v. Chr.
Rom unterstützt den Aufstand der jüdischen Hasmonäer (Makkabäer) gegen die Seleukidenherrschaft.

140 - 63 v. Chr.
Dynastie der Hasmonäer.

63 v. Chr.
Absetzung des letzten Seleukidenherrschers durch den römischen Feldherrn Pompeius. Palästina wird zur römischen Provinz.

40 - 4 v. Chr.
König Herodes der Große regiert mit Unterstützung Roms über ganz Palästina. Er erneuert den Tempel von Jerusalem.

4 v. Chr. - 37 n. Chr.
Unter der Herrschaft des Herodes Antipas wird Jesus in Jerusalem gekreuzigt. Pontius Pilatus ist römischer Prokurator von Judäa (26-36).

70
Einnahme Jerusalems und Zerstörung des Zweiten Tempels durch Titus.

132 - 135
Unter Bar-Kochba erheben sich die Juden erneut. Der Aufstand wird von den Truppen Kaiser Hadrians niedergeschlagen.

313
Anerkennung des Christentums durch Kaiser Konstantin den Großen.

395
Mit der Teilung des Römischen Reiches kommt Jerusalem zum Oströmischen Reich (Beginn der byzantinischen Epoche).

Um 443
Beginn der jüdischen Wiederansiedlung in Jerusalem.

614
Der Perserkönig Chosrau II. erobert Jerusalem.

629
Wiederherstellung der byzantinischen Herrschaft und erneute Vertreibung der Juden.

638
Unblutige Einnahme Jerusalems durch Kalif Omar. Grundsteinlegung zum Bau der Al-Aqsa-Moschee.

661 - 750
Kalifat der Omaijaden in Damaskus. 691 Fertigstellung des Felsendoms unter Kalif Abd el-Malik.

750 - 969
Kalifat der Abbasiden mit Sitz in Bagdad.

969
Eroberung Palästinas durch das in Kairo residierende Gegenkalifat der schiitischen Fatimiden.

1009
Der Fatimidenkalif Al-Hakim zerstört die Grabeskirche in Jerusalem.

1070 - 1085
Die türkischen Seldschuken erobern Jerusalem und große Teile von Palästina. Ihre Herrschaft gibt den Anstoß zum Beginn der Kreuzzüge.

1099
Im ersten Kreuzzug (1096-1099) erobern die Kreuzfahrer Jerusalem. Es kommt zu einem Blutbad unter den muslimischen und jüdischen Einwohnern. Die Kreuzfahrer gründen das christliche Königreich Jerusalem.

1147 - 1149
Der zweite Kreuzzug scheitert.

1187
Salah ad-Din (Saladin), der Sultan von Ägypten, besiegt die Kreuzfahrer bei Hittim und erobert Jerusalem.

1189 - 1192
Im dritten Kreuzzug scheitert die Rückeroberung Jerusalems. Die Kreuzfahrer behaupten nur den Küstenstreifen zwischen Tyrus und Jaffa.

1202 - 1204
Der vierte Kreuzzug führt nur bis Konstantinopel.

1228 - 1229
Im fünften Kreuzzug unter Kaiser Friedrich II. werden Jerusalem und Bethlehem dem christlichen Küstenstreifen angeschlossen.

1244
Die khwarismischen Türken (Tataren) erobern Jerusalem. Dies bedeutet das Ende des christlichen Königreiches Jerusalem.

1248 - 1254
Während des sechsten Kreuzzugs erobern die in Ägypten zur Macht gekommenen Mamelucken Palästina.

1291
Die Kreuzfahrer räumen ihre letzten Besitzungen an der Küste.

1516
Der türkische Sultan Selim I. erobert Syrien und Palästina. Diese Gebiete bleiben bis 1917 Teil des Osmanischen Reiches.

1520 - 1566
Regierungszeit von Sultan Suleiman dem Prächtigen. Um etwa 1540 Errichtung der Altstadtmauern von Jerusalem.

1831/1832
Ibrahim Pascha, der Sohn des ägyptischen Statthalters Muhammad Ali, erobert den größten Teil Syriens und Palästinas.

1838
Großbritannien eröffnet als erstes europäisches Land ein Konsulat in Jerusalem.

1840
Rußland, Preußen, Österreich und Großbritannien unterstützen die osmanischen Rückeroberungen, weil sich die Europäer noch nicht über eine Aufteilung des Osmanischen Reiches einigen können. Im Rahmen der »Orientalischen Frage« gerät der Nahe Osten zunehmend in den Strudel europäischer Interessengegensätze.

1841
Gründung eines gemeinsamen anglo-preußischen Bischofssitzes in Jerusalem.

1847
Papst Pius IX. erneuert das lateinische Patriarchat in Jerusalem.

1860
Erste jüdische Ansiedlungen außerhalb der Altstadt von Jerusalem.

17. November 1869
In Ägypten wird unter britischer Kontrolle der Suezkanal eröffnet.

September 1882
Großbritannien besetzt Ägypten, das bis zum 14. September 1914 Teil des Osmanischen Reiches bleibt.

6. Juli 1882
Die erste jüdische Einwanderungswelle (Aliya) beginnt mit der Ankunft einer Gruppe in Jaffa, die infolge von Pogromen und Diskriminierung Rußland und andere Länder Osteuropas verlassen hat. Die erste Aliya dauert bis 1903.

12. Dezember 1882
Gründung der ersten jüdischen Kolonie in Rosh-Pinna (Galiläa).

Februar 1896
Theodor Herzl legt mit seinem Buch »Der Judenstaat – Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage" den Grundstein für den politischen Zionismus.

29. - 31. August 1897
Auf dem ersten Zionistenkongreß in Basel begründet Theodor Herzl die zionistische Bewegung; ihr Ziel ist die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina.

Oktober/November 1898
Besuch von Kaiser Wilhelm II. in Palästina, wo er in Jerusalem Theodor Herzl trifft. Das Deutsche Reich will mit der Indienststellung des Zionismus nicht zuletzt die jüdische Welt auf seine Seite ziehen und einen Stützpunkt im Vorderen Orient einrichten. Der deutsche Flankenschutz für die Zionisten scheitert jedoch am prinzipiellen Widerstand des osmanischen Bündnispartners.

14. August 1903
Die britische Regierung bietet den Zionisten Uganda als Siedlungsgebiet an.

1904
Beginn der zweiten jüdischen Einwanderungswelle aus Rußland, wiederum bedingt durch Pogrome.

1. Februar 1908
Unter der Leitung von Arthur Ruppin wird in Jaffa das Palästinaamt der Zionistischen Organisation eröffnet.

11. April 1909
Gründung von Tel Aviv, der ersten rein jüdischen Stadt in Palästina, nahe der arabischen Hafenstadt Jaffa.

1. Dezember 1909
Gründung des ersten Kibbuz (Deganya am See Genezareth).

1913
Im Zeichen der erstarkenden arabischen Nationalbewegung fordert der Arabische Kongreß in Paris mehr politische Rechte vom Osmanischen Reich.

November 1914
Mit dem Eintritt der Türkei in den Ersten Weltkrieg an der Seite der Mittelmächte gegen die Entente-Mächte geben die Briten ihre bisherige Zurückhaltung gegenüber dem ehemaligen Osmanischen Reich auf. Etwa 85000 Juden, 12,3 Prozent der Gesamtbevölkerung, leben zu diesem Zeitpunkt in Palästina.

18. Dezember 1914
Ägypten wird zum britischen Protektorat erklärt.

Juli 1915 - März 1916
Scharif Hussein Ibn Ali von Mekka erhält in einem Briefwechsel mit dem britischen Hochkommissar für Ägypten, Henry MacMahon, Zusagen für die Unabhängigkeit eines großarabischen Reiches nach Beendigung des Kriegs; als Gegenleistung organisieren die Araber unter Mitwirkung von Lawrence von Arabien einen Aufstand gegen die osmanisch-türkische Herrschaft.

16. Mai 1916
Entgegen der Hussein-MacMahon-Korrespondenz einigen sich der britische Unterhändler Mark Sykes und der französische Unterhändler Georges Picot bei Geheimverhandlungen über die Aufteilung des Osmanischen Reiches nach Beendigung des Ersten Weltkrieges, worin die Teilung bzw. Internationalisierung Palästinas eingeschlossen ist (Sykes-Picot-Abkommen).

1917
Großbritannien fügt der Türkei im Ersten Weltkrieg einige schwere Niederlagen zu.

2. November 1917
In der Balfour-Erklärung bekundet die britische Regierung ihre Unterstützung für die zionistische Bestrebung, in Palästina eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk zu errichten.

8. Dezember 1917
Der britische Feldmarschall Allenby zieht in Jerusalem ein.

30. Oktober 1918
Waffenstillstand zwischen der Türkei und der Entente. Mit der Niederlage des Deutschen Reiches und durch das mit der Revolution beschäftigte Rußland verlieren die wichtigsten Konkurrenten Großbritanniens und Frankreichs im Nahen Osten ihren Einfluß. In der Perspektive der imperialistischen Politik wird die Frage der Zukunft Palästinas nun eine englisch-französische Angelegenheit.

7. November 1918
In einer gemeinsamen Regierungserklärung sichern Briten und Franzosen der arabischen Bevölkerung die Unabhängigkeit zu; die politische Zukunft Palästinas bleibt dabei aber unklar.

Januar 1919
Beginn der dritten Aliya, vornehmlich aus Polen.

3. Januar 1919
Im Faisal-Weizmann-Abkommen vereinbaren der Zionistenführer Chaim Weizmann und der Haschemitenführer Faisal Ibn Hussein eine enge Form der Zusammenarbeit.

2. Juli 1919
Erster Palästinensischer Nationalkongreß, der die Wahrung der Interessen »Südsyriens oder Palästinas« bei den Pariser Friedensverhandlungen an Faisal Ibn Hussein überträgt.

Juli 1919
In Damaskus proklamiert der erste Syrische Nationalkongreß einen großsyrischen Staat, der die heutigen Gebiete Syrien, Libanon, Jordanien und Israel umfaßt.

März 1920
Der zweite Syrische Nationalkongreß ernennt in Damaskus König Faisal zum König Großsyriens.

2./3. April 1920
Zusammenstoß von Juden und Palästinensern in Jerusalem (Nebi-Musa-Unruhen).

19. - 26. April 1920
Konferenz von San Remo, in deren Folge Palästina, Transjordanien, der Irak, Großbritannien und Syrien sowie der Libanon Frankreich als Mandate übertragen werden. Aufgrund der mehrdeutigen europäischen Kolonialpolitik kommt es in Palästina zunehmend zu antijüdischen Unruhen.

1. Juli 1920
Die britische Zivilverwaltung in Palästina (erster Hochkommissar: Sir Herbert Samuel) beginnt, nachdem der Oberste Rat der Alliierten Palästina den Briten zur treuhänderischen Verwaltung übergeben hat; Palästina ist nun britisches Mandatsgebiet. Die Bevölkerung Palästinas ist zu diesem Zeitpunkt zu 90 Prozent arabisch-palästinensisch (600 000 Palästinenser, 70 000 Juden).

10. August 1920
Friedensvertrag von Sèvres, in dem die Siegermächte die »Osmanische Beute« aufteilen.

5. Dezember 1920
Gründung der zionistischen Gewerkschaftsbewegung Histadrut.

1921
Der britische Hochkommissar ernennt Amin al-Husseini zum Mufti von Jerusalem.

Mai 1921
Landesweiter arabischer Aufstand in Palästina gegen die britische Kolonialmacht.

Januar 1922
Ernennung von Amin al-Husseini zum Präsidenten des von den Briten installierten Obersten Muslimischen Rates; als »Führer der Geistlichen« wird al-Husseini damit Großmufti.

22. Februar 1922
Großbritannien erklärt einseitig die Unabhängigkeit Ägyptens.

15. Mai 1922
Transjordanien wird formal unabhängiger Staat unter britischer Mandatsherrschaft.

22. - 24. Juli 1922
Auf der Tagung des Völkerbunds in London wird das Palästinamandat ratifiziert und am 29. September in Kraft gesetzt; der Völkerbund bestätigt auch das französische Mandat über den Libanon und Syrien.

15. Mai 1923
Großbritannien trennt Transjordanien vom Mandatsgebiet Palästina ab und errichtet einen eigenen Staat unter Emir Abdallah Ibn Hussein (ab 1946 König Abdallah I.), der weiterhin britischer Kontrolle untersteht.

1924
Beginn der vierten Aliya; vor allem polnische Juden siedeln sich in den Städten an.

August 1929
Auf dem 16. Zionistenkongreß wird in Zürich die erweiterte Jewish Agency for Palestine gegründet; sie vertritt die Interessen der in Palästina lebenden Juden gegenüber der britischen Mandatsregierung.

23. August 1929
Ein Zwischenfall an der Klagemauer in Jerusalem löst die bislang schwersten antijüdischen Unruhen aus (249 Tote). Die von dem Völkerbund eingesetzte Untersuchungskommission kommt zu dem Ergebnis, daß die Unruhen weitgehend in der zionistischen Siedlungspolitik begründet liegen.

21. Oktober 1930
Das Passfield-Weißbuch der englischen Regierung betont die Verpflichtung zur Neutralität der Mandatsmacht; die Erklärung bleibt jedoch ohne Auswirkung auf die englische Mandatspolitik.

1931
Auf Einladung von Amin al-Husseini tritt in Jerusalem der erste Islamische Weltkongreß zusammen, der ihn zum Präsidenten des Exekutivkomitees wählt. Aus der seit 1911 bestehenden Mus-li-misch-Christlichen Vereinigung geht die Patriotische Araberver-ei-nigung hervor, die den bewaffneten Kampf propagiert.

13. Januar 1931
Brief des britischen Premierministers Ramsay MacDonald mit prozionistischer Ausrichtung der Palästinapolitik.

1933
Im Rahmen der fünften Aliya kommen bis 1935 etwa 150 000 deutsche Juden nach Palästina.

15. September 1935
Durch die rassistischen Nürnberger Gesetze verlieren die Juden in Deutschland die Bürgerrechte.

April 1936
Konstituierung des Arabischen Hochkomitees unter Vorsitz des Großmuftis von Jerusalem. Das Komitee beschließt Schritte gegen die zunehmende jüdische Einwanderung.

19. April 1936
Die Kolonialtruppen zerschlagen eine antibritische Massendemonstration in Jaffa, was einen sechsmonatigen landesweiten Generalstreik zur Folge hat. Der arabische Aufstand setzt sich mit kurzen Unterbrechungen bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs fort.

7. Juli 1937
Eine von Lord Peel eingesetzte britische Untersuchungskommission (Peel-Kommission) schlägt die Teilung Palästinas vor, weil die Ziele der Balfour-Erklärung und der Mandatsauftrag unvereinbar seien. Nach der Ablehnung des Plans durch das Arabische Hochkomitee wird dieses von den Engländern aufgelöst; der Mufti flieht außer Landes. Die Jewish Agency hatte dem Teilungsplan unter gewissen Vorbehalten zugestimmt. Bereits am 9. November 1938 ließ Großbritannien den Teilungsplan jedoch wieder fallen (Woodhead-Kommission).

9./10. November 1938
Die wachsende Diskriminierung der Juden im Dritten Reich kulminiert in der Reichspogromnacht.

1939
Durch den arabischen Aufstand und im Schatten des drohenden Zweiten Weltkriegs ändert die britische Regierung ihre Palästinapolitik und sieht sich zu Konzessionen an die Araber gezwungen.

17. Mai 1939
Großbritannien verspricht im MacDonald-Weißbuch den Arabern Palästinas innerhalb der nächsten zehn Jahre die Unabhängigkeit. Die jüdische Einwanderung wird für die nächsten fünf Jahre auf 75 000 beschränkt, für die Folgezeit sogar von der Zustimmung der arabischen Seite abhängig gemacht.

1941
Aufhebung der Völkerbundmandate und Ausrufung der Unabhängigkeit Syriens (27. September) und des Libanon (26. November).

1942
Nachdem die Nationalsozialisten bereits seit 1939 mit der Vernichtung des europäischen Judentums in den eroberten Gebieten begonnen haben, erfolgt nun als Resultat der Wannsee-Konferenz der Genozid (Shoah); in Konzentrations- und Vernichtungslagern werden etwa sechs Millionen europäische Juden systematisch ermordet.

6. - 11. Mai 1942
Die außerordentliche zionistische Biltmore Konferenz (benannt nach dem New Yorker Tagungshotel) weist das Weißbuch vom Mai 1939 zurück und fordert die Aufhebung der britischen Einwanderunsgbeschränkungen, eine eigenständige jüdische Armee und ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina. Um ihre Abhängigkeit von Großbritannien zu verringern, wenden sich die Zionisten in zunehmendem Maß an die USA.

22. März 1945
Gründung der Arabischen Liga in Kairo.

22. März 1946
Beendigung des britischen Mandats über Transjordanien; Transjordanien wird unabhängig.

25. Mai 1946
Abdallah I. wird König von Jordanien und ändert die offizielle Landesbezeichnung von »Emirat Transjordanien« in »Haschemitisches Königreich Jordanien«.

22. Juli 1946
Sprengstoffanschlag zionistischer Extremisten auf das King-David-Hotel in Jerusalem, dem Sitz der britischen Mandatsverwaltung (90 Tote). Im Vorfeld hatte auch die Jewish Agency der Untergrundarmee Haganah den Befehl erteilt, gegen die britische Mandatsmacht nun Gewalt anzuwenden.

April 1947
Gründung der Baath-Partei in Syrien.

18. Februar 1947
Großbritannien bringt die Palästinafrage vor die Vereinten Nationen (UN). Nach zunehmendem internationalen Druck, vor allem durch die USA, legen die Briten angesichts des nun bekannten Ausmaßes der nationalsozialistischen Verbrechen und angesichts der wachsenden Spannungen in Palästina ihr Mandat nieder.

15. Mai 1947
Einsetzung einer Palästina-Sonderkommission der Vereinten Nationen (United Nations Special Committee on Palestine, UNSCOP) zur Prüfung der Palästinafrage, die am 1. September ihren Bericht und ihre Teilungsvorschläge vorlegt.

29. November 1947
Die UN-Vollversammlung der Vereinten Nationen beschließt in der Resolution 181 (II) mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit die Teilung Palästinas zum 1. November 1948 in einen jüdischen und einen arabischen Staat, die Internationalisierung Jerusalems (Sonderstatus als corpus separatum) sowie eine Wirtschaftsunion. Die Jewish Agency akzeptiert den Plan, die arabischen Staaten lehnen ihn als ungerecht ab; obwohl sich der jüdische Bodenbesitz 1947 nämlich nur auf 5,6 Prozent beläuft, wird dem jüdischen Staat mit 15100 km2 56,5 Prozent der Gesamtfläche Palästinas zugesprochen.

1. Dezember 1947
Beginn von Kämpfen zwischen Juden und Palästinensern als Reaktion auf den UN-Teilungsplan.

9. April 1948
Bei einem Massaker in dem Dorf Deir Yassin töten die zionistisch-extremistischen Untergrundorganisationen Irgun und Lehi 254 palästinensische Dorfbewohner, was zum Auftakt einer palästinensischen Massenflucht bzw. -vertreibung wird.

14. Mai 1948
Proklamation des Staates Israel durch David Ben-Gurion im städtischen Museum von Tel Aviv.

15. Mai 1948
Mit dem Ende des britischen Mandats und dem Abzug der letzten britischen Militäreinheiten erfolgt der Einmarsch arabischer Truppen u.a. aus Ägypten, Jordanien und Syrien, um den Teilungsplan zu verhindern; der erste Arabisch-Israelische Krieg beginnt.

11. Dezember 1948
Die Vereinten Nationen beschließen in der Resolution 194 das Rückkehrrecht für die palästinensischen Flüchtlinge oder deren Kompensation.

Frühjahr 1949
Der erste Arabisch-Israelische Krieg endet mit einem israelischen Sieg sowie der Unterzeichnung von Waffenstillstandsabkommen mit den benachbarten arabischen Staaten (Ägypten 24. Februar, Libanon 23. März, Transjordanien 3. April und Syrien 20. Juli). Infolge der Kampfhandlungen kontrolliert Israel nunmehr zwei Drittel Palästinas. Weit über die Hälfte der 1,3 Millionen palästinensischen Araber wird zu Flüchtlingen. Der Gazastreifen wird ägyptischer Militärverwaltung unterstellt, und Jerusalem wird zu einer zwischen Israel und Jordanien geteilten Stadt.

11. Mai 1949
Aufnahme Israels in die Vereinten Nationen.

8. Dezember 1949
Gründung des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA).

6. Januar 1950
David Ben-Gurion erklärt Jerusalem zur Hauptstadt Israels.

24. April 1950
Jordanien annektiert unter König Abdallah I. das 1949 besetzte Westjordanland.

15. Oktober 1950
Erste Suezkrise: Kündigung des Englisch-Ägyptischen Vertrags von 1936 durch Ägypten (Blockade des Suezkanals).

2. März 1951
Gründung des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad.

20. Juli 1951
König Abdallah I. von Jordanien wird vor der Al-Aqsa-Moschee in Ostjerusalem ermordet; Nachfolger wird sein Sohn Talal.

23. Juli 1952
In Ägypten putschen unter Oberst Gamal Abdel Nasser nationalistische Offiziere gegen König Faruk.

10. September 1952
Die Bundesrepublik Deutschland und Israel unterzeichnen in Luxemburg das sogenannte Wiedergutmachungsabkommen; offizieller Beginn der deutsch-israelischen Beziehungen.

2. Mai 1953
Hussein Ibn Talal wird König von Jordanien.

26. Januar 1954
Moshe Sharett tritt die Nachfolge von David Ben-Gurion als Ministerpräsident an.

28. Februar 1955
Wegen »ägyptischer Sabotageakte« unternimmt Israel einen Militärangriff gegen den Gazastreifen.

26. Juni 1955
Wahlen in Israel; ab November ist David Ben-Gurion erneut Ministerpräsident.

10. September 1955
Nasser sperrt den Golf von Akaba für Schiffe, die die israelische Hafenstadt Eilat anlaufen wollen.

Juni 1956
Gamal Abdel Nasser wird ägyptischer Staatspräsident.

26. Juli 1956
Ägypten verstaatlicht den Suezkanal.

28. Oktober 1956
Bei dem Massaker von Kafr Kassem werden 49 Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen.

29. Oktober - 6. November 1956
Im Suezkrieg läßt Israel in Abstimmung mit Frankreich und Großbritannien als Antwort auf die Verstaatlichung des Suezkanals durch Nasser Truppen auf die Kanalzone vorrücken. Israelische Streitkräfte besetzen den Gazastreifen und die Halbinsel Sinai, werden aber infolge eines amerikanisch-sowjetischen Ultimatums bis zum März 1957 wieder abgezogen.

5. März 1957
Die USA erklären sich bereit, die territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit der Staaten des Nahen Ostens notfalls mit dem Einsatz militärischer Machtmittel zu schützen (Eisenhower-Doktrin).

1. Februar 1958
Ägypten und Syrien gründen die Vereinigte Arabische Republik, die jedoch am 28. September 1961 wieder aufgelöst wird.

September/Oktober 1959
Yassir Arafat gründet mit anderen palästinensischen Aktivisten die Organisation Al-Fatah.

1961
Prozeß gegen den Naziverbrecher Adolf Eichmann in Israel; Eichmann wird im Mai 1962 hingerichtet.

8. März 1963
Machtergreifung der Baath-Partei in Syrien.

16. Juni 1963
Ministerpräsident David Ben-Gurion tritt zurück. Sein Nachfolger wird am 26. Juli Levi Eshkol.

28. Mai - 2. Juni 1964
Auf der ersten Sitzung des Palästinensischen Nationalrats in Ostjerusalem wird mit ägyptischer Unterstützung die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) gegründet. Erster Präsident des Exekutivkomitees ist bis zum Dezember 1967 Ahmed Shu-qai-ri. Arafat und seine Mitstreiter gehören der neuen palästinensischen Bewegung zunächst nicht an.

1. Januar 1965
Arafats Al-Fatah führt ihre erste militärische Operation gegen Israel durch.

12. Mai 1965
Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland.

1. Dezember 1965
Teddy Kollek wird Bürgermeister von Jerusalem.

23. Februar 1966
In Syrien übernimmt der linke Flügel der Baath-Partei die Macht.

16. Mai 1967
Nasser fordert den Abzug der UN-Truppen aus dem Sinai und dem Gazastreifen.

22. Mai 1967
Nasser sperrt den Golf von Akaba für israelische und nicht-israelische Schiffe mit strategischen Gütern für Isarel.

5. - 10. Juni 1967
Israel entscheidet den Junikrieg durch einen massiven Luftangriff zu seinen Gunsten und kontrolliert nun das Westjordanland, Ostjerusalem, den Gazastreifen, die ägyptische Halbinsel Sinai sowie die syrischen Golanhöhen. Nach dem Krieg weiten Arafat und die Al-Fatah ihre Angriffe auf Israel aus; andere radikale palästinensische Gruppierungen schließen sich an.

11. Juni 1967
Die osteuropäischen Staaten und die Sowjetunion brechen ihre diplomatischen Beziehungen zu Israel ab.

28. Juni 1967
Ostjerusalem wird von Israel annektiert; die Annektion wird international verurteilt.

29. August - 1. September 1967
Arabische Gipfelkonferenz in Khartum, auf der die arabischen Staaten ihre ablehnende Haltung gegenüber Israel festlegen (»Kein Friede, keine Anerkennung Israels, keine Verhandlungen«).

22. November 1967
In ihrer Resolution 242 fordern die Vereinten Nationen den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten und eine gerechte Regelung der Flüchtlingsfrage. Schwedens Botschafter in Moskau, Gunnar Jarring, wird UN-Sonderbeauftragter für den Nahen Osten.

Dezember 1967
Gründung der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) unter George Habash.

21. März 1968
Israelischer Angriff auf das Hauptquartier der palästinensischen Widerstandsorganisationen in der Stadt Karameh östlich des Jordan. Nach eintägigen Kampfhandlungen ziehen sich die israelischen Streitkräfte zurück; die Palästinenser feiern sich als Sieger.

17. Juli 1968
Verabschiedung der Palästinensischen Nationalcharta auf der vierten Sitzung des Palästinensischen Nationalrats in Kairo.

1. - 4. Februar 1969
Yassir Arafat wird auf der fünften Sitzung des Palästinensischen Nationalrats in Kairo zum Vorsitzenden der PLO gewählt.

24. Februar 1969
Von der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) spaltet sich die Demokratische Front für die Befreiung Palästinas (DFLP) ab.

17. März 1969
Golda Meir wird nach dem Tod von Levi Eshkol israelische Regierungschefin.

13. November 1969
Das Kairo-Abkommen regelt die Rechte der palästinensischen Widerstandsorganisationen im Libanon.

7. August 1970
Im Rahmen der Rogers-Initiative kommt es zwischen Israel und Ägypten zu einer Waffenruhe, wodurch der seit Oktober 1967 geführte sogenannte Abnutzungskrieg zwischen beiden Staaten weitgehend beendet wird.

17. - 29. September 1970
Bürgerkrieg in Jordanien (Schwarzer September). Die Aktivitäten der Palästinenser drohen auf die Schaffung eines Staates im Staate hinauszulaufen und untergraben somit die Souveränität Jordaniens. Königstreue jordanische Truppen vertreiben die palästinensischen Guerilla-Kämpfer, die ihre Operationsbasis nun in den Libanon verlegen.

28. September 1970
Tod von Gamal Abdel Nasser. Anwar as-Sadat wird am 15. Oktober neuer ägyptischer Staatspräsident.

30. November 1970
Hafez al-Assad gewinnt den Machtkampf in der Baath-Partei und wird im Februar 1971 syrischer Staatspräsident.

18. Juli 1972
Präsident Sadat ordnet den Abzug der etwa 20 000 sowjetischen Militärberater aus Ägypten an.

5. September 1972
Attentat der Palästinenserorganisation Schwarzer September auf die israelische Olympiamannschaft in München, bei dem 17 Menschen getötet werden.

August 1973
Gründung der Palästinensischen Nationalen Front, ein Zusammenschluß aller politischen Organisationen der Palästinenser in den besetzten Gebieten.

6. - 25. Oktober 1973
Oktoberkrieg, während dem die Araber erstmals die »Ölwaffe« einsetzen, um ihren politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die UN-Sicherheitsratsresolution 338 vom 22. Oktober fordert die sofortige Feuereinstellung und die Erfüllung der Resolution 242 vom November 1967.

21. Dezember 1973 - 9. Januar 1974
Nahostfriedenskonferenz in Genf unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen.

18. Januar 1974
Truppenentflechtungsabkommen zwischen Israel und Ägypten.

31. Mai 1974
Truppenentflechtungsabkommen zwischen Israel und Syrien.

1. - 8. Juni 1974
Mit dem Programm der zwölften Sitzung des Palästinensischen Nationalrats signalisiert die PLO erstmals ihre Bereitschaft zur Akzeptanz eines palästinensischen Staates in nur einem Teil Palästinas (Teilstaatlösung).

3. Juni 1974
Yitzhak Rabin wird als Nachfolger Golda Meirs Ministerpräsident Israels.

28. - 30. Oktober 1974
Auf der arabischen Gipfelkonferenz in Rabat wird die PLO als einzige legitime Vertretung des palästinensischen Volkes anerkannt; die PLO erhält daraufhin einen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen.

13. November 1974
Historische Rede von Yassir Arafat vor der UN-Vollversammlung in New York.

22. November 1974
Die Resolution 3236 der UN-Vollversammlung fordert eine Anerkennung des Rechts der Palästinenser auf nationale Souveränität und Unabhängigkeit – ein wichtiger Erfolg für die Palästinenser, da die Palästinafrage von nun an als nationale Frage anerkannt und nicht mehr nur als Flüchtlingsproblem behandelt wird.

13. April 1975
Beginn des Libanesischen Bürgerkriegs.

5. Juni 1975
Der Suezkanal, seit dem Junikrieg 1967 geschlossen, wird wieder geöffnet.

September 1975
Im Rahmen des Sinai-Abkommens zwischen Ägypten und Israel werden auf dem Sinai eine UN-Pufferzone und ein Frühwarnsystem eingerichtet.

März 1976
Schwere Unruhen im Westjordanland gegen die israelische Besatzungsmacht.

30. März 1976
Am »Tag des Bodens« demonstrieren Tausende gegen die israelische Enteignung arabischen Bodens; die israelische Armee erschießt hierbei sechs Palästinenser.

12. April 1976
Zum zweiten Mal (nach 1972) finden in den besetzten Gebieten Kommunalwahlen statt; Israel annulliert die Wahlen, aus denen die Kandidaten der PLO als Sieger hervorgegangen waren.

4. Juli 1976
Nach einer Flugzeugentführung befreit eine israelische Spezialeinheit die israelischen Geiseln auf dem Flughafen von Entebbe in Uganda.

6. September 1976
Die PLO wird Vollmitglied in der Arabischen Liga.

10. September 1976
Der israelische Außenminister Yigal Allon legt den Allon-Plan vor, der den Anschluß von etwa 30 Prozent des Westjordanlands an Israel fordert.

12. - 21. März 1977
Auf der dreizehnten Sitzung des Palästinensischen Nationalrats präzisiert die PLO ihr Teilstaatkonzept.

17. Mai 1977
Machtwechsel in Israel nach den Parlamentswahlen. Eine Rechtskoalition unter Führung des Likud stellt nach 30jähriger Regierungszeit der Arbeitspartei mit Menachem Begin den neuen Ministerpräsidenten. Moshe Dayan gehört der neuen Regierung zwei Jahre als Außenminister an.

19. - 21. November 1977
Der ägyptische Staatspräsident Sadat hält während seines Israelbesuchs eine historische Rede vor der Knesset (20.11.); es folgt ein Gegenbesuch des israelischen Ministerpräsidenten Begin in Kairo.

5. Dezember 1977
In Tripolis bilden Libyen, Syrien, der Irak, Südjemen und die PLO die »Front der Standhaftigkeit und Konfrontation«, um ein politisches Gegengewicht zu der sich anbahnenden nahöstlichen Dreierkonstellation Israel-Ägypten-USA zu schaffen; sie lehnen einen Separatfrieden mit Entschiedenheit ab.

14. Dezember 1977
Beginn der Kairo-Konferenz unter Teilnahme Israels, Ägyptens und der USA.

11. März 1978
Ein palästinensisches Kommando entführt auf der Küstenstraße Haifa-Tel Aviv einen israelischen Bus; bei dem anschließenden Feuergefecht werden 37 Israelis getötet.

15. März 1978
Die israelische Armee besetzt daraufhin den Südlibanon, um den palästinensischen Widerstand im Libanon zu zerschlagen (Litani-Operation).

19. März 1978
Die UN-Sicherheitsratsresolution 425 fordert Israel auf, sich aus dem Libanon zurückzuziehen.

8. April 1978
Gründung der israelischen Friedensorganisation Shalom Achshav (Frieden Jetzt).

13. Juni 1978
Israel zieht sich aus dem Libanon zurück. Mit israelischer Unterstützung wird im Südlibanon jedoch ein separatistisches Regime der Rechts-Milizen unter Major Saad Haddad installiert.

17. September 1978
Die USA, Ägypten und Israel unterzeichnen das Camp-David-Abkommen.

1. Oktober 1978
Gründung des Nationalen Führungskomitees als Zusammen-schluß palästinensischer Politiker in den besetzten Gebieten mit dem Ziel, ein Gegengewicht zu der im Camp-David-Abkommen konzipierten Autonomie zu schaffen.

10. Dezember 1978
Anwar as-Sadat und Menachem Begin erhalten den Friedensnobelpreis.

26. März 1979
Unterzeichnung des israelisch-ägyptischen Friedensvertrags in Washington. Israel räumt bis zum 25. April 1982 stufenweise den Sinai.

7. Juli 1979
Treffen zwischen dem österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky, Willy Brandt und Yassir Arafat in Wien; zum ersten Mal lädt ein westlicher Regierungschef Arafat ein.

18. Februar 1980
Israel und Ägypten nehmen diplomatische Beziehungen auf.

März 1980
Das israelische Kabinett erlaubt die jüdische Ansiedlung im Zentrum von Hebron, was verstärkte Unruhen in den besetzten Gebieten zur Folge hat.

1. März 1980
Zum ersten Mal verurteilt der UN-Sicherheitsrat einstimmig Israels Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten.

2. Mai 1980
Bei einem palästinensischen Attentat auf jüdische Siedler werden in Hebron sechs Israelis getötet. Israel deportiert daraufhin die palästinensischen Bürgermeister von Hebron und Halhoul.

2. Juni 1980
Anschläge jüdischer Siedler auf drei palästinensische Bürgermeister.

13. Juni 1980
In der Erklärung von Venedig fordert die Europäische Gemeinschaft erstmals die Beteiligung der PLO an einer Friedensregelung.

30. Juli 1980
Die israelische Regierung erklärt im Jerusalem-Gesetz die Stadt zur »ewigen und unteilbaren Hauptstadt Israels«.

22. September 1980
Beginn des Irakisch-Iranischen Kriegs.

7. Juni 1981
Zerstörung des irakischen Atomreaktors Osirak durch einen israelischen Luftangriff.

6. Oktober 1981
Ermordung Anwar as-Sadats durch islamistische Extremisten in Kairo. Hosni Mubarak wird neuer ägyptischer Staatspräsident.

1. November 1981
Ablösung der israelischen Militärverwaltung im Westjordanland und im Gazastreifen durch eine sogenannte Zivilverwaltung.

14. Dezember 1981
Die Knesset beschließt die juristische Annexion der Golanhöhen.

6. Juni 1982
Beginn des Libanonkriegs. Ziel der israelischen Libanoninvasion ist die politische und militärische Zerschlagung der PLO.

2. Juli 1982
Uri Avnery trifft Yassir Arafat im belagerten Beirut.

6. September 1982
Auf der größten Friedensdemonstration in der Geschichte Israels wenden sich 400 000 Teilnehmer gegen die weitgesteckten Ziele des Libanonkriegs.

9. September 1982
Der von der arabischen Gipfelkonferenz verabschiedete Fez-Plan fordert den UN-Sicherheitsrat auf, Garantien für einen nahöstlichen Frieden zu geben; er bedeutet die implizite Anerkennung Israels und somit einen Wendepunkt in der arabischen Nahostpolitik.

14. September 1982
Ermordung des designierten libanesischen Staatspräsidenten Bashir Gemayel.

15. September 1982
Papst Johannes Paul II. empfängt in Rom den PLO-Vorsitzenden Yassir Arafat.

16./17. September 1982
Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila in Beirut durch christliche Milizen unter den Augen der israelischen Armee (etwa 1000 Tote).

23. September 1982
Amin Gemayel wird libanesischer Staatspräsident.

18./19. Januar 1983
Yassir Arafat und Mahmoud Abbas treffen sich in Tunis mit den Israelis Matti Peled, Uri Avnery und Jaakov Arnon vom Israelischen Rat für Israelisch-Palästinensischen Frieden.

17. Mai 1983
Israelisch-Libanesisches Friedensabkommen über den Truppenabzug, das aufgrund syrischer Ablehnung jedoch nicht in Kraft tritt.

25. September 1985
Ein palästinensisches Kommando ermordet in Larnaca auf Zypern drei Mossad-Agenten.

1. Oktober 1985
Bombardierung des PLO-Hauptquartiers in Tunis durch die israelische Luftwaffe.

7. - 9. Oktober 1985
Ein Kommando der Palästinensischen Befreiungsfront entführt das italienische Kreuzfahrtschiff Achille Lauro und tötet einen US-Passagier.

8. - 9. Dezember 1987
Beginn der Intifada, des palästinensischen Volksaufstands gegen die israelische Besatzung.

31. Juli 1988
König Hussein von Jordanien verzichtet auf seinen Souveränitätsanspruch auf das Westjordanland.

15. November 1988
Auf seiner neunzehnten Sitzung proklamiert der Palästinensische Nationalrat auf der Grundlage der UN-Resolutionen und des Teilungsplans von 1947 in Algier den Staat Palästina; dies impliziert die Anerkennung Israels und eine Abkehr vom Terrorismus.

13. Dezember 1988
Yassir Arafat spricht vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in Genf.

15. Dezember 1988
Die USA beschließen die Aufnahme von offiziellen Gesprächen mit der PLO in Tunis. Mit einem Flugblatt, das zu Intifada-Aktionen aufruft, tritt die Hamas im Gazastreifen und im Westjordanland erstmals öffentlich in Erscheinung.

15. September 1989
Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak übermittelt einen Zehn-Punkte-Plan zur Regelung der Palästinafrage an die israelische Regierung.

22. Oktober 1989
Das Taif-Abkommen leitet die Beendigung des Libanesischen Bürgerkriegs ein.

März 1990
Die große Koalition zwischen Likud und Arbeitspartei in Israel zerbricht; in der Folge regiert eine rechts-nationalreligiöse Koalition.

20. Juni 1990
Die USA brechen den Dialog mit der PLO wieder ab.

2. August 1990
Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait.

10. September 1990
Gipfelkonferenz der Arabischen Liga in Kairo; von 21 Mitgliedsstaaten bleiben neun der Konferenz fern, und es kommt zu keiner verbindlichen Beschlußfassung zur Kuwaitkrise.

8. Oktober 1990
Bei schweren Unruhen werden im Oktober auf dem Gelände des Haram esh-Sharif in Ostjerusalem 19 Palästinenser von israelischen Polizisten erschossen.

14. Januar 1991
Die PLO-Funktionäre Salah Khalaf (Abu Iyad) und Hail Abdul Hamid (Abu al-Hol) werden in Tunis von einem Mitglied der palästinensischen Extremistengruppe Abu Nidals ermordet.

17. Januar - 28. Februar 1991
Im zweiten Golfkrieg beendet eine westliche Militärallianz die irakische Besetzung Kuwaits. Die PLO wird durch ihre Parteinahme für Saddam Hussein politisch sehr geschwächt.

6. März 1991
In der Erklärung von Damaskus bestätigen Ägypten, Syrien und sechs Mitgliedsstaaten des Golf-Kooperationsrates ihre weitere Zusammenarbeit und fordern eine internationale Konferenz zur Palästinafrage.

7. - 14. März 1991
Erste von insgesamt acht Nahost-Missionen des US-Außenministers James Baker (zwischen März und Oktober 1991).

1. Juni 1991
US-Präsident George Bush schlägt den Staatschefs Israels, Syriens, Jordaniens, Saudi-Arabiens und Ägyptens die Aufnahme von Friedensverhandlungen vor.

5. Juni 1991
Hosni Mubarak und der syrische Präsident Hafez al-Assad stimmen in Kairo den Vorschlägen Bushs zu.

27. Juni 1991
Die PLO erklärt sich bereit, innerhalb einer arabischen Delegation an den Friedensverhandlungen teilzunehmen.

17./18. Oktober 1991
Gespräche des russischen Außenministers Pankin mit israelischen Diplomaten führen zur Wiederherstellung voller diplomatischer Beziehungen zwischen Rußland und Israel.

30. Oktober - 1. November 1991
Madrider Friedenskonferenz unter der Schirmherrschaft der USA und der Sowjetunion.

3. November 1991
Beginn der ersten direkten bilateralen Verhandlungsrunde zwischen Israel, Syrien, dem Libanon und einer jordanisch-palästinensischen Delegation. Obwohl die PLO in Madrid nicht offiziell vertreten war, nimmt eine von der PLO-Führung ernannte Abordnung führender palästinensischer Persönlichkeiten aus den besetzten Gebieten an der Konferenz teil (bis Juli 1993 finden in Washington insgesamt zehn Verhandlungsrunden statt).

28. - 29. Januar 1992
Vorbereitungstreffen in Moskau vor Beginn der multilateralen Verhandlungen. Anwesend sind Vertreter von dreißig Staaten und Organisationen, die ein Steuerungskomitee und fünf Arbeitsgruppen einrichten für Rüstungskontrolle und regionale Sicherheit, Flüchtlinge, wirtschaftliche Entwicklung, Wasservorräte und Umwelt.

19. Februar 1992
Yitzhak Rabin wird zum Vorsitzenden der israelischen Arbeitspartei gewählt.

18. März 1992
Die Knesset verabschiedet ein Gesetz über die Direktwahl des Ministerpräsidenten, das zu den Wahlen der 14. Knesset 1996 in Kraft treten soll.

April 1992
Der Leiter des norwegischen FAFO-Instituts für Angewandte Sozialwissenschaft, Terje Rød Larsen, vermittelt Yossi Beilin, Abgeordneter der israelischen Arbeitspartei, die Idee von geheimen Verhandlungen in Norwegen.

20. Juni 1992
Larsen, Beilin und der palästinensische Politiker Faisal-Husseini besprechen im Ostjerusalemer American Colony Hotel die Idee von Geheimverhandlungen.

23. Juni 1992
Bei den israelischen Parlamentswahlen siegt die Mitte-Links-Koalition unter Yitzhak Rabin. Shimon Peres wird Außenminister.

13. Juli 1992
Rabin lädt die führenden arabischen Politiker nach Jerusalem ein.

21. Juli 1992
Staatsbesuch Rabins in Ägypten.

9. September 1992
Der norwegische stellvertretende Außenminister Jan Egeland besucht Israel, um israelisch-palästinensische Parallel-Verhandlungen vorzuschlagen.

10. September 1992
Rabin erklärt sich zum israelischen Teilrückzug von den Golanhöhen bereit.

22. September 1992
Rabin schlägt eine Konföderation zwischen Israel, den Palästinensern und Jordanien vor.

23. September 1992
Syrien stimmt einem grundsätzlichen Friedensvertrag zu, Voraussetzung ist jedoch der Rückzug Israels aus allen besetzten Gebieten.

3. November 1992
Bill Clinton wird zum US-Präsidenten gewählt.

4. Dezember 1992
Der israelische Wissenschaftler Yair Hirschfeld trifft sich in London mit dem PLO-Finanzexperten Ahmad Qurei, um die Öffnung eines Geheimkanals zu erörtern.

17. Dezember 1992
Nach der Entführung und Ermordung eines israelischen Grenzsoldaten werden 415 palästinensische Hamas-Anhänger in den von der israelischen Armee kontrollierten Südlibanon deportiert.

19. Januar 1993
Die Knesset hebt das Kontaktsperregesetz auf, das seit 1982 den Kontakt zwischen Israelis und PLO-Vertretern unter Strafe stellt.

20.- 22. Januar 1993
Mit Zustimmung des stellvertretenden israelischen Außenministers Yossi Beilin findet die erste Runde der Geheimgespräche zwischen Yair Hirschfeld, Ron Pundak, Ahmad Qurei, Hassan Asfour und Maher al-Kurd im norwegischen Sarpsborg bei Oslo statt.

26. Februar 1993
Der norwegische Außenminister Thorvald Stoltenberg informiert US-Außenminister Warren Christopher während einer NATO-Sitzung in Brüssel offiziell über den Oslo-Kanal.

24. März 1993
Wahl Ezer Weizmans zum siebten Staatspräsidenten Israels.

29. März 1993
Als Reaktion auf eine Welle terroristischer Anschläge beschließt die israelische Regierung, daß nur noch ein Fünftel der bisherigen Zahl von palästinensischen Arbeitern aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland in Israel arbeiten dürfen.

13. Mai 1993
In einem privaten Gespräch mit Shimon Peres stimmt Yitzhak Rabin der offiziellen Aufwertung des geheimen Oslo-Kanals zu.

14. Mai 1993
Uri Savir, Generaldirektor des israelischen Außenministeriums, wird israelischer Chefunterhändler in Oslo.

12. Juli 1993
Die israelische Tageszeitung Ha'aretz berichtet von Geheimverhandlungen zwischen Israel und der PLO.

12. August 1993
Die israelische Regierung erklärt sich offiziell bereit, bei den Nahostgesprächen direkt mit der PLO zu verhandeln.

15. August 1993
400 der ausgewiesenen Hamas-Anhänger nehmen den israelischen Vorschlag an, gruppenweise bis Dezember zurückzukehren.

18. August 1993
In einem Telefon-Marathon vermittelt der norwegische Außenminister Johan Jørgen Holst dem PLO-Hauptquartier in Tunis die israelische Position. Die Hauptpunkte der Prinzipienerklärung werden angenommen.

20. August 1993
In Oslo unterzeichnen die Unterhändler Israels, der PLO und Norwegens die Prinzipienerklärung.

1. September 1993
Peres bestätigt offiziell die Berichte über die Geheimverhandlungen.

4. September 1993
Das Zentralkomitee der Al-Fatah nimmt die Prinzipienerklärung mehrheitlich an. Jordanien und der Golf-Kooperationsrat erklären sich bereit, den Oslo-Prozeß zu unterstützen.

9.- 10. September 1993
In letzter Verhandlungsminute erhält Holst die Unterschriften Arafats und Rabins für die gegenseitige Anerkennung. Das Exekutivkomitee der PLO billigt trotz interner Widerstände den von Yassir Arafat in Tunis vorgelegten Text.

13. September 1993
Unterzeichnung der Osloer Prinzipienerklärung in Washington durch Mahmoud Abbas (Abu Mazen) und Shimon Peres; historischer Handschlag zwischen Yassir Arafat und Yitzhak -Rabin vor dem Weißen Haus.

23. September 1993
Die Knesset nimmt die Prinzipienerklärung mit 61 von 120 Stimmen an.

24. September 1993
Arafat ordnet die Beendigung militärischer PLO-Operationen gegen Israel an.

6. Oktober 1993
Rabin und Arafat treffen sich zum ersten Arbeitsgespräch in Kairo.

12. Oktober 1993
Der Zentralrat der PLO in Tunis billigt die Prinzipienerklärung.

13. Oktober 1993
Die Prinzipienerklärung tritt in Kraft; die israelisch-palästinensischen Verhandlungen über die Selbstverwaltung des Gaza-streifens und Jerichos beginnen im ägyptischen Taba.

2. November 1993
Ehud Olmert wird als Nachfolger von Teddy Kollek Bürgermeister von Jerusalem.

15. November 1993
Der US-Senat stimmt der Aufhebung von Sanktionen gegen die PLO zu.

2. und 7./8. Dezember 1993
Staatsbesuche Rabins und Arafats in der Bundesrepublik Deutschland.

13. Dezember 1993
Infolge von Meinungsverschiedenheiten über den Umfang des Selbstverwaltungsgebiets um Jericho, die Zuständigkeit für die Kontrolle an den Übergängen nach Jordanien und Ägypten sowie über die Sicherheit der jüdischen Siedler wird der Termin für den Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen und Jericho verschoben.

30. Dezember 1993
Der Vatikan und Israel unterzeichnen einen Grundlagenvertrag über bilaterale Beziehungen.

16. Januar 1994
Treffen zwischen Clinton und Assad in Genf.

17. Januar 1994
Israel will den möglichen Abzug von den Golanhöhen durch ein Referendum entscheiden lassen.

30. Januar 1994
PLO-Chef Arafat und Israels Außenminister Peres einigen sich in Davos darauf, daß das Selbstverwaltungsgebiet um Jericho 50 km2 betragen soll.

25. Februar 1994
Massaker beim Freitagsgebet in der Ibrahim-Moschee von Hebron, bei dem 29 Palästinenser von dem jüdischen Siedler Baruch Goldstein erschossen werden .

18. März 1994
Die Vereinten Nationen verurteilen das Massaker von Hebron und fordern Israel auf, die Siedler in den besetzten Gebieten zu entwaffnen, die Sicherheit der Palästinenser im Gazastreifen und Westjordanland (ausdrücklich einschließlich Ostjerusalem) zu garantieren sowie UN-Sicherheitsbeobachter zuzulassen.

31. März 1994
Israel akzeptiert mit der Einrichtung einer »vorübergehenden internationalen Präsenz in Hebron« erstmals ausländische Beobachter in den besetzten Gebieten.

April 1994
Anhänger des militärischen Flügels der Hamas und des Jihad Islami verüben mehrere Anschläge in Israel (6. April in Afula, 7. April in Ashdod und 13. April in Hadera); Israel reagiert mit der Abriegelung der besetzten Gebiete.

29. April 1994
Vertreter Israels und der PLO unterzeichnen in Paris im Beisein von Alain Juppé ein Protokoll (Pariser Zusatzprotokoll) über die künftige wirtschaftliche Kooperation zwischen Israel und der Palästinensischen Nationalbehörde für die Dauer der Interimsregelung.

4. Mai 1994
Arafat und Rabin unterzeichnen das Oslo-I-Abkommen fünf Monate später als geplant. Nach 27 Jahren israelischer Besatzung verwalten die Palästinenser nun die Stadt Jericho und den Gazastreifen in Teilbereichen selbst.

2. Juli 1994
Arafat trifft im Gazastreifen ein und errichtet dort die erste palästinensische Selbstverwaltung in Palästina; die PLO-Führung aus Tunis folgt am 12. Juli.

25. Juli 1994
Rabin und der jordanische König Hussein unterzeichnen im Weißen Haus die Washingtoner Erklärung, mit der sie den Kriegszustand zwischen Israel und Jordanien offiziell beenden.

Oktober 1994
Nach der Verschleppung eines israelischen Soldaten durch extremistische Hamas-Anhänger verfügt Israel die komplette Abriegelung des Gazastreifens und setzt die Verhandlungen über die Selbstverwaltung des Westjordanlands aus; der Soldat stirbt bei einer Befreiungsaktion der israelischen Armee. Nach einem weiteren Anschlag des militärischen Flügels der Hamas am 19. Oktober (23 Tote) beschließt Israel die Abriegelung des Westjordanlands und des Gazastreifens bis Anfang November.

26. Oktober 1994
Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen dem Staat Israel und dem Königreich Jordanien am Grenzübergang Araba bei Eilat.

10. Dezember 1994
Yassir Arafat nimmt in Oslo zusammen mit dem israe-lischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und Außenminister Shimon Peres den Friedensnobelpreis entgegen.

23. Januar 1995
Ein Selbstmordattentäter des Jihad Islami verübt einen Sprengstoffanschlag bei Netanya, bei dem 19 Israelis sterben.

2. Februar 1995
Gipfeltreffen Arafats, Rabins, Mubaraks und König Husseins in Kairo.

21. März 1995
Israel und Syrien nehmen auf Vorschlag Warren Christophers die offiziellen Verhandlungen vorläufig wieder auf.

9. April 1995
Nach einem Selbstmordanschlag zweier Palästinenser im Gazastreifen, bei dem sieben Israelis sterben, beschließt die Palästinensische Nationalbehörde, hart gegen islamistische Extremisten vorzugehen.

6. Juli 1995
Arafat und Rabin einigen sich über die Eckpunkte eines Interimsabkommens über die Selbstverwaltung des Westjordanlands.

24. Juli und 21. August 1995
Terroranschläge palästinensischer Selbstmordattentäter auf israelische Busse in Ramat Gan und Westjerusalem verzögern die für 25. Juli geplante Unterzeichnung des Interimsabkommens als Beginn der zweiten Phase der Osloer Vereinbarungen.

24. September 1995
Vertreter Israels und der Palästinensischen Nationalbehörde vereinbaren im Oslo-II-Abkommen die erweiterte palästinensische Selbstverwaltung. Das Westjordanland wird in drei Zonen aufgeteilt. Das Interimsabkommen wird von Rabin und Arafat am 28. September in Washington unterzeichnet.

13. Oktober 1995
Die Hamas und die PLO erwägen eine »nationale Versöhnung«.

26. Oktober 1995
Der Chef des Jihad Islami, Fathi Shikaki, wird von Mossad-Agenten auf Malta erschossen.

4. November 1995
Nach einer Kundgebung in Tel Aviv zur Unterstützung der Regierungspolitik wird der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin ermordet.

27.- 29. Dezember 1995
Die seit Juni unterbrochenen Verhandlungen zwischen Israel und Syrien werden in Washington wieder aufgenommen.

Januar 1996
Die israelische Armee räumt schrittweise die größeren Bevölkerungszentren des Westjordanlands und übergibt sie den palästinensischen Behörden.

5. Januar 1996
Agenten des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet ermorden in Gaza Yahya Ayasch, den führenden Kopf des militärischen Arms der Hamas.

20. Januar 1996
Bei den Wahlen im Westjordanland und Gazastreifen zum Palästinensischen Legislativrat wird Arafat zum Präsidenten gewählt.

25. Februar, 3. und 4. März 1996
Selbstmordattentäter der Organisationen Hamas und Jihad Islami verüben eine Serie von Anschlägen in Israel, bei denen mehr als 100 Israelis getötet werden. Sprecher der beiden extremistischen Gruppierungen bezeichnen die Anschläge als Racheaktionen auf die Ermordung von Fathi Shikaki und Yahya Ayasch.

7. März 1996
Konstituierende Sitzung des Palästinensischen Legislativrats in Gaza, der am 4. April in Ramallah erstmals zusammentritt.

13. März 1996
Internationale Anti-Terrorismus-Konferenz in Sharm el-Sheich.

11.- 27. April 1996
Israelische Operation »Früchte des Zorns« gegen Hizbollah-Milizen im Südlibanon, bei der in Kana über 100 Zivilisten getötet werden.

22.- 26. April 1996
Der Palästinensische Nationalrat, das aus etwa 600 Abgeordneten bestehende PLO-Parlament, beschließt in Gaza auf seiner 21. Sitzung die Änderung der Palästinensischen Nationalcharta. Die Verpflichtung zur Streichung der Passagen, welche die Vernichtung Israels fordern, war Teil der Oslo-Abkommen.

5.- 6. Mai 1996
Verhandlungsauftakt über den endgültigen Status der besetzten Gebiete und Jerusalems.

29. Mai 1996
Der Likud-Vorsitzende Benyamin Netanyahu gewinnt die vorgezogene Ministerpräsidentenwahl mit einer Mehrheit von weniger als einem Prozent vor Shimon Peres. Die eigentlichen Sieger der Wahlen zur 14. Knesset sind die rechtsnationalen und religiösen Parteien.

22.- 23. Juni 1996
Arabische Gipfelkonferenz in Kairo.

2. August 1996
Die israelische Regierung beschließt die Aufhebung des Baustopps für jüdische Siedlungen in den Palästinensischen Gebieten und forciert offen ihre Siedlungskampagne.

5. August 1996
Netanyahu besucht König Hussein in Jordanien.

4. September1996
Netanyahu und Arafat treffen in Erez erstmals zusammen. Streitpunkt ist der Teilrückzug der israelischen Armee aus Hebron im Westjordanland, der schon im April hätte erfolgen müssen.

25. - 30. September 1996
Israel läßt unterhalb des Haram esh-Sharif einen Touristentunnel öffnen und provoziert damit die schwersten Auseinandersetzungen seit Beginn des Friedensprozesses (Tunnel-Unruhen). Erstmals stehen sich in den Kämpfen palästinensische Polizisten und israelische Soldaten gegenüber.

1./2. Oktober 1996
Treffen zwischen Arafat und Netanyahu in Washington.

24. Dezember 1996
Yassir Arafat nimmt erstmals an den Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem teil.

15. Januar 1997
Unterzeichnung des überfälligen Hebron-Abkommens.

26. Februar 1997
Der zuständige israelische Kabinettsausschuß beschließt den Bau der jüdischen Siedlung Har Homa auf dem Jabal Abu Gneim südlich von Jerusalem; die sich anschließenden Unruhen dauern bis zum April.

13. März 1997
Ein jordanischer Soldat erschießt bei einem Anschlag im Jordantal sieben israelische Schülerinnen.

21. März 1997
Bei einem Selbstmordanschlag in Tel Aviv werden der Attentäter und drei Israelis getötet.

31. März 1997
Die Arabische Liga beschließt in Kairo, den Boykott Israels wieder aufzunehmen.

14. Mai 1997
Der Parteitag der Arbeitspartei beschließt, die Möglichkeit der Errichtung eines »palästinensischen Staates mit begrenzter Souveränität« ins Parteiprogramm aufzunehmen.

3. Juni 1997
Ehud Barak wird zum Vorsitzenden der Arbeitspartei gewählt.

Juli 1997
Ein neues israelisches Siedlungsprojekt in Ras el-Amud (Ostjerusalem) löst heftige palästinensische Proteste aus.

30. Juli 1997
Bei einem Anschlag auf dem Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem werden fünfzehn Israelis getötet. Am 4. September kommen bei einem weiteren Attentat in Jerusalem acht Israelis ums Leben.

7. September 1997
Gipfeltreffen zwischen Mubarak, König Hussein und Arafat in Kairo.

24. September 1997
Die israelische Regierung kündigt den Bau von 300 weiteren Wohneinheiten in der Siedlung Efrat an.

25. September 1997
Ein Mossad-Attentat auf den Hamas-Politiker Khaled Mashal schlägt in Amman fehl.

1. Oktober 1997
Das geistliche Oberhaupt der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, wird aus israelischer Haft entlassen und nach Jordanien ausgeflogen; er trifft am 6. Oktober in Gaza ein.

1. April 1998

Das israelische Kabinett akzeptiert die Resolution 425 des UN-Sicherheitsrats, welche die bedingungslose vollständige Räumung libanesischen Staatsgebiets verlangt.

4. Mai 1998
Präsident Arafat akzeptiert grundsätzlich das Beilin-Abu-Mazen-Papier (Abu-Dis-Plan) für eine endgültige Regelung.

20. Juni 1998
Verabschiedung des »Programms zur Stärkung Jerusalems« durch das israelische Kabinett. Die Ausweitung der Planungsbefugnisse auf Gebiete außerhalb der Stadtgrenzen in den besetzten Gebieten provoziert weltweite Proteste.

18. Juli 1998
120 Staaten beschließen die Einrichtung eines internationalen Strafgerichtshofs. Als einer von sieben Staaten stimmt Israel gegen die Entscheidung, weil als Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch die Besiedlung besetzten Gebiets zählt.

28. September 1998
Erstes Zusammentreffen von Netanyahu und -Arafat am Rande der UN-Vollversammlung seit mehr als eineinhalb Jahren.

13. Oktober 1998
Ernennung Ariel Sharons zum Außenminister Israels (David Levi war im Januar 1998 zurückgetreten).

23. Oktober 1998
Unterzeichnung des Wye-I-Abkommens durch Arafat und Netanyahu.

31. Oktober 1998
Mehrere hunderttausend Menschen nehmen an der Gedenkver-an-staltung aus Anlaß des dritten Jahrestags der Ermordung Yitzhak Rabins in Tel Aviv teil.

14. Dezember 1998
Im Beisein von US-Präsident Bill Clinton bekräftigt der Palästinensische Nationalrat die Annullierung der Israel-feindlichen Passagen der Palästinensischen Nationalcharta.

21. Dezember 1998
Entscheidung der Knesset für vorgezogene Neuwahlen. Ursprünglich waren die Wahlen erst für Oktober 2000 geplant.

26. Januar 1999
Mit 53 gegen 30 Stimmen verabschiedet die Knesset ein Gesetz, das die Rückgabe von Teilen der besetzten Golanhöhen von der Zustimmung einer absoluten Mehrheit der Knesset und eines Referendums abhängig macht.

7. Februar 1999
Tod König Husseins von Jordanien. Sein Sohn Abdallah Ibn Hussein wird neuer König von Jordanien.

24. März 1999
In der abschließenden Erklärung ihres Gipfels in Berlin »bekräftigt die Europäische Union das dauerhafte und uneingeschränkte Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung einschließlich der Option für einen Staat« und »erklärt sich bereit, die Anerkennung eines palästinensischen Staates zu gegebener Zeit in Erwägung zu ziehen«.

4. Mai 1999
Nach dem Ablauf der Interimsphase beschließt die Palästinensische Nationalbehörde, die Ausrufung eines Staates auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

17. Mai 1999
Ehud Barak wird zum neuen Ministerpräsidenten Israels gewählt.

6. Juli 1999
Amtsantritt von Ehud Barak. Die Koalitionsregierung besteht aus dem Wahlbündnis »Ein Israel« (Arbeitspartei, Gesher und Meimad), Meretz, Zentrumspartei, Schas, Nationalreligiöse Partei, Vereinigte Toraliste und Israel Baaliya. Wenige Tage später trifft der neue israelische Regierungschef mit Hosni Mubarak und Yassir Arafat zusammen.

2. September 1999
Ariel Sharon wird Nachfolger von Benyamin Netanyahu im Amt des Likud-Vorsitzenden.

5. September 1999
Unterzeichnung des Wye-II-Abkommens durch Arafat und Barak in Sharm el-Sheich.

25. Oktober 1999
Die Transitstraße zwischen dem Gazastreifen und dem südlichen Westjordanland wird eröffnet.

2. November 1999
Gipfeltreffen zwischen Clinton, Arafat und Barak in Oslo.

15. Dezember 1999
Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Israel und Syrien in Washington über die Rückgabe der Golanhöhen.

7. Februar 2000
Die palästinensische Seite bricht die am 13. September 1999 begonnenen Verhandlungen mit Israel über die »endgültige Regelung« ab. Schwere israelische Luftangriffe auf den Libanon.

20. - 26. März 2000
Besuch von Papst Johannes Paul II. in Israel, Palästina und Jordanien.

26. März 2000
Das Gipfeltreffen der Präsidenten Clinton und Assad in Genf zur Wiederbelebung der israelisch-syrischen Friedensverhandlungen scheitert.

23. April 2000
Erster Staatsbesuch von König Abdallah II. von Jordanien in Israel.

20. - 24. Mai 2000
Rückzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon.

10. Juni 2000
Tod des syrischen Staatspräsidenten Hafez al-Assad. Sein Sohn Bashar wird am 10. Juli 2000 neuer syrischer Staatspräsident.

10. Juli 2000
Israels Staatspräsident Ezer Weizman tritt vorzeitig zurück.

11. Juli 2000
Beginn der Verhandlungen zwischen Arafat und Barak unter Vermittlung von Präsident Clinton in Camp David. Die Gespräche werden am 25. Juli 2000 ergebnislos abgebrochen.

31. Juli 2000
Der Likud-Politiker Moshe Katsav wird neuer israelischer Staatspräsident.

28. September 2000
Der provokative Besuch Ariel Sharons auf dem Tempelberg (Haram esh-Sharif) in Jerusalem wird zum Auslöser der Al-Aqsa-Intifada, in deren Verlauf bis Ende Mai 2001 über 500 Palästinenser und etwa 80 Israelis getötet werden.

16./17. Oktober 2000
Gipfeltreffen in Sharm el-Sheich zwischen Barak und Arafat unter Teilnahme von Clinton, Mubarak und König Abdallah II. Barak und Arafat einigen sich zwar auf ein Ende der gewalttätigen Konfrontation, die Unruhen in den Palästinensischen Gebieten gehen jedoch weiter.

22. Oktober 2000
Arabisches Gipfeltreffen in Kairo.

21. November 2000
Nach israelischen Luftangriffen auf Gaza beruft Ägypten seinen Botschafter aus Tel Aviv zurück.

28. November 2000
Die Knesset beschließt ein Gesetz zur Selbstauflösung und zu vorzeitigen Neuwahlen.

10. Dezember 2000
Ehud Barak erklärt seinen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten.

18. Dezember 2000
Benyamin Netanyahu verzichtet auf die Kandidatur zur Wahl des Ministerpräsidenten am 6. Februar 2001.

23. Dezember 2000
Mit dem Clinton-Plan unternimmt der US-Präsident einen letzten Versuch, die Friedensverhandlungen vor Ablauf seiner Amtszeit am 20. Januar 2001 zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.

20. Januar 2001
George W. Bush wird neuer US-Präsident.

Ende Januar 2001
Ein weiterer israelisch-palästinensischer Verhandlungsmarathon über eine endgültige Friedensregelung endet in Taba ebenfalls ergebnislos.

6. Februar 2001
Ariel Sharon wird zum neuen Ministerpräsidenten Israels gewählt.

Februar - April 2001
Die extremistischen Organisationen Hamas und Jihad Islami setzen ihre Gewaltaktionen mit einer Serie von Anschlägen und Selbstmordattentaten gegen Israel fort (über 20 Tote).

7. März 2001
Amtsantritt von Ariel Sharon. Shimon Peres wird in der neuen rechts-nationalreligiösen Koalitionsregierung Außenminister.

20. März 2001
Antrittsbesuch von Ariel Sharon bei US-Präsident George W. Bush in Washington.

29. März 2001
Der ägyptische Außenminister Amr Musa wird auf der arabischen Gipfelkonferenz in Amman zum neuen Generalsekretär der Arabischen Liga gewählt.

April 2001
Ungewöhnlich scharf verurteilen die USA jeden weiteren israelischen Siedlungsbau in den Palästinensischen Gebieten als einen »Akt der Provokation«.

4. April 2001
Unter Vermittlung des EU-Beauftragten für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, treffen sich in Athen der israelische Au-ßenminister Shimon Peres und Nabil Shaath, der palästinensische Minister für Planung und internationale Zusammenarbeit.

10./11. April 2001
Mit ihrem Vorstoß in das palästinensische Flüchtlingslager Khan Yunis im Gazastreifen dringt die israelische Armee erstmals seit dem Abschluß des Oslo-II-Abkommens vom September 1995 in die ausschließlich von Palästinensern kontrollierte Zone A der Palästinensischen Gebiete vor. Vorausgegangen war ein Mörserbeschuß auf jüdische Siedlungen innerhalb und außerhalb des Gaza-strei-fens. Die israelische Militäroffensive wird auch von den USA verurteilt.

16. April 2001
Durch den israelischen Angriff auf eine syrische Radarstellung östlich von Beirut – dem ersten Angriff Israels auf syrische Stellungen im Libanon seit fünf Jahren – erfährt der Konflikt eine weitere gefährliche Zuspitzung. Dem Bombardement vorausgegangen war ein Hizbollah-Angriff auf die von Israel beanspruchten Schebaa-Farmen im Grenzgebiet zwischen Israel, dem Libanon und Syrien. Den am 16. April vom jordanischen Außenminister Abdallah al-Chatib in Jerusalem vorgelegten ägyptisch-jordanischen Vermittlungsvorschlag (Aufhebung der Abriegelung der Palästinensischen Gebiete, weiterer israelischer Truppenabzug, Siedlungsstopp, neue Friedensverhandlungen) zur Beilegung der Unruhen lehnt die israelische Regierung ab.

17./18. April 2001
Nach einem Granatbeschuß durch die Hamas auf die israelische Ortschaft Sderot besetzt die israelische Armee einen Teil des Gazastreifens. Die Militäroffensive wird international scharf verurteilt und auch von den USA als »übertrieben und unverhältnismäßig« kritisiert, worauf Israel seine Truppen wieder zurückzieht.

27. April 2001
Der russische Präsident Wladimir Putin unterstützt die ägyptisch-jordanische Friedensinitiative, die auch von US-Außenminister Colin Powell begrüßt wird.

5.- 8. Mai 2001
Im Rahmen seines Besuchs in Syrien richtet Papst Johannes Paul II. am 7. Mai in Kuneitra auf den Golanhöhen einen eindringlichen Friedensappell an die Konfliktparteien im Nahen Osten.

7. Mai 2001
Die israelische Marine stoppt nördlich von Haifa ein libanesisches Boot, welches im Auftrag des Volksfront-Generalkommandos (PFLP-GC) Waffen in den Gazastreifen transportieren sollte.

8. Mai 2001
Die Europäische Union übt heftige Kritik an der Haltung der israelischen Regierung gegenüber den Palästinensern; die EU fordert u.a. die Einstellung jeglicher Siedlungsaktivitäten und die Aufhebung der Blockade der Palästinensischen Gebiete. Der israelische Außenminister Shimon Peres appelliert während eines Staatsbesuchs in Berlin an die Bundesregierung, sich als Vermittler in den Nahostkonflikt einzuschalten.

10. Mai 2001
Die israelische Armee dringt innerhalb von zwei Tagen zum fünften Mal in die Palästinensischen Gebiete ein.

15. Mai 2001
Am palästinensischen Protesttag »Al-Nakba« (Tag der Katastrophe) demonstrieren Hunderttausende von Palästinensern gegen die Staatsgründung Israels am 15. Mai 1948 und die sich daran anschließende Vertreibung von etwa 730000 Palästinensern.

16. Mai 2001
Die Palästinensische Nationalbehörde stimmt dem am 5. Mai vorgelegten Bericht der Mitchell-Kommission zur Ursachenermittlung der Al-Aqsa-Intifada zu. Die israelische Regierung akzeptiert die Vorschläge zur Beendigung der seit Ende September 2000 andauernden Gewaltwelle, lehnt jedoch die Forderung nach einem Siedlungsstopp ab. Neben einem israelischen Sied-lungs-stopp empfiehlt der Bericht eine sofortige Waffenruhe als Grundlage für die Wiederaufnahme von Verhandlungen.

18. Mai 2001
Bei einem Selbstmordattentat eines Hamas-Anhängers werden in Netanya sechs Israelis getötet. Als Reaktion auf den Anschlag greift die israelische Armee erstmals seit dem Junikrieg von 1967 palästinensische Einrichtungen mit F-16-Kampfflugzeugen an. Bei den Bombardements werden 15 Palästinenser getötet.

19. Mai 2001
Die Arabische Liga ruft als Reaktion auf die israelischen Luftschlä-ge in seltener Einmütigkeit zum Abbruch aller politischen Kontakte zu Israel auf.

21. Mai 2001
William Burns wird neuer Nahostbeauftragter und Sonderermittler der US-Regierung; er soll die Empfehlungen der Mitchell-Kommission umsetzen. Mit der Ernennung von Burns kehrt die US-Regierung wieder zu einer aktiveren Vermittlerrolle zurück.

24. Mai 2001
Israels Luftwaffe schießt über der israelischen Mittelmeerküste bei Haifa ein libanesisches Kleinflugzeug ab.

27. Mai 2001
US-Sonderermittler William Burns führt Gespräche mit Yassir Arafat und Ariel Sharon zur Umsetzung des Mitchell-Berichts; es handelt sich hierbei um den ersten direkten amerikanischen Vermittlungsversuch seit dem Amtsantritt von Präsident George W. Bush im Januar 2001.

31. Mai 2001
Faisal Husseini, zuständiger Minister für Jerusalem in der Palästinensischen Nationalbehörde, stirbt an einem Herzinfarkt in Kuwait.

1. Juni 2001
Bei einem Selbstmordanschlag der Hamas weden vor einer Diskothek in Tel Aviv 21 Israelis getötet. Die israelische Regierung hält an ihrem am 22. Mai einseitig verkündeten Waffenstillstand fest und verzichtet auf einen militärischen Gegenschlag.

2. Juni 2001
Auf Vermittlung des deutschen Außenministers Joschka Fischer (Nahostreise vom 1. bis 5. Juni) ordnet Yassir Arafat eine sofortige Waffenruhe für die Palästinensischen Gebiete an.

13. Juni 2001
Nach der Zustimmung Sharons und Arafats tritt die von CIA-Chef George Tenet ausgehandelte Waffenruhe in Kraft. Tenets Vermittlungsvorschlag sieht neben der sofortigen Einstellung aller Gewalttaten die Festnahme militanter Extremisten durch die Palästinensische Nationalbehörde sowie die Aufhebung der Abriegelung der Palästinensischen Gebiete vor. Israel verpflichtet sich zudem zum Rückzug seiner Truppen auf die Positionen vor Beginn der Al-Aqsa-Intifada. Außerdem sieht Tenets Plan eine sechswöchige Abkühlungsphase vor, an deren Ende Israel und die Palästinenser mit der Wiederaufnahme von Friedensgesprächen beginnen sollen.

14. Juni 2001
Zwölf Jahre nach dem Taif-Abkommen beginnt die syrische Armee überraschend mit dem Abzug von Truppen aus Beirut und seiner näheren Umgebung. Im Rahmen der militärischen Umgruppierung bleiben syrische Einheiten jedoch weiter im Norden des Libanon und in der Bekaa-Ebene stationiert.

26. Juni 2001
Im Rahmen eines USA-Besuches kommtes zwischen Sharon und US-Präsident Bush zu Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Umsetzung des Mitchell-Plans; Sharon lehnt einen sofortigen Beginn der vorgesehenen sechswöchigen Abkühlungsphase ab.

28. Juni 2001
US-Außenminister Colin Powell vereinbart auf seiner Nahostreise mit Sharon und Arafat einen Zeitplan zur Umsetzung des Mitchell-Plans; nach einer siebentägigen vollständigen Waffenruhe soll die sechswöchige Abkühlungsphase mit vertrauensbildenden Maßnahmen beginnen und anschließend ist die Wiederaufnahme der Friedensgespräche vorgesehen.

29./30. Juni 2001
Am Rande einer Tagung der Sozialistischen Internationale in Lissabon treffen sich der israelische Außenminister Peres und Palästinenserpräsident Arafat; es handelt sich hierbei um das ranghöchste Treffen seit dem Amtsantritt von Sharon im März 2001.

Der Zeitraum von Juni 2001 bis Januar 2003 wird noch ergänzt!



15. Januar 2003
Innenminister Otto Schily hat zum dritten Mal seit den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 eine islamistische Organisation verboten. Der Gruppierung Hizb ut-Tahir wird vorgeworfen, vor allem an Hochschulen gegen Israel zu agitieren und die Errichtung eines Gottesstaates anzustreben. Hizb ut-Tahir befürworte die Vertreibung und Tötung von Juden, sagte Schily.

16. Januar 2003
Im Irak sind Hinweise auf die Existenz von Massenvernichtungswaffen gefunden worden. Die UN-Inspekteure entdeckten bei der Durchsung eines Munitionslagers elf leere Gefechtsköpfe für chemische Waffen. In verschiedenen europäischen Staaten formierte sich unterdessen Widerstand gegen die Angriffspläne der Vereinigten Staaten. Bundesverteidigungsminister Peter Struck bezeichnete am 17. Januar ein deutsches Ja im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen als »im Grunde nicht mehr vorstellbar«. Waffeninsepekteur Hans Blix setzte sich mit seiner Forderung nach einer Verlängerung der Inspektionen über den 27. Januar hinaus in offenen Gegensatz zur US-Regierung. Zugleich forderte er vom Irak eine deutlich verstärkte Zusammenarbeit.

22. Januar 2003
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat die ablehnende Haltung Deutschlands und Frankreichs zum Irakkrieg scharf kritisiert und damit bei den betroffenen Politikern Empörung ausgelöst. Rumsfeld sagte, beide Länder verkörperten das »alte Europa« und behinderten die Entwaffnung Saddam Husseins. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac hatten zuvor ihre gemeinsame Ablehnung eines Krieges bekräftigt.

5. Februar 2003
US-Außenminister Colin Powell hat vor dem UN-Sicherheitsrat Geheimdienstmaterial präsentiert, mit dem bewiesen werden soll, dass der Irak die UN-Waffeninspektoren über Programme zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen getäuscht hat. In seiner Rede zeigte Powell Satellitenbilder von mutmaßlichen Waffenfabriken und spielte Tonbänder von abgehörten Gesprächen irakischer Regierungsbamter vor. Zudem warf Powell Bagdad Kontakte zum Terrornetzwerk al-Oaida vor.

5. Februar 2003

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat der Bundesregierung erneut vorgeworfen, den internationalen Druck auf den Irak zu schwächen. Rumsfeld sagte, Deutschland habe ebenso wie Kuba und Libyen angedeutet, »in keiner Weise helfen« zu wollen.

6. Februar 2003
US-Präsident George W. Bush hat den UN-Sicherheitsrat ultimativ zu einer Entwaffnung des Irak aufgefordert. Bush sagte, er würde eine neue UN-Resolution begrüßen, wenn sie die Forderungen bekräftige. Die Sicherheitsratsmitglieder China, Deutschland, Frankreich und Russland sprachen sich dafür aus, den UN-Waffeninspektoren mehr Zeit zu geben. Der russische Außenminister Igor Iwanow sagte am 7. Februar, sein Land sehe derzeit keine Grundlage für eine Resolution, die den Weg zum Gewalteinsatz öffnen würde.

8. Februar 2003
Der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat die Nato- Blockade durch Deutschland, Frankreich und Belgien als verantwortungslos bezeichnet. Auf der Sicherheitskonferenz in München warb er für entschlossenes Handeln gegen den Irak. Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte, er sei von der Notwendigkeit eines Kriegs nicht überzeugt. In deutschen Städten demonstrierten Zehntausende gegen einen Krieg.

10. Februar 2003
Deutschland und die Niederlande haben für sechs Monate das Kommando der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (Isaf) von der Türkei übernommen. Es ist die bisher größte und gefährlichste Mission in der Geschichte der Bundeswehr. Sie stellt insgesamt 2500 Soldaten. Die Isaf unterstützt die Regierung von Hamid Karsai. Die Weigerung Frankreichs, Deutschlands und Belgiens, die Planungen der Nato zum Schutz der Türkei im Falle eines Irak-Kriegs zu unterstützen, haben einen heftigen Streit im nordatlantischen Verteidigungsbündnis verursacht. Paris und Brüssel legten kurz vor Ablauf der Einspruchsfrist Veto ein, Berlin schloss sich an.

13. Februar 2003
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat in einer Regierungserklärung bekräftigt, er sehe keinen Grund für einen Krieg. Er warnte vor einer schleichenden Gewöhnung an Krieg als Mittel der Politik. Es gebe eine friedliche Alternative zur Entwaffnung Saddam Husseins. Die Opposition warf ihm vor, Deutschland isoliert zu haben.

14. Februar 2003
Die Rüstungskontrolleure Hans Blix und Mohammed el Baradei haben dem UN-Sicherheitsrat ihren Bericht über die Inspektionen im Irak vorgelegt. Anschließend sollte das Gremium über Konsequenzen beraten. Die USA und Großbritannien hatten im Vorfeld für einen Krieg gegen den Irak plädiert. Frankreich, Russland und Deutschland forderten dagegen in einer gemeinsamen Erklärung weitere Inspektionen.

24. Februar 2003
Die USA, Großbritannien und Spanien haben dem UN-Sicherheitsrat am 24.Februar den Entwurf für eine neue Irak-Resolution vorgelegt. In dem Papier, durch das ein Krieg legitimiert werden soll, heißt es, der Irak habe seine Abrüstungsverpflichtungen »erheblich verletzt«. Frankreich, Russland und Deutschland präsentierten dem Rat ebenfalls eine Initiative zur gewaltlosen Entwaffnung des Irak.

26. Februar 2003
US-Präsident George W. Bush hat eine Neuordnung der Länder des Nahen Ostens im Gefolge eines Machtwechsels im Irak angekündigt. In einer Grundsatzrede sagte Bush, die wichtigsten Aufgaben seien ein Sturz der irakischen Regierung und die Gründung eines palästinensischen Staates.

27. Februar 2003
Der Irak hat der Zerstörung seiner Raketen vom Typ El Samud 2 zugestimmt. Die Irak-Inspektionskommission Unmovic bestätigte , man verhandle mit den irakischen Behörden über die Vernichtung der verbotenen Waffen mit einer Reichweite von mehr als 150 Kilometern. UN- Chefinspekteur Hans Blix hatte dem Irak eine Frist bis zum 1.März gesetzt, um mit der Zerstörung zu beginnen.
Das israelische Parlament hat das neue Kabinett von Ministerpräsident Ariel Scharon bestätigt. Nach den Wahlen vom 28. Januar entstand eine Koalition aus Scharons Likud, der Schinui-Partei, der Nationalen Union und der National-Religiösen Partei.
Der Berliner Architekt Daniel Libeskind hat den Zuschlag für einen Neubau am Ground Zero in New York erhalten. Er gewann eine internationale Ausschreibung für ein Ensemble mit dem höchsten Haus der Welt.

1. März 2003
Das türkische Parlament hat die von den USA gewünschte Stationierung zehntausender US-Soldaten abgelehnt. Eine amerikanische Nordoffensive gegen den Irak wurde damit unwahrscheinlich. Das Weiße Haus sei schwer enttäuscht, hieß es in Washington.

1. März 2003
Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September, Khalid Scheich Mohammed, ist in Pakistan festgenommen worden. US- Präsident Bush bezeichnete die Ergreifung des Al-Qaida-Führers als »fantastisch«. Der Scheich wurde den USA übergeben, die ihn anschließend verhörten.

5. März 2003
Zwei Monate nach dem letzten Selbstmordanschlag in Tel Aviv hat sich in der nordisraelischen Küstenstadt Haifa wieder ein Attentäter in die Luft gesprengt. Fünfzehn Israelis wurden dabei getötet, 40 verletzt.

6. März 2003
Palästinenserpräsident Yassir Arafat hat seinen bisherigen Stellvertreter Mahmud Abbas für das Amt des ersten Ministerpräsidenten der Autonomiebehörde nominiert.

7. März 2003
UN-Chefinspekteur Hans Blix hat dem Sicherheitsrat einen neuen Bericht zu den Waffenkontrollen im Irak vorgelegt. Zuvor hatten Frankreich, Deutschland und Russland ihre Ablehnung eines Krieges bekräftigt. Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin erklärte: »Wir werden keine Resolution durchgehen lassen, die einen Einsatz von Gewalt autorisieren würde«. US-Präsident George Bush erwiderte: »Wenn wir handeln müssen, werden wir handeln, und wir brauchen wirklich nicht die Zustimmung der UN dazu«.

10. März 2003
Der Widerstand gegen den Kriegskurs der USA ist während der letzten Tage gewachsen. Nachdem die UN-Chefinspektoren vor dem Sicherheitsrat von substanziellen Fortschritten bei der Abrüstung des Irak gesprochen hatten, kündigten Frankreich und Russland ihr Veto gegen einen zweite UN-Resolution an, die eine gewaltsame Entwaffnung des Irak billigen würde. Die im britisch-amerikanischen Entwurf gesetzte Abrüstungsfrist bis zum 17.März bezeichneten zuvor auch Sicherheitsrats- Mitglieder, auf deren Zustimmung US-Diplomaten gehofft hatten, als zu kurz. Am 12.März kam es erstmals zu Unstimmigkeiten zwischen Washington und London, als die USA einen britischen Resolutions-Entwurf ablehnte, nach dem der Irak kurzfristig einer Reihe konkreter Abrüstungsforderungen nachkommen sollte.

10. März 2003
Der palästinensischen Regierung wird künftig ein Ministerpräsident vorstehen. Das Parlament in Ramallah billigte die Schaffung des neuen Amtes, für das der gemäßigte Politiker Mahmud Abbas vorgesehen ist. Präsident Yassir Arafat lehnte zunächst den Gesetzentwurf über den Posten des Premier ab und beharrte auf dem Recht, die Minister ernennen zu dürfen.

19. März 2003
Machmud Abbas hat das Amt des Ministerpräsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde angetreten. Zuvor hatte das Parlament in Ramallah diesen Posten per Gesetz geschaffen. Voraussetzung war ein teilweiser Machtverzicht von Präsident Yassir Arafat. Abbas ist ein sowohl von Israel als auch den USA anerkannter Verhandlungspartner

20. März 2003
Der Krieg gegen den Irak hat begonnen. Nach Ablauf des von Präsident George Bush gestellten Ultimatums versuchten die US-Streitkräfte mit einem gezielten Schlag Saddam Hussein und die irakische Militärführung auszuschalten. Offen ist, in wie weit dies gelungen ist. Den Raketenangriffen folgten weitere Luftschläge sowie der Einmarsch amerikanischer und britischer Truppen von kuwaitischem Gebiet aus und im Norden des Irak. Bei den Kämpfen kam ein US-Soldat ums Leben, acht Briten und vier Amerikaner starben beim Absturz eines Hubschraubers.

20. März 2003
»Wir werden nur den Sieg akzeptieren«, verkündete George Bush in seiner TV-Ansprache an das amerikanische Volk in den frühen Morgenstunden. Er wies jedoch auf darauf hin, dass der Feldzug »länger und schwieriger« sein könnte, als manche vorhersagen. Wenige Stunden nach Kriegsbeginn gab sich Saddam Hussein in seiner TV-Ansprache unbeugsam: »Lang lebe der Irak, lang lebe der heilige Krieg!«

20. März 2003
Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in einer Fernsehansprache den Krieg der USA gegen den Irak bedauert. »Es ist die falsche Entscheidung getroffen worden«, sagte der Kanzler. Auch CDU und FDP bedauerten das Vorgehen der USA ohne UN-Mandat.

20. März 2003
Ihre Wut auf den Krieg trieb die Menschen auf die Straßen. In zahllosen Städten gab es Demonstrationen, Friedensgebete, Mahnwachen und Kundgebungen. Weltweit waren es Hunderttausende, die ihren Unmut gegen den Krieg kund taten.

22. bis 28. März 2003
Im Lauf der ersten Woche des Irak-Kriegs sind alliierte Truppen bis kurz vor Bagdad vorgerückt. Die irakische Hauptstadt wird seit Kriegsbeginn Tag und Nacht aus der Luft bombardiert. Der weitere Vormarsch der amerikanischen und britischen Verbände sowie die Sicherung des Nachschubs gestalten sich aber problematischer als erwartet. In vielen Städten des Landes leisten Saddam Husseins Truppen erbitterten Widerstand. Weitere 130000 US- Soldaten sollen deshalb in die Golfregion verlegt werden. Präsident George W. Bush beantragte am 24. März im US-Kongress 74,7 Milliarden Dollar zur Finanzierung des Kriegs. In der Nacht zum 27. März landeten 1000 US- Fallschirmjäger im Nordirak, um eine Nordfront aufzubauen.

25. März 2003
Deutsche Soldaten können derzeit auch ohne Zustimmung des Bundestags in den Awacs-Flugzeugen der Nato über der Türkei fliegen. Das Bundesverfassungsgericht lehnte einen Antrag der FDP auf Erlass einer einstweiligen Anordnung ab. Zur Begründung sagten die Verfassungsrichter, dass die »ungeschmälerte außenpolitische Handlungsfähigkeit der Bundesregierung« gewahrt werden müsse.

28. März 2003
Zur Verhinderung von Versorgungsengpässen und Hungersnöten im Irak hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die provisorische Fortführung des Programms »Öl-für-Lebensmittel« beschlossen. Zuvor hatten verschiedene Hilfsorganisationen vor einer Katastrophe im Irak gewarnt. An der Grenze zum Iran, wo sich Tausende irakische Zivilisten sammelten, zeichnete sich der Beginn eines Flüchtlingsdramas ab.

1. April 2003
Aus Angst vor einem Selbstmordattentat haben US-Soldaten ein Auto mit Zivilisten beschossen. Dabei kamen Frauen und Kinder ums Leben. Der Fahrer habe den Wagen trotz Warnung an einem Kontrollposten nicht angehalten, hieß es. Bei den Luftangriffen auf Vororte Bagdads sowie das Zentrum der Hauptstadt wurden nach irakischen Angaben 33 Zivilisten getötet, darunter mehrere Kinder.

3. April 2003
Bundeskanzler Gerhard Schröder hat als Lehre aus dem Irak- Konflikt eine Weiterentwicklung der Europäischen Union zu einer Sicherheits- und Verteidigungsunion gefordert. Dazu gehöre auch, »ernsthaft über gemeinsame militärische Fähigkeiten nachzudenken«, sagte Schröder in einer Regierungserklärung. Er zeigte sich bereit, nach dem Krieg über ein Entsendegesestz für deutsche Soldaten nachzudenken.

3. April 2003
US-Außenminister Colin Powell hat in Brüssel dafür geworben, dass die Nato sich im Nachkriegs-Irak mit einer Friedenstruppe engagiert. Auch die Vereinten Nationen würden eine Rolle nach spielen, versicherte der Minister. Wie diese aussehen werde. Bundesaußenminister Joschka Fischer betonte am 4. April die zentrale Bedeutung der UN. Der Besuch Powells folgte auf die monatelangen Spannungen zwischen Europäern und Amerikanern über das richtige Vorgehen gegen den Irak.

4. April 2003
Amerikanische Truppen haben den strategisch wichtigen Saddam Hussein Airport unter ihre Kontrolle gebracht und in Bagdad International Airport umgetauft. Bereits in der Nacht waren Spezialeinheiten der Alliierten während eines 12-stündigen Stromausfalls offenbar in die irakische Hauptstadt eingedrungen. Bei ihrem schnellen Vormarsch nach Bagdad hatten die US-Streitkräfte am 2. April erstmals einen Sieg über irakische Elite-Soldaten gemeldet. Demnach wurde die Bagdad Division der Republikanischen Garde vernichtend geschlagen.

4. April 2003
In der zweiten Kriegswoche ist es zu heftigen Kämpfe um die süd- und zentraliraksichen Städte Basra, Nadschaf und Kerbela gekommen. Bei Kut ergaben sich nach amerikanischen Angaben 2500 irakische Kämpfer. Im Norden drangen Amerikaner und Kurden Richtung Mossul und Kirkuk vor.

8. April 2003
Die USA und Großbritannien haben für eine zentrale Rolle der UN beim Aufbau des Irak plädiert. Sie seien der Meinung, dass den Vereinten Nationen eine wichtige Rolle zukommen müsse, sagte der britische Premier Tony Blair nach einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush. Die Bundesregierung sprach sich ebenfalls für eine zentrale Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau aus. Der außenpolitische EU-Beauftragte Javier Solana forderte am 8. April, die Tätigkeit der UN nicht auf humanitäre Hilfe zu beschränken.

9. April 2003
Drei Wochen nach Kriegsbeginn ist Bagdad gefallen und das Regime von Präsident Saddam Hussein hat die Kontrolle über die irakische Hauptstadt verloren. Am 9. April stießen US-Truppen ins Zentrum von Bagdad vor. Unter dem Jubel vieler Iraker wurde eine Riesenstatue Saddam Husseins vom Sockel gerissen. Hunderte Menschen stürmten und plünderten Regierungsgebäude und öffentliche Einrichtungen, unter anderem auch die deutsche Botschaft. Der irakische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mohammed Al-Douri, räumte als Erster die militärische Niederlage seines Landes ein: »Das Spiel ist aus«, sagte er.

10. April 2003
Einen Tag nach dem Fall Bagdads haben kurdische Kämpfer unterstützt von US-Spezialeinheiten am 10. April die nordirakische Ölstadt Kirkuk eingenommen. Am 11. April fiel Mossul kampflos. Wenn amerikanisches Militär in die Ölstädte nachgerückt ist, wollen die Kurden sich zurückziehen. Dies geschieht auf Druck der Türkei, die keinen Kurdenstaat will und Militärbeobachter geschickt hat.

14. April 2003
Amerikanische Soldaten haben die nordirakische Stadt Tikrit, den Geburtsort von Saddam Hussein, eingenommen. Einen Tag zuvor waren die Truppen noch auf heftigen Widerstand gestoßen. In Bagdad nahmen amerikanisch-irakische Polizeistreifen die Arbeit auf, um weitere Plünderungen zu verhindern.

15. April 2003
Eine Woche nach dem Sturz des irakischen Regimes haben Vertreter irakischer Oppositionsgruppen in Nassirijah über die Zukunft des Landes beraten. An dem Treffen nahmen 80 Delegierte teil, unter ihnen der US-Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad und der für die Übergangsverwaltung vorgesehene ehemalige US-General Jay Garner. Die Konferenz wurde von dem Boykott der einflussreichsten Schiiten-Gruppe sowie Demonstrationen überschattet.

16. -17. April 2003
Die Staats- und Regierungschefs der EU haben in Athen die Aufnahme von zehn weiteren Ländern in die Gemeinschaft zum 1. Mai 2004 besiegelt. Die Verträge müssen von den neuen Mitgliedsstaaten noch ratifiziert werden. Auch beim Thema Irak herrschte Konsens: Die EU beharrte auf einer zentralen Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau des Landes. UN-Generalsekretär Kofi Annan begrüßte die Entscheidung.

17. April 2003
Die Regierung in Damaskus hat die Ankündigung von US-Außenminister Colin Powell begrüßt, in Syrien mit Präsident Baschar el- Assad über die jüngsten Spannungen reden zu wollen. Die USA hatten Syrien vorgeworfen, Angehörige des entmachten irakischen Regimes zu verstecken sowie Massenvernichtungswaffen zu besitzen.

18. April 2003
Die US-Truppen haben vier ehemalige irakische Regime-Mitglieder festgenommen. In der Nacht zum 18. April wurde Ex-Ölminister Samir Abdel Asis al Nadschim den US-Truppen übergeben. Zwei von Saddams Halbbrüdern waren festgenommen worden. Bereits am 12. April hatte sich Saddams Ex-Berater Amir al-Saadi gestellt.

23. April 2003
Unter dem Druck der USA haben sich Palästinenserpräsident Yassir Arafat und der designierte Ministerpräsident Mahmud Abbas auf ein neues Kabinett geeinigt. Damit wurde ein fünf Wochen dauernder Streit beigelegt. Dem Kompromiss zufolge wird Mohammed Dachlan, der als Intimfeind Arafats gilt, einen Posten in der Regierung erhalten. Er wird aber nicht – wie von Abbas gewünscht – Innenminister, sondern Verantwortlicher für Sicherheitsfragen.

24. April 2003
Der frühere irakische Vize-Ministerpräsident Tarik Asis befindet sich in Gewahrsam von US-Soldaten im Irak. Das erklärte ein hoher Beamter des Pentagon. Nach Angaben des US-Fernsehsenders ABC stellte sich der 66-Jährige Asis freiwillig. Zuvor waren bereits vier ranghohe Vertreter des früheren irakischen Machtapparats festgenommen worden.

24. April 2003
Die US-Regierung hat Iran davor gewarnt, sich in die Angelegenheiten des Irak einzumischen. Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, verwies auf Berichte, wonach iranische Agenten versuchten, die Schiiten im Süden des Irak zu beeinflussen. Teheran wies die US-Warnung zurück.

30. April 2003
Einen Tag nach der offiziellen Überreichung des Nahost- Friedensplans an Israel und die Palästinenser durch das Nahost-Quartett (USA, EU, UN und Russland) ist es zu schweren Zusammenstößen in der Region gekommen, bei denen 15 Palästinenser ums Leben kamen. Ebenfalls am 30. April hatte sich in Tel Aviv ein palästinensischer Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und dabei drei Israelis getötet. Am gleichen Tag wurde Machmud Abbas in Ramallah als Ministerpräsident vereidigt.

2. Mai 2003
Sechs Wochen nach dem Beginn des Irak-Kriegs hat US-Präsident George W. Bush in der Nacht zum 2. Mai die Kämpfe für beendet erklärt. »In der Schlacht um den Irak haben die USA und ihre Verbündeten gesiegt«, sagte Bush. Am 29. April schossen in der irakischen Kleinstadt Falludscha US-Soldaten auf Teilnehmer einer Demonstration und töteten mindestens 15 Menschen.

5. Mai 2003
Verteidigungsminister Peter Struck ist als erster deutscher Minister nach dem Ende des Irak-Kriegs in die USA gereist, um Verstimmungen auszuräumen. Diese waren entstanden, weil Deutschland die amerikanisch- britischen Angriffe auf den Irak abgelehnt hatte. Das Treffen mit seinem Kollegen Donald Rumsfeld nannte Struck »einen Schritt auf dem Weg zur Normalität«. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am 9. Mai in einer Rede zum 100-jährigen Bestehen der US-Handelskammer in Berlin: »Deutschland und die USA verbindet eine vitale Freundschaft.«

9. Mai 2003
Einen Monat nach dem Fall Bagdads haben die USA eine Resolutionsentwurf zur Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Irak in den UN-Sicherheitsrat eingebracht. Der Entwurf steckte den Rahmen für eine mindestens einjährige Besatzungszeit ab, die USA bezeichneten sich darin erstmals als »Besatzungsmacht«. Die Aufhebung des Embargos würde den USA einen weit reichenden Einfluss auf die irakische Ölindustrie verschaffen, für die UN ist nur ein begrenztes Mitspracherecht vorgesehen.

12. Mai 2003
Der US-Diplomat Paul Bremer hat sein Amt als neuer Zivilverwalter der USA im Irak angetreten. Er übernahm das Amt des Ex-Generals Jay Garner. Am 10. Mai kehrte der Schiitenführer Ayatollah Mohammed Bakr al- Hakim nach 23 Jahren aus dem Exil in den Irak zurück. Er verlangte eine »unabhängige Regierung« für das Land.

13. Mai 2003
In der Nacht zum 13. Mai sind in der saudiarabischen Hauptstadt Riad bei Terroranschlägen 34 Menschen ums Leben gekommen. Ziele waren Wohnanlagen, die vorwiegend von westlichen Ausländern bewohnt wurden. Die Anschläge ereigneten sich unmittelbar vor dem Besuch von US-Außenminister Powell in Riad. Als Reaktion auf die Anschläge kündigtendie USA an, den Großteil ihres diplomatischen Personals aus Saudi-Arabien abzuziehen. US- Botschafter Robert Jordan hatte den saudiarabischen Behörden am 14.Mai vorgeworfen, nicht genügend für die Sicherheit der Ausländer getan zu haben. Die Terrororganisation Al-Qaida wurde von Saudi-Arabien für die Anschläge verantwortlich gemacht.
Algerische Soldaten haben 17 der 32 entführten europäischen Sahara-Touristen gewaltsam aus den Händen einer militanten Islamisten-Organisation befreit. Bereits einen Tag später kehrten sechs Deutsche sowie ein in Deutschland lebender Schwede in die Bundesrepublik zurück. Bereits am 12. Mai war Außenminister Joschka Fischer nach Algier gereist. Das Schicksal von 15 weiteren Verschleppten war noch ungewiss.

16. Mai 2003
US-Außenminister Colin Powell und Bundeskanzler Gerhard Schröder haben bei einem Treffen in Berlin die deutsch-amerikanischen Spannungen abgebaut. »Ich hoffe, wir können beginnen, die Unterschiede, die sich in den letzten Monaten ergeben haben, zu überbrücken«, sagte Powell vor Beginn der Gespräche. Ob es zu einem baldigen Treffen zwischen Schröder und US-Präsident George W. Bush kommen werde, sagte Powell nicht. Bush hatte am 15. Mai überraschend Hessens Regierungschef Roland Koch in Washington empfangen.

17. Mai 2003
In der Nacht zum 17. Mai haben sich in der marokkanischen Wirtschaftsmetropole Casablanca fünf Selbstmordattentäter vor jüdischen und westlichen Einrichtungen in die Luft gesprengt. 41 Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt. Die Terroristen gehörten islamistischen Zirkeln an.

22. Mai 2003
Der UN-Sicherheitsrat hat die Sanktionen gegen den Irak aufgehoben. Der Resolutionsentwurf der USA und Großbritanniens erhielt 14 Stimmen, Syrien nahm nicht an der Abstimmung teil. Den USA und Großbritannien wurden durch die Resolution weit reichende Rechte bei der Bildung einer Regierung im Irak und bei der Verwaltung der irakischen Erdöleinnahmen gewährt. Die UN erhielten ein begrenztes Mitspracherecht.

23. Mai 2003
Israels Premierminister Ariel Scharon hat sich bereit erklärt, den internationalen Friedensplan für den Nahen Osten anzunehmen und dem Kabinett zur Abstimmung vorzulegen. Die ersten Gespräche zwischen Scharon und seinem palästinensischen Kollegen Machmud Abbas am 17. Mai waren von fünf Selbstmordattentaten überschattet worden, bei denen zwölf Menschen starben. Scharon hatte daraufhin eine Reise zu US-Präsident George W. Bush abgesagt.

27. Mai 2003
Eine Woche nach dem großen Erdbeben haben starke Nachbeben Algerien erschüttert. Am 27. Mai hat ein Erdstoß der Stärke 5,8 auf der Richterskala drei Menschen unter den Trümmern eines Wohnhauses begraben, mehr als 200 wurden verletzt. Bei dem Beben am 21. Mai, das eine Stärke von 6,7 erreichte, waren mehr als 2200 Menschen getötet und über 9000 verletzt worden.

29. Mai 2003
Israels Premier Ariel Scharon hat mit seinem palästinensischen Kollegen Machmud Abbas über den Nahost-Friedensplan beraten. Scharon forderte ein Vorgehen gegen Terror-Gruppen. Bereits am 25. Mai hatte das israelische Kabinett den Friedensfahrplan des Nahost-Quartetts angenommen, der einen Palästinenser-Staat bis 2005 vorsieht.

1. bis 3. Juni 2003
Die sieben wichtigsten Industrienationen und Russland haben beim G-8- Gipfeltreffen in Evian nach monatelangem Streit über den Irakkrieg Einigkeit in weltpolitischen Fragen demonstriert. Die Hauptwidersacher in der Irak-Krise, US-Präsident George Bush und der französische Staatspräsident Jacques Chirac, erklärten ihren Streit für beendet. Die G-8-Staatschefs vereinbarten ein gemeinsames Vorgehen beim Wiederaufbau des Irak und im Kampf gegen den Terrorismus.

4. Juni 2003
Israel und die Palästinenser haben beim Gipfeltreffen in Akaba im Beisein von US-Präsident George W. Bush den Nahost-Friedensprozess neu belebt. Der palästinensische Regierungschef Machmud Abbas rief zu einem Ende der Gewalt gegen Israel auf. Der israelische Premierminister Ariel Scharon kündigte im Gegenzug die Räumung illegaler Siedlungsposten an und sprach sich für einen Palästinenserstaat auf einem zusammenhängenden Territorium aus. In Jerusalem demonstrierten daraufhin Zehntausende ultra-rechte Israelis gegen die Gründung eines Palästinenserstaats. Die radikale Palästinensergruppe Hamas brach am 6. Juni die Gespräche mit Abbas über einen Waffenstillstand ab.

7. Juni 2003
Beim schwersten Terroranschlag auf Bundeswehr-Angehörige im Ausland sind am 7. Juni in Kabul vier Soldaten getötet worden. 29 Deutsche wurden bei dem Selbstmordattentat mit einer Autobombe verletzt. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) sprach von Hinweisen auf das Terrornetzwerk Al-Qaida.

10.-13. Juni 2003
Gut eine Woche nach dem Friedensgipfel im jordanischen Akaba ist die Gewalt im Nahen Osten wieder eskaliert. Bereits am Pfingstwochenende kamen fünf israelische Soldaten und fünf Palästinenser ums Leben. Am 10. Juni schlug ein Mordanschlag der Israelis auf den Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi fehl. Mehrere Palästinenser starben. Die Terrororganisation reagierte einen Tag später mit einem Selbstmordanschlag in der Jerusalemer Innenstadt, dem 16 Menschen zum Opfer fielen. Trotz internationaler Kritik wies der israelische Premier Ariel Scharon seine Armee am 12. Juni an, die Hamas vollständig zu zerstören. Kampfflugzeuge flogen Einsätze gegen Palästinenser in Gaza. UN- Generalsekretär Kofi Annan forderte am 13. Juni die Entsendung einer bewaffneten Friedenstruppe in den Nahen Osten.

12. Juni 2003
Der Weltsicherheitsrat hat am 12. Juni die Immunität von US- Soldaten vor dem Internationalen Strafgerichtshof um ein Jahr verlängert. Zwölf der 15 Mitglieder des Gremiums stimmten für einen entsprechenden Antrag der USA, Deutschland, Frankreich und Syrien enthielten sich.

14.-20. Juni
In Iran haben hunderte Studenten ihre Proteste gegen das fundamentalistische Regime fortgesetzt. Die Polizei ging gewaltsam gegen sie vor und verhaftete Dutzende Menschen. Der amerikanische Präsident George W. Bush begrüßte die Proteste und nannte die Demonstranten »mutige Seelen«. Im Streit um das iranische Atomprogramm kündigte Bush an, er werde den Bau einer Atomwaffe nicht tolerieren. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) verlangte am 19. Juni in Wien uneingeschränkte Kontrollen der iranischen Atomanlagen.

24. Juni 2003
Bei einer Razzia im Süd-Irak nahe der Stadt Amrah sind sechs britische Soldaten getötet und acht verletzt worden. Auch US-Truppen wurden in mehrere Gefechte verwickelt: Das US-Verteidigungsministerium zählte mehr als 20 Angriffe innerhalb eines Tages. Zwischen dem 23. und 26. Juni sabotierten Unbekannte fünfmal Gas- und Ölleitungen im Irak.

29. Juni 2003
Die palästinensischen Untergrundorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad haben sich zu einem Stopp der Angriffe auf Israel bereit erklärt. Die israelische Armee zog sich daraufhin aus Bethlehem im Westjordanland und aus dem nördlichen Gazastreifen zurück.

8. Juli 2003
Die US-Regierung hat erstmals einen Fehler bei der Rechtfertigung für den Irakkrieg eingeräumt: Präsident George W. Bush habe die Kongress-Abgeordneten in seiner Rede zur Lage der Nation im Januar teilweise falsch über das Waffenprogramm des Irak informiert. Bush hatte dem Irak vorgeworfen, in Niger Uran für ein illegales Atomwaffenprogramm gekauft zu haben. Die US-Regierung räumte ein, dass bereits ein Jahr zuvor eine Untersuchung des Geheimdienstes CIA den Vorwurf als falsch eingestuft hatte.

16. Juli 2003
Bei seiner ersten USA-Reise seit dem Irakkrieg hat Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) seinen amerikanischen Amtskollegen Colin Powell getroffen. Beide Minister äußerten sich positiv über die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Fischer sagte, Europäer und Amerikaner hätten ein »gemeinsames Interesse« an der Stabilisierung des Irak. Die Haltung der Bundesregierung zum Einsatz von deutschen Truppen in der Region bleibe aber ablehnend.

17. Juli 2003
Der neue Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen im Irak, General John Abizaid hat erstmals von einem Guerillakrieg im Irak gesprochen. Zwar nehme die Zahl der Angriffe nicht deutlich zu, doch sei klar, dass die Gegner der Koalitionstruppen sich besser organisierten. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte bisher immer von isolierten Übergriffen gesprochen.

18. Juli 2003
Der britische Premier Tony Blair hat bei einer Rede vor den beiden Häusern des US-Kongresses den Krieg gegen den Irak verteidigt. Die Geschichte werde den Sturz Saddam Husseins »verzeihen«, selbst wenn er und US-Präsident Bush sich hinsichtlich der Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen geirrt hätten, sagte Blair. Wenige Stunden nach der Rede ist in England der vermisste Berater der britischen Regierung, David Kelly, tot aufgefunden worden. Der ehemalige UN-Waffeninspeteur soll als erster den Vorwurf erhoben haben, die Regierung Blair habe die Beweise für irakische Massenvernichtungswaffen aufgebauscht

20. Juli 2003
Die BBC hat den verstorbenen britischen Waffenexperten David Kelly als Hauptquelle für ihren umstrittenen Bericht über irakische Waffen bezeichnet. Der Bericht legte nahe, Premierminister Tony Blair habe die Öffentlichkeit bei seiner Kriegsbegründung in die Irre geführt. Der Sender gab an, er besitze ein Tonband, auf dem Kelly erkläre, die britische Regierung sei »besessen davon, Geheimdienstinformationen über unmittelbare Bedrohungen durch den Irak zu finden«. Kelly hatte in der Vorwoche Selbstmord begangen.

22. Juli 2003
Die beiden Söhne des gestürzten irakischen Diktators Saddam Hussein sind bei einem Feuergefecht mit amerikanischen Soldaten getötet worden. Der Hinweis auf den Aufenthaltsort von Udai und Kusai Hussein kam nach US-Angaben aus der irakischen Bevölkerung. Der Tod der beiden wurde in Washington mit Erleichterung aufgenommen. Die Hoffnung auf einen Rückgang irakischer Angriffe auf US-Truppen bestätigte sich zunächst jedoch nicht. Am 24.Juli wurden bei einem Überfall erneut amerikanische Soldaten getötet. Kämpfer der Fedajin-Miliz schworen Rache für den Tod der Hussein-Söhne.

24. Juli 2003
Der amerikanische Kongress hat einen Untersuchungsbericht zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vorgelegt, der schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitsdienste CIA und FBI enthält. Hätten die Geheimdienste besser zusammengearbeitet, »dann wäre das die beste Chance gewesen, den Anschlagplan aufzudecken«, hieß es in dem Dossier. Nach der Vorstellung des Berichts kritisierten Abgeordnete, dass 28 Seiten des Berichts »zum Schutz einer ausländischen Regierung« von der Bush-Administration geschwärzt wurden. In diesen Passagen ging es laut Medienberichten um die Rolle Saudi-Arabiens bei der Finanzierung der Terroristen vom 11. September.

29. Juli 2003
Israels Premierminister Ariel Scharon hat nach einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush am 29. Juli in Washington angekündigt, den Bau des umstrittenen Grenzzauns im Westjordanland fortzusetzen. Bush hatte den Zaun zuvor bei einem Treffen mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Machmud Abbas als Problem für den Nahost-Friedensprozess bezeichnet.

30. Juli 2003
Der amerikanische Präsident George W. Bush hat die Verantwortung dafür übernommen, dass er die Öffentlichkeit bei seiner Rede zur Lage der Nation im Januar falsch über das irakische Atomprogramm informiert hat. Damals hatte er behauptet, der Irak habe Uran im Niger beschaffen wollen. Ein entsprechender Geheimdienstbericht erwies sich jedoch später als gefälscht. Im Irak dauerten unterdessen die Angriffe auf amerikanische Truppen an. Seit dem offiziellen Ende des Krieges sind bereits mehr als 50 amerikanische Soldaten bei Anschlägen ums Leben gekommen.

5. August 2003
Beim schwersten Bombenanschlag in Indonesien seit den Attentaten auf der Ferieninsel Bali sind 14 Menschen getötet worden. Die Bombe ging zur Mittagszeit vor dem Marriott-Hotel in der Hauptstadt Jakarta hoch. Nach Angaben der indonesischen Behörden wurde der Selbstmordattentäter als Mitglied der islamischen Extremistengruppe Jemaah Islamiyah identifiziert.

7. August 2003
Bei der Explosion einer Autobombe vor der jordanischen Botschaft in Bagdad sind mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 65 Personen wurden verletzt, 20 von ihnen schwer. Es war der schwerste Anschlag in der irakischen Hauptstadt seit dem Ende der Hauptkampfhandlungen. US-Oberbefehlshaber Ricardo Sanchez kündigte mehr Rücksicht bei Razzien an. Die Amerikaner hätten mit dem »Vorgehen der eisernen Hand« die Bevölkerung gegen sich aufgebracht.

12. August 2003
Die palästinensischen Terrorgruppen Hamas und die Al-Aksa-Brigaden haben zwei Selbstmordanschläge verübt und damit die seit Anfang Juli geltende Waffenruhe mit Israel beendet. Bei den Anschlägen in einem Einkaufszentrum von Tel Aviv sowie im Westjordanland wurden zwei israelische Jugendliche getötet und 13 Menschen verletzt. Israel setzte daraufhin eine für den selben Tag geplante Freilassung von palästinensischen Gefangenen aus. Am 15. August ordnete Scharon schließlich die Freilassung von 73 Gefangenen an.

19. August 2003
Bei einem Autobomben-Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad sind 24 Menschen getötet worden, unter ihnen der Irak-Sonderbeauftragte Sergio Vieira de Mello. Zu dem Attentat bekannte sich die bis dahin noch nicht in Erscheinung getretene Gruppe »Bewaffnete Vorhut der Zweiten Muhammad-Armee«. In der Diskussion über die Sicherheitslage bat US-Außenminister Colin Powell zwei Tage nach dem Anschlag UN-Generalsekretär Kofi Annan um Hilfe: Eine multinationale Truppe könnte das US-Militär unterstützen, die militärische Kontrolle würden die USA allerdings nicht aufgeben. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) lehnte ein militärisches Engagement Deutschlands im Irak weiter ab.

19. August 2003
Nach einem verheerenden palästinensischen Selbstmordanschlag auf einen Linienbus im Zentrum Jerusalems, bei dem 20 Menschen getötet und mehr als 110 verletzt wurden, hat Israel den Kontakt zu den Palästinensern abgebrochen und den Rückzug aus den Autonomiestädten Jericho und Kalkilia gestoppt. Die palästinensische Terrorgruppe Hamas kündigte die sieben Wochen zuvor vereinbarte Waffenruhe auf, nachdem die israelische Armee am 21. August in Gaza-Stadt einen ranghohen Hamas-Führer liquidiert hatte.

28. - 29. August 2003
Der britische Premierminister Tony Blair hat vehement bestritten, dass Geheimdienst-Informationen über Massenvernichtungswaffen zur Rechtfertigung des Irak-Krieges aufgebauscht wurden. Vor dem Untersuchungsausschuss zum Selbstmord des britischen Waffenexperten und Regierungsberaters David Kelly übernahm Blair am 28.August jedoch die Verantwortung für die Preisgabe Kellys als Informant der BBC. Blairs Berater und Kommunikationschef Alastair Campbell kündigte am 29.August seinen Rücktritt an.Campbell gilt als Schlüsselfigur in der Affäre um angeblich aufgebauschtes Geheimdienstmaterial über den Irak.

1. September 2003
Mit mehrwöchiger Verzögerung hat der von den USA eingesetzte irakische Regierungsrat ein Kabinett ernannt. Die Regierungsbildung sollte ein wichtiger Schritt zur Selbstverwaltung des Landes sein. Das 25 Minister umfassende Kabinett wurde aus Vertretern aller ethnischen Gruppen zusammengesetzt. Ihm gehören 13 Schiiten, fünf sunnitische Araber, fünf sunnitische Kurden, ein Christ und ein Turkmene an. Überraschend wurde der Kurde Hoschira Sibari, ehemaliger Sprecher der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP), ins Außenamt berufen.

1. September 2003
Der Trauermarsch für Ajatollah Mohammed Bakr al-Hakim hat mehr als 300.000 Menschen in Nadschaf mobilisiert. Der wichtigste Geistliche der Schiiten im Irak war am 29. August bei einem verheerenden Anschlag ums Leben gekommen. Wegen des zunehmenden Chaos im Irak beschleunigten die USA die Arbeit an einer UN-Resolution, in der sie den Vereinten Nationen mehr Kompetenzen im Irak gewähren wollten.

6. September 2003
In der Nacht zum 6. September ist der palästinensische Regierungschef Machmud Abbas zurückgetreten. Grund war unter anderem ein Machtkampf mit Palästinenserpräsident Yassir Arafat. Zum Nachfolger wurde der ehemalige Parlamentspräsident Achmed Kurei ernannt – ein enger Vertrauter Arafats. Nach dem Rücktritt eskalierte die Gewalt: Am 9. September rissen zwei Selbstmordattentäter in Jerusalem und bei Tel Aviv 15 Israelis mit in den Tod. Das israelische Kabinett beschloss am 11. September, Arafat gewaltsam aus Ramallah zu »entfernen«.

10. September 2003
Frankreich und Deutschland haben einen gemeinsamen Gegenvorschlag zum Irak-Resolutionsentwurf der USA vorgelegt. Sie forderten eine Schlüsselrolle für die Vereinten Nationen bei der Demokratisierung des Irak. Auch Russland formulierte ein ähnliches Papier, China sagte Unterstützung zu. US-Außenminister Colin Powell lehnte die Vorschläge ab.

16. September 2003
Die USA haben im UN-Sicherheitsrat mit ihrem Veto eine Resolution gegen die geplante Ausweisung von Palästinenser-Präsident Yassir Arafat verhindert. Man könne keine Resolution befürworten, in der nicht auch der palästinensische Terrorismus deutlich verurteilt werde. Israels Kabinett hatte angekündigt, Arafat zu »entfernen«. Die Arabische Liga drohte, ihre Mitgliedsländer würden in diesem Fall ihre diplomatischen Beziehungen zu Israel abbrechen.

23. September 2003
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat in der Vollversammlung der Vereinten Nationen außergewöhnlich scharf die Politik der USA kritisiert. Er warnte mit Blick auf den Irakkrieg vor den Folgen militärischer Alleingänge. Annan verurteilte präventive Gewaltschläge ohne rechtliche Grundlage. Solche Kriege könnten »das Gesetz des Dschungels« über die Welt bringen .

24. September 2003
Bundeskanzler Gerhard Schröder und der amerikanische Präsident George Bush haben ihren Streit in der Irak-Politik für beendet erklärt. Die Differenzen seien beigelegt, sagten die beiden Staatsmänner in New York nach ihrem ersten ausführlichen Gespräch seit 16 Monaten. Schröder wies jedoch darauf hin, dass Deutschland und die USA noch uneins seien über den Zeitplan für die Machtübergabe an eine irakische Zivilregierung.

25. September 2003
Am 25. September ist die irakische Politikerin Akila el Haschimi den Verletzungen erlegen, die sie bei einem Attentat fünf Tage zuvor erlitten hatte. Die Schiitin war eine von drei Frauen im von den USA eingesetzten Regierenden Rat. Kurz nach Haschimis Tod kündigten die Vereinten Nationen an, weitere ihrer 86 nicht-irakischen Mitarbeiter abzuziehen. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken genannt. Am 22. September hatte ein Selbstmordattentäter in der Nähe des UN-Hauptquartiers einen Wachmann mit in den Tod gerissen. Schon nach einem Anschlag im August hatte die Organisation die meisten internationalen Helfer ins Ausland gebracht.

25. September 2003
In New York stirbt Edward W. Said, Literaturwissenschaftler und international angesehenster Anwalt der Palästinenser.

4. Oktober 2003
Als Vergeltung für den Selbstmordanschlag von Haifa, bei dem eine palästinensische Attentäterin am 4. Oktober 20 Menschen mit in den Tod riss, hat die israelische Luftwache am 5. Oktober einen Angriff auf ein Ziel in Syrien geflogen. Den Streitkräften zufolge handelte es sich um ein Ausbildungslager der palästinensischen Terrorgruppe Islamischer Dschihad bei Damaskus. Syriens Präsident Baschar al-Assad warf Israel Kriegstreiberei vor. In der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober rückte die israelische Armee im Flüchtlingslager Rafah im Gaza-Streifen ein.

5. Oktober 2003
Palästinenserpräsident Yassir Arafat hat den Notstand ausgerufen und eine Übergangsregierung unter Achmed Kurei eingesetzt. Schon am 9. Okotber drohte Kurei mit Rücktritt, da das palästinensische Parlament ihm das Vertrauen verweigerte und ein Abstimmung über das Notkabinett ablehnte.

10. Oktober 2003
Die Iranerin Schirin Ebadi ist am 10. Oktober mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

16. Oktober 2003
Der UN-Sicherheitsrat hat einstimmig eine neue Irak-Resolution beschlossen. Deutschland, Frankreich und Russland gaben dem wochenlangen Druck der USA nach und stimmten dem Entwurf ebenfalls zu. Obwohl Amerika auf die Einwände seiner Kritiker kaum eingegangen ist, nannte Kanzler Gerhard Schröder die Irak-Resolution »einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung«. Berlin, Paris und Moskau bekräftigten aber, dass sie keine Truppen oder Geld bereitstellen werden.

21. Oktober 2003
Iran hat im Konflikt um sein Atomprogramm weit gehende Zugeständnisse an die internationale Gemeinschaft gemacht. Die iranische Regierung erklärte sich am 21. Oktober bereit, die Anreicherung von Uran und die Wiederaufbereitung von Brennstäben auszusetzen. Bundesaußenminister Joschka Fischer, sein französischer Kollege Dominique de Villepin und der Brite Jack Straw, die als Vermittler nach Teheran gereist waren, akzeptierten dafür die friedliche Nutzung der Atomenergie durch Iran.

24. Oktober 2003
Die Bundeswehr weitet ihr Engagement in Afghanistan aus. Der Bundestag stimmte am 24. Oktober der Ausdehnung des internationalen Einsatzes auf die Region Kundus und der Verlängerung des Isaf-Mandats um ein Jahr mit großer Mehrheit zu. 531 Abgeordnete votierten mit Ja, 57 mit Nein, 5 enthielten sich. Dadurch können deutsche Soldaten nun sogar in ganz Afghanistan eingesetzt werden.

24. Oktober 2003
Mit Zusagen in Milliardenhöhe ist die Irak-Geberkonferenz in Madrid zu Ende gegangen. An der Konferenz nahmen 77 Staaten teil. Das größte Hilfspaket nach den USA (20,3 Milliarden Dollar) sagte Japan mit insgesamt fünf Milliarden Dollar zu. Deutschland hatte bereits vor der Konferenz angekündigt, nicht mehr als die bereits versprochenen 193 Millionen Euro beizusteuern.

27. Oktober 2003
Die terroristische Gewalt im Irak hat einen neuen Höhepunkt erreicht: 43 Menschen starben am 27. Oktober bei Anschlägen, die sich gegen die Zentrale des Roten Kreuzes in Bagdad und vier Polizeistationen richteten. Einen Tag zuvor war US-Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz knapp einem Raketenangriff auf ein Hotel in der irakischen Hauptstadt entgangen. Das Pentagon verdächtigte den früheren General Isset Ibrahim al-Duri als Drahtzieher von Attentaten.

2. November 2003
Die Gewalt im Irak hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Beim Abschuß eines US-Hubschraubers wurden 15 Soldaten getötet und 20 verletzt. Am 7. November stürzte ein weiterer US-Hubschrauber im Irak ab, sechs Soldaten starben.

9. November 2003
Bei einem Selbstmordanschlag auf eine hauptsächlich von Ausländern bewohnte Siedlung in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad wurden in der Nacht zum 9. November 17 Menschen getötet und 122 verletzt. Die Regierung Saudi-Arabiens beschuldigte die Extremisten-Gruppe Al-Qaida, das Attentat verübt zu haben.

12. November 2003
Bei einem der schwersten Anschläge im Irak sind im italienischen Hauptquartier in Nassirija 27 Menschen ums Leben gekommen. Bei dem Selbstmordattentat starben 18 Italiener und neun irakische Zivilisten. Der Anschlag war das erste derartige Attentat in Nassirija und das folgenschwerste auf einen Verbündeten der USA im Irak.

15. und 20. November 2003
Bei vier Terroranschlägen innerhalb von fünf Tagen sind 52 Menschen ums Leben gekommen. Am 15. November rissen Selbstmordattentäter vor zwei Synagogen 23 Menschen mit sich in den Tod. Am 20. November töteten Sprengsätze vor der britischen HSBC-Bank und dem britischen Konsulat 27 Menschen, darunter den generalkonsul. Zu den vier Anschlägen bekannte sich das Terrornetzwerk Al-Qaida und die türkische Islamistengruppe IBDA-C.

16. November 2003
Wegen der Sicherheitslage im Irak haben die USA beschlossen, bereits im Juni 2004 eine provisorische Regierung wählen zu lassen. Der Regierungsrat teilte am 16. November mit, bis Ende 2005 sollten eine Verfassung verabschiedet und allgemeine Wahlen abgehalten werden. Beim Absturz zweier Militärflugzeuge kamen am 15. November 17 amerikanische Soldaten ums Leben.

1. Dezember 2003
In Genf ist die Genfer Vereinbarung vorgestellt worden. Das rechtlich unverbindliche Abkommen war von ehemaligen israelischen und palästinensischen Ministern erarbeitet worden. Es sieht einen Palästinenser-Staat im Gaza-Streifen und in 98 Prozent des Westjordanlandes vor. Im Gegenzug verzichten die Palästinenser auf ein generelles Rückkehrrecht der Flüchtlinge. Jerusalem wird in zwei Hauptstädte geteilt.

9. Dezember 2003
Das US-Verteidigungsministerium hat seine Richtlinien für die Auftragsvergabe beim Wiederaufbau des Irak veröffentlicht. Danach können sich Firmen aus Staaten, die gegen den Irakkrieg waren, an Ausschreibungen nicht beteiligen. Nach internationalen Protesten teilte das Ministerium zwei Tage später mit, die Ausschreibungen vorerst aufzuschieben.

13. Dezember 2003
Der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein ist nahe seiner Heimatstadt Tikrit von amerikanischen Soldaten gefasst worden. US-Präsident Georg Bush sicherte ihn ein faires Gerichtsverfahren zu; er werde wie ein Kriegsgefangener behandelt. Mitglieder der irakischen Übergangsregierung sagten, Hussein solle vor das neu eingerichtete Kriegstribunal im Irak gestellt werden. Deutschland und Frankreich erklärten am 16. Dezember, wie später auch Italien und Großbritannien, die US-Initiative für einen Teilerlass der irakischen Schulden zu unterstützen.

30. Dezember 2003
Nach einer Terrorwarnung des Bundesamtes für Verfassungsschutz hat der Hamburger Innensenator Dirk Nockemann (Schill-Partei) das Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg-Wandsbek abriegeln lassen. Auf dieses habe die Terrorgruppe Ansar al-Islam »an oder um Silvester« einen Anschlag ausüben wollen. Innenminister Otto Schily (SPD) kritisierte Nockemann, »ungesicherte Informationen« voreilig veröffentlicht zu haben. Nockemann wies den Vorwurf zurück.

1. Januar 2004
Amerikanische und britische Geheimdienste haben, wie am 1. Januar bekannt wurde, bereits Ende September einen deutschen Frachter abgefangen, der Teile für den Bau einer Gas-Ultrazentrifuge nach Libyen transportieren sollte. Solche Anlagen zur Uran-Anreicherung können auch für militärische Zwecke verwendet werden. Die Ware im Wert von mehr als zehn Millionen Euro hatte der Frachter in Dubai geladen, Auftraggeber war nach Informationen der Süddeutschen Zeitung eine Firma aus Asien.

3. Januar 2004
Beim Absturz einer Boeing 737 der ägyptischen Chartergesellschaft »Flash Airlines« sind 148 Menschen gestorben, unter ihnen vorwiegend französische Touristen. Die Maschine stürzte nach dem Start im ägyptischen Ort Scharm el Scheich ins Rote Meer.

14. Januar 2004
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat eine Beteiligung der Bundeswehr an einem möglichen Nato-Einsatz im Irak in Aussicht gestellt. Am 14. Januar bot er im Auswärtigen Ausschuss den Einsatz des Lazarettflugzeugs MedEvac an. Einen generellen Einsatz deutscher Soldaten im Irak lehnte Schröder jedoch ab.

21. Januar 2004
In seiner Rede zur Lage der Nation hat US-Präsident George Bush den Krieg im Irak verteidigt. »Amerika wird nie um Erlaubnis bitten, die Sicherheit unserer Menschen zu verteidigen«, sagte er. Die Welt sei ohne das Regime von Saddam Hussein ein besserer und sicherer Ort geworden. Bush forderte den Kongress auf, den Kampf gegen den Terror resolut fortzusetzen.
In den Verdacht der Bestechlichkeit ist am 21. Januar Israels Premier Ariel Scharon geraten. Der wegen Bestechung angeklagte israelische Geschäftsmann David Appel soll ihm mehrere hunderttausend Dollar gezahlt haben, damit er sich für ein Bauprojekt in Griechenland einsetzt. Scharon lehnte den von der Opposition geforderten Rücktritt ab.

28. Januar 2004
Ein Bericht des britischen Lordrichters Brian Hutton zum Selbstmord des Waffenexperten David Kelly hat den innenpolitisch angeschlagenen Premierminister Tony Blair deutlich entlastet. Die britische Regierung habe ihre Dossiers über irakische Massenvernichtungswaffen nicht wahrheitswidrig aufgebauscht und trage keine Mitschuld an Kellys Tod, so der Bericht.

29. Januar 2004
Nach Vermittlung der Bundesregierung ist der größte Gefangenenaustausch seit 20 Jahren zwischen Israel und der islamistischen Hisbollah-Miliz abgewickelt worden. Auf dem Flughafen Köln-Bonn wurden Vertretern Israels der Reserve-Oberst Elchanan Tennenbaum sowie die Leichen dreier Soldaten übergeben. Im Gegenzug händigte Israel 28 Araber sowie den Deutschen Steven Smyrek aus. 401 palästinensische Häftlinge kamen direkt in Israel frei.

1. Februar 2004
Beim bislang schwersten Anschlag im kurdischen Norden des Irak seit dem Sturz Saddam Husseins sind mindestens 100 Menschen getötet worden. Etwa 200 weitere wurden verletzt, als sich Selbstmordattentäter in den Zentralen zweier Kurdenparteien in Erbil in die Luft sprengten.

1. Februar 2004
Der in Pakistan als Nationalheld verehrte frühere Chefentwickler des pakistanischen Kernwaffenprogramms, Abdul Quadeer Khan, hat zugegeben, atomtechnische Baupläne und Geräte an Nordkorea, Iran und Libyen weitergegeben zu haben. Dies teilten offizielle Stellen in Pakistan mit. Der Handel soll im Wesentlichen in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren mittels eines Netzes von Wissenschaftlern und Mittelsmännern aus zahlreichen Nationen abgewickelt worden sein.

5. Februar 2004
Im zweiten Hamburger Terrorprozess um die Anschläge vom 11. September 2001 ist der Marokkaner Abdelghani Mzoudi aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Nach fünf Monaten Verhandlung äußerte der 3. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts erhebliche Zweifel an der Schuld des 31-Jährigen, dem die Anklage Beihilfe zum Mord in 3066 Fällen sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen hatte. Der Vorsitzende Richter beschuldigte die Bundesanwaltschaft, Beweise unterschlagen zu haben; diese kündigte sofort Revision an.

26. Februar 2004
Am 26. Februar hat die frühere Entwicklungsministerin Clare Short behauptet, der britische Geheimdienst habe UN-Generalsekretär Kofi Annan vor der amerikanisch-britischen Invasion im Irak bespitzelt. Der politisch stark angeschlagene britische Premier Tony Blair lehnte es ab, diese Aussage zu kommentieren.

27. Februar 2004
Auf einer zweitägigen USA-Reise ist Bundeskanzler Gerhard Schröder in Washington mit Präsident George W. Bush zusammengetroffen. Mit einer gemeinsamen Erklärung wollten die Politiker einen Schlußstrich unter die Differenzen wegen des Irak-Krieges ziehen und eine neue Ära der Zusammenarbeit begründen. Der Kanzler war erstmals seit zwei Jahren wieder Gast im Weißen Haus.

11. März 2004
Bei der verheerendsten Anschlagsserie in der Geschichte Spaniens sind 198 Menschen getötet worden. Mehr als 1400 wurden verletzt. Drei Tage vor der Parlamentswahl waren zehn Bomben im Berufsverkehr in Pendlerzügen und Bahnhöfen der Hauptstadt Madrid explodiert. In einem Schreiben bezichtigte sich das Terrornetzwerk Al-Qaida, die Anschläge verübt zu haben. Die Regierung beschuldigte dagegen die baskische Separatisten-Organisation Eta.

14. März 2004
Bei der Parlamentswahl in Spanien ist die regierende Volkspartei überraschend von den Sozialisten abgelöst worden. Die Indizien, dass die verheerenden Bombenanschläge von Madrid vom Terrornetzwerk Al-Qaida verübt worden waren, hatten einen Stimmungsumschwung bewirkt. Die Volkspartei kam nur auf 37,64 Prozent, die Sozialisten erreichten 42,64 Prozent. Sozialistenchef Jose Luis Rodriguez Zapatero kündigte an, die 1300 spanische Soldaten Mitte des Jahres aus dem Irak abzuziehen und die Beziehungen zu Deutschland und Frankreich wieder zu verbessern.

14. März 2004
Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar hat offenbar versucht, die Öffentlichkeit über die Urheber der Terroranschläge in Madrid zu täuschen. Chefredakteure mehrerer Zeitungen berichteten, Aznar habe sie vor der Wahl am 14. März persönlich angerufen und ihnen nahe gelegt, die Terrorgruppe Eta als mutmaßliche Täter zu nennen.

20. März 2004
Zum ersten Jahrestag des Irak-krieges hat eine Serie von Anschlägen das besetzte Land erschüttert. US-Präsident Georg W. Bush verteidigte am 19. März den Irakkrieg als Sieg über den Terrorismus. Er warnte vor jeder Form der Beschwichtigungspolitik gegenüber den Terroristen. Am ersten Jahrestag des Irak-Krieges haben weltweit hunderttausende Menschen für den Frieden demonstriert. Die Kriegsgegner forderten ein Jahr nach Beginn der Invasion des Landes, ein Ende der Besatzung im Irak.

22. März 2004
Israel hat Hamas-Führer Achmed Jassin töten lassen und damit weltweit Kritik und Empörung ausgelöst. Israelische Kampfhubschrauber feuerten drei Raketen auf den 67-jährigen Jassin, als er nach dem Morgengebet im Rollstuhl eine Moschee in Gaza-Stadt verließ. Zwei Leibwächter und fünf Umstehende wurden ebenfalls getötet.

23. März 2004
Bundespräsident Johannes Rau hat nach einer Warnung vor einem Anschlag einen Besuch der Republik Dschibuti abgesagt und ist umgehend nach Berlin zurückgekehrt. Nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsdienste sollte Rau Ziel eines Terroranschlags von Islamisten werden. Mit dem deutschen Staatsoberhaupt sollte der führende Repräsentant eines westlichen Staates getroffen werden.

3. April 2004
Bei einer Razzia der spanischen Polizei in Madrid hat sich der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. März, der Tunesier Serhane Ben Abdelmadschid Fakhet, mit mehreren Komplizen in die Luft gesprengt. Die Männer hatten einen Sprengsatz gezündet, als die Polizei die Wohnung stürmen wollte. Der französische Inlandsgeheimdienst nahm am 5. April im Großraum Paris 13 Verdächtige einer marokkanischen Terrorgruppe fest, die für die Anschläge von Casablanca und Madrid verantwortlich gemacht werden.

5. April 2004
Der irakische Schiitenführer Muktada al-Sadr hat seine Anhänger zum Volksaufstand gegen die Besatzungstruppen aufgerufen. In den folgenden Tagen kamen in mehreren Städten mindestens 460 Iraker ums Leben. Bei einem US-Raketenangriff auf eine Moschee in Falludscha wurden am 7. April bis zu 40 menschen getötet. Drei japanische Zivilisten sind am 8. April von den »Mudschaheddin-Brigaden« als Geiseln genommen worden. Die Brigaden wollten ihre Geiseln lebendig verbrennen, sollte Japan seine Truppen nicht abziehen.

13. April 2004
US-Justizminister John Ashcroft hat vor der unabhängigen Kommission zur Untersuchung der Anschläge vom 11. September beteuert, er habe vor den Attentaten keine ernst zu nehmende Warnung erhalten. Ashcroft schob stattdessen die Schuld der Vorgänger-Administration von Bill Clinton zu, welche die Gefahr durch das Terrornetzwerk Al-Qaida verkannt habe. Präsident George W. Bush kündigte am 13. April an, die Sicherheitsdienste, die vor dem 11. September offensichtlich Informationslücken hatten, zu reformieren.

14. April 2004
Irakische Widerstandskämpfer haben eine von Ihnen entführte Geisel ermordet. Der italienische Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma wurde vor laufender Kamera erschossen. Er war das erste Todesopfer unter den etwa 40 Ausländern, mit deren Entführung die Aufständischen die Besatzungsmächte zum Abzug aus dem Irak zwingen möchten. Am 10. April wurde bekannt, dass der jüngsten Welle der Gewalt im Irak mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zwei deutsche GSG-9-Beamte zum Opfer gefallen sind. Bereits am 7. April sollen sie bei einem Feuergefecht nahe der Aufständischen-Hochburg Falludscha umgekommen sein. Bei einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon in Washington hat sich US-Präsident George W. Bush erstmals deutlich hinter Scharons Siedlungspolitik gestellt. Der israelische Premier plant, alle Siedlungen im Gaza-Streifen aufzugeben und im Gegenzug größere Siedlungen im Westjordanland zu verstärken. Bisher hatte der amerikanische Präsident die israelische Siedlungspolitik als Hindernis auf dem Weg zum Frieden bezeichnet. Der Wechsel der amerikanischen Nahost-Politik stieß weltweit auf heftige Kritik.

17. April 2004
Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi ist in Gaza-Stadt bei einem Hubschrauberangriff der israelischen Armee getötet worden. UN-Generalsekretär Kofi Annan, die EU und Russland verurteilten die Tat. Amre Mussa, Generalsekretär der Arabischen Liga, sprach von »Staatsterrorismus«. Israels Premier Ariel Scharon kündigte am 18. April die Tötung weiterer Hamas-Führer an.

20. April 2004
Spanien hat mit dem Rückzug seiner Truppen aus dem Irak begonnen. Der neue Ministerpräsident Jose Luis Zapatero, der am 17. April sein Amt angetreten hatte, löste damit schnell sein Wahlversprechen ein. Nach Spanien kündigten am 19. und 20. April auch Honduras und die Dominikanische Republik den Rückzug Ihrer Truppen an.

21. April 2004
Bei Anschlägen auf Polizeiwachen in der südirakischen Stadt Basra sind 68 Menschen getötet worden, darunter 17 Kinder. Selbstmordattentäter hatten die fünf Autobomben im morgendlichen Berufsverkehr gezündet. Bei einem Mörsergranaten-Angriff auf ein Gefängnis in Bagdad wurden am 20. April 22 Häftlinge getötet. Freilassung von Mordechai Vanunu. Vanunu hatte 1986 in Großbritannien Israels geheimes Atomwaffenarsenal öffentlich gemacht. Er wurde anschließend vom israelischen Geheimdienst Mossad nach Israel entführt und 1988 zu achtzehn Jahren Gefängnis verurteilt.

27. April 2004
Bei den bisher heftigsten Kämpfen zwischen den Milizen des in Nadschaf verschanzten radikalen Schiitenführers Muktada al-Sadr und den US-geführten Truppen wurden in der Nacht 64 Aufständische getötet. Zeitgleich zogen die spanischen Soldaten ab und wurden durch US-Soldaten ersetzt. Am 28. April bombadierten Kampfflugzeiuge Falludscha, dei Hochburg des sunnitischen Widerstands. In Damaskus sind bei einem Feuergefecht zwischen syrischen Sicherheitskräften und mutmaßlichen Terroristen vier Menschen getötet worden. Die Attentäter hatten zuvor in einem Diplomatenviertel eine Autobombe gezündet.

2. Mai 2004
Die in Israel regierende Likud-Partei hat in einer Urabstimmung die Räumung des Gazastreifens mit einer Mehrheit von 60 Prozent abgelehnt und damit Premier Ariel Scharon eine schwere Niederlage bereitet. Wie am 6. Mai bekannt wurde, will Scharon dennoch seinen Plan unverändert vom Kabinett beschließen lassen.

6. Mai 2004
Eine Woche nach den Enthüllungen über Misshandlungen irakischer Gefangener durch US-Soldaten im Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad hat US-Präsident George W. Bush in Interviews mit arabischen Sendern die »schändlichen Vorfälle« verurteilt und sich einen Tag später entschuldigt. Bush ging auf Distanz zu US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der ihn nicht frühzeitig über die Fotos von den Misshandlungen informiert habe. Unterdessen wurden in den USA weitere schockierende Fotos veröffentlicht. Auch britische Soldaten sollen nach Zeitungsangaben irakische Gefangene misshandelt haben.

10. Mai 2004
Großbritanniens Premier Tony Blair hat in London eingestanden, dass seine Regierung bereits im Februar dieses Jahres von Foltervorwürfen gegen britische Soldaten in irakischen Gefängnissen gewusst habe. Am Tag zuvor hatte er sich bei den Opfern entschuldigt. Wie das Verteidigungsministerium am 13. Mai mitteilte, wurden die im Daily Mirror veröffentlichten Fotos, von angeblichen Gefangenen-Misshandlungen durch britische Soldaten nicht dort aufgenommen.

11. Mai 2004
Nach der Enthauptung des 26 Jahre alten Amerikaners Nicholas Berg im Irak haben die Täter ein Video im Internet veröffentlicht, das den Ablauf der Hinrichtung zeigt. Die Bilder lösten weltweit Empörung aus. Die Leiche des Mannes war bereits am 8. Mai in der Nähe von Bagdad gefunden worden. Der amerikanische Geheimdienst CIA ging davon aus, dass der Zivilist von dem als Top-Terrorist und Al-Qaida-Führer gesuchten Jordanier Abu Musab al-Sarkawi selbst enthauptet wurde.

12. Mai 2004
Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz hat eingeräumt, dass die von amerikanischen Soldaten im Irak angewandten Verhörmethoden, wie Schlafentzug von bis zu 72 Stunden und Isolationshaft von mehr als 30 Tagen, gegen die Genfer Konvention verstoßen. Er widersprach damit seinem Vorgesetzten Donald Rumsfeld, der die Praktiken verteidigt hatte. Zuvor waren etwa 1600 Bilder von Folterungen aufgetaucht, die das Pentagon am 12. Mai Senatoren und Abgeordneten zeigte. Rumsfeld reiste am 13. Mai überraschend in den Irak, um sich im Gefängnis Abu Ghraib persönlich über Misshandlungen zu informieren.

17. Mai 2004
Der Vorsitzende des irakischenr Regierungsrats, Issedin Salim, ist in der Nähe des US-Hauptquartiers in Bagdad von einem Selbstmordattentäter getötet worden. Insgesamt kamen neun Menschen ums Leben. Zum Nachfolger wurde der Sunnit Ghasi Adschil al-Jawar ernannt.

19. Mai 2004
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die israelische Miltitäroffensive im Gaza-streifen verurteilt. In der Nacht auf den 18. Mai waren Panzer in die Stadt Rafah eingedrungen. Im Verlauf der folgenden drei Tage sind mindestens 40 Palästinenser getötet worden. Die Verurteilung durch den Sicherheitsrat wurde möglich, weil die USA kein Veto einlegten, sondern sich der Stimme enthielten. Am 21. Mai kündigte Israel an, keine Häuser mehr zu zerstören, und begann damit, seine Truppen zurückzuziehen.
Ein US-Militärgericht in Bagdad hat im ersten Prozess um den Folterskandal im Irak einen US-Soldaten zur Höchststrafe von einem Jahr Haft verurteilt. Außerdem wurde der geständige Militärpolizist degradiertr und unehrenhaft aus der Armee entlassen. Er entschuldigte sich bei den Opfern.
Bei US-Luftangriffen auf ein Dorf im Westirak sind nach irakischen Angaben 41 Zivilisten getötet worden. Augenzeugen sprachen von einem Angriff auf eine Hochzeitsgesellschaft. Sprecher des US-Militärs dementierten dies zunächst.

24. Mai 2004
US-Präsident George W. Bush hat in einer Fernsehansprache angekündigt, am 30. Juni einer irakischen Zivilregierung die volle Souveränität über den Irak zu übergeben. Das militärische Oberkommando solle aber in Händen der Amerikaner bleiben. Im UN-Sicherheitsrat stieß ein entsprechender Resolutionsentwurf auf Kritik. Nach Beratungen am 26. Mai forderte China einen Abzug der Besatzer bis Januar 2005. In der irakischen Stadt Nadschaf wurde am 27. Mai eine Waffenruhe zwischen dem Schiitenführer Muktada al-Sadr und der US-Armee vereinbart.

1. Juni 2004
Ghasi al-Jawar ist als Übergangspräsident des Irak eingesetzt worden. Darauf einigten sich der Regierende Rat, die UN und die USA. der Regierende Rat gab seine vorzeitige Auflösung bekannt. Ein neues Kabinett wurde vereidigt, das freie Wahlen im Januar 2005 vorbereiten soll. Der UN-Beauftragte Lakhdar Brahimi kritisierte die Regierungsbildung und sagte, US-Zivilverwalter Paul Bremer sei »Iraks Diktator«. Im UN-Sicherheitsrat forderte der Irak ein Mitspreacherecht über Einsatz und Verbleib der US-Streitkräfte. Der Ölpreis hat mit 42,38 Dollar pro Barrel (139 Liter) den bisher höchsten Stand dre Geschichte erreicht. Vorausgegangen waren Geiselnahmen in einer saudi-arabischen Ölstadt, zu denen sich Al-Qaida bekannte. 22 Zivilisten wurden getötet. Die Organisation Erdöl exportierender Länder beschloss am 3. Juni die Fördermenge auf 25,5 Millionen Barrel pro Tag anzuheben.

3. Juni 2004
Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, ist zurückgetreten. Tenet nannte persönliche Grüne für die Entscheidung. In Washington wurde sein Rückzug allerdings als Reaktion auf andauernde Kritik an dem Geheimdienst gedeutet, die vor allem den falschen Informationen über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak und unzureichenden Warnungen vor den Anschlägen vom 11. September 2001 galt.

8. Juni 2004
Nach wochenlangen Verhandlungen hat sich der UN-Sicherheitsrat einstimmig auf eine neue Irak-Resolution geeinigt. Das Gremium verständigte sich auf die Machtübergabe an eine souveräne Übergangsregierung im Irak am 30. Juni. Zudem wurde der neuen Führung das Recht eingeräumt, die internationalen Truppen jederzeit zum Abzug aufzufordern. Der Resolution zufolge sollte das Mandat für den US-geführten Militäreinsatz in jedem Fall Ende Januar 2006 auslaufen.

8.-10. Juni 2004
Die Staats- und Regierungschefs der führenden acht Industrienationen (G8) haben auf ihrem Gipfel in Sea Island (USA) eine Initiative für Reformen im Nahen und Mittleren Osten beschlossen. Pläne für eine stärkere Rolle der Nato im Irak konnten die USA nicht durchsetzen. Die G8 verabschiedete ein Programm gegen die Verbreitung vom Massenvernichtungswaffen und eine Initiative zur Entschuldung armer Länder.

22.- 24. Juni 2004
Wenige Tage vor der geplanten Machtübergabe am 30. Juni ist die Gewalt im Irak eskaliert. Bei einer Anschlagsserie kamen am 24. Juni mindestens 90 Menschen ums Leben. Der mutmaßliche Terroristenführer Abu Mussab al-Sarkawi bekannte sich zu den Anschlägen. Am 22. Juni tötete die Gruppe um al-Sarkawi eine im Irak entführte südkoreanische Geisel. Am 23. Juni richtete die Gruppe eine Morddrohung gegen den irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi.

28. Juni 2004
Nach 14 Monaten unter amerikanischer Besatzung hat der Irak von den USA seine Souveränität zurückerhalten. Bei einer Zeremonie in Bagdad übergab US-Zivilverwalter Paul Bremer die Macht zwei Tage früher als geplant an den irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi. Am 30. Juni überstellte das US-Militär den ehemaligen Diktator Saddam Hussein der irakischen Justiz, die einen Tag später Anklage erhob. Bei der ersten Anhörung vor Gericht wies Saddam Hussein alle Vorwürfe – unter anderem die des mehrfachen Mordes, des Einsatzes von Giftgas und der Invasion in Kuwait – zurück. »Das hier ist alles Theater, der wahre Verbrecher ist Bush«, sagte er und weigerte sich, die Anklage zu unterschreiben.

9. Juli 2004
Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat in einem Gutachten die israelische Sperranlage im Westjordanland für völkerrechtswidrig erklärt. Demnach müssten die bereits fertig gestellten Teile des Baus wieder abgerissen werden, das Gutachten ist allerdings nicht rechtsverbindlich. Israel hatte dem Gericht schon vorher die Zuständigkeit abgesprochen.
Der amerikanische Senat hat schwere Vorwürfe gegen den CIA erhoben. Nach einem am 9. Juli veröffentlichten Bericht habe der Geheimdienst die vom Irak ausgehende Gefahr vor dem Kriegsbeginn falsch dargestellt und übertrieben. Das betreffe Angaben über chemische und biologische Waffen sowie Atomwaffen. Umstritten blieb hingegen, warum die Gefährlichkeit des Regimes von Saddam Hussein überspitzt geschildert wurde.

28. Juli 2004
Beim schwersten Anschlag im Irak seit der Machtübergabe an eine Übergangsregierung sind in der Stadt Bakuba 70 Menschen getötet worden. Mindestens 56 weitere Personen wurden verletzt. Ein Selbstmordattentäter hatte sich vor einer Polizeiwache mit seinem Lastwagen in die Luft gesprengt. Etwa 250 Arbeit suchende Iraker hatten dort gewartet, um sich für dei Polizei rekrutieren zu lassen.

10. August 2004
Die libysche Gaddafi-Stiftung hat den deutschen Opfern des Terroranschlages auf die Berliner Diskothek La Belle am 5. April 1986 eine Entschädigung von 30 Millionen Dollar zugesichert. Der Bundesgerichtshof hatte Libyen im Juni 2004 eine Mitschuld an dem Anschlag zugewiesen.

12. August 2004
Nach tagelangen Gefechten hat die US-Armee eine Großoffensive in der heiligen Schiitenstadt Nadschaf gestartet. Unterstützt von Kampfflugzeugen rückten Panzerverbände und Soldaten gegen die Stellungen des radikalen Schiitenführers Muktada al-Sadr vor, der bei den Angriffen verletzt worden sein soll. Am 13. August kamen Vertreter al-Sadrs und der irakischen Regierung zu Verhandlungen zusammen. Die amerikanische Armee setzte daraufhin ihre Angriffe aus.

18. August 2004
Die Likud-Partei von Israels Premier Ariel Scharon hat gegen eine Koalition mit der Arbeitspartei gestimmt. Scharon, der keine Mehrheit im Parlament hatte, wollte mit der Arbeitspartei als Koalitionspartner den geplanten Abzug aller 8000 Siedler aus dem Gaza-Streifen realisieren. Nach Scharons Abstimmungsniederlage wurde in Israel der Ruf nach Neuwahlen laut. Die aus 1000 politischen und religiösen Vertretern des Landes bestehende irakische Nationalkonferenz hat sich auf die Zusammensetzung des 100 Mitglieder umfassenden Nationalrats geeinigt. Dieser sollte bis zu den für Januar 2005 vorgesehenen Neuwahlen als Übergangsparlament fungieren. Unterdessen dauerten die Gefechte zwischen der Miliz des Rebellenführeres Muktada al-Sadr sowie US-Truppen und irakischen Sicherheitskräften in der seit Wochen umkämpften Schiiten-Stadt Nadschaf weiter an.

6. Oktober 2004
Der von der US-Regierung eingesetzte Waffeninspekteur Charles Duelfer hat einen Bericht vorgelegt, demzufolge im Irak keinerlei nukleare, chemische oder biologische Waffen gefunden worden seien. Allerdings erkaufte sich der gestürzte Diktator Saddam Hussein das Wohlwollen einflussreicher Regierungen mit Öl-Gutscheinen.

8. Oktober 2004
Bei Bombenanschlägen auf israelische Feriendomizile in Ägypten sind in der Nacht zum 8. Oktober mindestens 30 Menschen umgekommen. Zwei Bomben explodierten im Hilton-Hotel im ägyptischen Taba nahe der israelischen Grenze, zwei kleinere auf einem Campingplatz bei Naweida. Zu der Tat bekannte sich eine bis dahin unbekannte Islamistengruppe, die sich nach eigenen Angaben bei Israel für die Tötung des Hamas-Führers, Scheich Achmed Jassin, im März 2004 rächen wollte.

12. Oktober 2004
Islamistenprediger Metin Kaplan, »Kalif von Köln« genannt, ist aus Deutschland in die Türkei abgeschoben worden. Das Verwaltungsgericht Köln erlaubte die Abschiebung trotz eines noch laufenden Revisionsverfahren beim Bundesverwaltungsgericht, da Kaplan als »Identifikationsfigur für den islamischen Extremismus« gelte. Die Türkei klagte ihn wegen Hochverrats an.

14. Oktober 2004
Als erster deutscher Bundeskanzler ist Gerhard Schröder zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Libyen gereist, wo er am 15. Oktober Muammar el Gaddafi traf. der Besuch war die offizielle Anerkennung für Gaddafis Wandlung vom arabischen Staatsterroristen zum westlich orientierten Mitglied der Staatsgemeinschaft.

21. Oktober 2004
Großbritannien hat angekündigt, den US-Truppen in den irakischen Unruhegebieten militärisch zu Hilfe zu kommen. Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte, 850 Soldaten sollten aus dem britischen Kommandogebiet im Süd-Irak in den amerikanischen Sektor verlegt werden, damit die Amerikaner ihre Kräfte auf Rebellenhochburgen wie Falludscha konzentrieren könnten. Nach der Entführung ihrer Mitarbeiterin Margaret Hassan am 19. Oktober in Bagdad hat die Hilfsorganisation Care International ihre Arbeit im Irak eingestellt.

27. Oktober 2004
Das israelische Parlament hat den von Premier Ariel Scharon vorgelegten Abzugsplan aus dem Gaza-Streifen gebilligt. 25 Siedlungen sollen demnach so bald wie möglich aufgelöst werden, um Anschlägen entgegen zu wirken. Die Gegner des Plans, Finanzminister Benjamin Netanjahu und drei weitere Minister, drohten mit Rücktritt, sollte der Premier nicht einem Volksentscheid über den Abzug zustimmen.

29. Oktober 2004
Der faktisch unter Hausarrest gestellte Palästinenser-Präsident Yassir Arafat hat nach fast drei Jahren erstmals seinen Amtssitz in Ramallah verlassen. Der schwerkranke 75-jährige wurde zur Behandlung nach Paris ausgeflogen. Derweil begann in der Palästinenser-Führung die Diskussion über seine Nachfolge.

4. November 2004
Meldungen über den Tod Arafats haben für Verwirrung gesorgt. Arafat war wegen unbekannter Krankheit in einer Pariser Klinik ins Koma gefallen. Die palästinensische Führung dementierte Berichte über seinen Tod.

5. November 2004
Die Staatschefs der Europäischen Union haben bei einem Gipfeltreffen in Brüssel ein Hilfspaket für den Irak vorgelegt. Darin wurden unter anderem 30 Millionen Euro für die am 27. Januar geplante Wahl zugesichert.

8. November 2004
Die von der USA geführte Koalition im Irak hat mit einem Großangriff auf die Rebellenhochburg Falludscha begonnen. Die Kämpfe dauerten die ganze Woche über an. Nach Angaben des US-Militärs wurden bis zum Freitag mehr als 500 Aufständige getötet. Zahlreiche Soldaten aus dem Irak und den USA wurden verletzt.

11. November 2004
Palästinenserpräsident Yassir Arafat ist in einem Militärkrankenhaus bei Paris gestorben. Details über die tödliche Krankheit wurden nicht bekannt. Nach der Trauerfeier mit internationalen Gästen in Kairo wurde der Leichnam am12. November nach Ramallah gebracht. Bei der Beisetzung Arafats kam es zu chaotischen Szenen.

30. November 2004
Das Rote Kreuz hat dem US-Militär vorgeworfen, im Stützpunkt Guantanamo auf Kuba Gefangene zu foltern. Das geht aus einem vertraulichen Bericht der Organisation an die US-Regierung hervor, der am 30. November bekannt wurde.

1. Dezember 2004
Die Regierungskoalition des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon ist am Streit um den Staatshaushalt 2005 zerbrochen. Scharon kündigte Koalitionsgespräche mit der oppositionellen Arbeitspartei und ultra-orthodoxen Parteien an.

3. Dezember 2004
Die Polizei hat ein Attentat auf den irakischen Premierminister Ijad Allawi vereitelt. Der Anschlag hätte Generalbundesanwalt Kay Nehm zufolge bei einem Besuch des Staatschefs in Berlin erfolgen sollen. Drei mutmaßliche Attentäter wurden festgenommen. Die Iraker gehören nach Nehms Angaben der Terorrgruppe Ansar al-Islam an.

14. Februar 2005
Bei einem Bombenanschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut ist der frühere Regierungschef Rafik Hariri getötet worden. Bei dem Attentat kamen neun weitere Menschen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Die USA verdächtigten daraufhin Syrien, in den Anschlag verwickelt zu sein. Hariri hatte zuletzt erklärt, Syrien müsse seine Rolle als Ordnungsmacht Im Libanon vor den Wahlen im Mai aufgeben.

17. Februar 2005
Die Wahlkommission hat das Ergebnis der Parlamentswahlen im Irak bekannt gegeben. Demnach gewann die Allianz der unter Saddam Hussein unterdrückten Schiiten 140 der insgesamt 275 Sitze, das Wahlbündnis der Kurden ist mit 75 Sitzen zweuítstärkste Fraktion. Beide zusammen verfügen über eine Zwei-Drittel-Mehrheit und können die politischen Spitzenämter besetzen.

21. Februar 2005
US-Präsident George W. Bush hat erstmals seit seiner Wiederwahl Europa besucht. Zum Auftakt traf er in Brüssel zwei prominente Kritiker des Irakkrieges: Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und den belgischen Ministerpräsidenten Guy Verhofstadt. Einen Tag später kam er mit weiteren Staats- und Regierungschefs der Nato und der Europäischen Union zusammen und warb für einen transatlantischen Schulterschluß. Am 23. Februar empfing Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den US-Präsidenten in Mainz. Beide verkündeten, bei der Stabilisierung des Irak und den Atomverhandlungen mit dem Iran künftig enger zusammenzuarbeiten. Zum Abschluß traf Bush am 24. Februar in Bratislava mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen. Dabei kritisierte Bush den Zustand der Demokratie in Rußland.

28. Februar 2005
Unter dem Druck von Massenprotesten hat der pro-syrische Ministerpräsident des Libanon Omar Karame den Rücktritt seines Kabinetts angekündigt. International wuchs der Druck auf die Ordnungsmacht Syrien, seine 14 000 Soldaten aus dem Libanon abzuziehen. Syrien signalisierte am 4. März, einen Teil der Truppen zu verlegen.

10. März 2005
Zehn Tage nach seinem Rücktritt als libanensischer Ministerpräsident ist Omar Karame erneut von Staatspräsident Emil Lahoud damit beauftragt worden, eine Regierung zu bilden. Der prosyrische Regierungschef war am 18. Februar zurückgetreten. Syrien begann auf internationalen Druck hin, Teile seiner Truppen im Libanon in die Bekaa-Ebene zu verlegen.

16. März 2005
Das neue irakische Parlament hat seine erste Sitzung abgehalten. Jedoch konnte sich die Versammlung weder auf einen Präsidialrat noch auf eine handlungsfähige Regierung einigen. Deren Bildung wurde vertagt.

29. März 2005
Ein Untersuchungsausschuss der vereinten Nationen hat Generalsekretär Kofi Annan vom Verdacht der Korruption entlastet. Ein Bericht, der Annan übergeben wurde, kritisiert aber, er habe verkannt, daß die Arbeit seines Sohnes Kojo für ein Unternehmen, das an dem UB-Hilfsprogramm »Öl für Lebensmittel« im Irak beteiligt war, zu einem Interssenkonflikt führen könne.

6. April 2005
Mit Dschalal Talabani, 72, hat das irakische Parlament nach wochenlangem Ringen erstmals in seiner Geschichte einen Kurden zum Präsidenten gewählt. Während der Herrschaft Saddam Husseins waren die Kurden an den Rand gedrängt. Der frühere Rebellenführer sprach sich für einen Dialog mit den Aufständigen aus. Seine Vereidigung wurde von einem Anschlag überschattet.

24. April 2005
Der ehemalige israelische Staatspräsident Eser Weizman ist im Alter von 80 Jahren gestorben. In seiner Amtszeit von 1993 bis 2000 versuchte er die Friedensgespräche mit den Palästinensern in Gang zu bringen.

26. April 2005
Mit dem Abzug der letzten Soldaten hat Syrien nach fast 30 Jahren seine Militärpräsenz im Libanon beendet. Syrien hat sich dem Druck der UN und der libanesischen Öffentlichkeit gebeugt. Nach dem Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs 1975 war Syrien in das Nachbarland einmarschiert.

3. Mai 2005
Die erste demokratisch gewählte Regierung des Irak ist ins Amt eingeführt worden. Ministerpräsident Ibrahim Dschaafari legte vor der Nationalversammlung in Bagdad seinen Amtseid ab. Die Gewalt im ganzen Land erreichte einen neuen Höhepunkt. In zwei Tagen gab es mehr als 80 Tote.

10. Mai 2005
Das Holocaust-Mahnmal in Berlin ist eröffnet worden. Die Gedenkstätte in der Nähe des Brandenburger Tors erinnert an die Ermordung von sechs Millionen Juden durch Deutsche, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse nannte das Mahnmal bei der Eröffnung vor 1500 Gästen ein Bekenntnis des wiedervereibigten Deutschlands zu seiner Geschichte.

12. Mai 2005
Mit der Inhaftierung des Kurdenführers Abdullah Öcalan habe die Türkei gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen. Dies hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg festgestellt und ein neues Verfahren angeregt. Der Gründer der Kurdenorganisation PKK habe 1999 keinen fairen Prozess bekommen. Die türkische Regierung kündigte an, sie werde das Urteil umsetzen.

17. Mai 2005
Das US-Magazin Newsweek hat einen Bericht über angebliche Schändungen des Koran im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba zurückgeziogen. Nach Erscheinen des Berichts hatten in muslimischen Ländern Zehntausende gegen die USA demonstriert. Dabei sollen in Afghanistan mindestens 17 Menschen getötet worden sein.

26. Mai 2005
Die USA haben zugegeben, dass einzelne Soldaten den Koran im Gefangenenlager Guantanamo »unsachgemäß behandelt« hätten. Es gebe aber keinen Beweis für die Behauptung eines Gefangenen, ein Exemplar des Korans sei die Toilette hinuntergespült worden.

19. Juni 2005
Nach der vierten und letzten Runde der Parlamentswahl im Libanon hat sich das anti-syrische Bündnis von Saad Hariri die absolute Mehrheit gesichert. Die pro-syrischen Parteien und die christliche Minderheit bilden künftig die Opposition. Somit stellen die anti-syrischen Kräfte erstmals seit dem Ende des Bürgerkriegs (1975-1990) die Mehrheit im Parlament.

28. Juni 2005
US-Präsident George W. Bush hat einen Zeitplan für den Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak abgelehnt. Amerika gehe nicht, ehe der Job erledigt sei, sagte er in einer Rede. Ein Jahr nach Rückgabe der Souveränität an den Irak forderte er die Amerikaner zum Durchhalten auf.

7. Juli 2005
Während des G8-Gipfeltreffens in Schottland ist die britische Hauptstadt vom schwersten Terrorangriff ihrer Geschichte erschüttert worden. In Londons Innenstadt explodierten während des Berufsverkehrs kurz nacheinander drei Zeitzünder-Bomben in U-Bahnen und eine in einem Doppeldeckerbus. Nach vorläufigen Angaben sind mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen, 700 wurden verletzt. Auch vier Deutsche wurden verletzt. Premierminister Tony Blair machte radikale Islamisten für die Tatt verantwortlich. Eine Gruppe »Geheimorganisation Al-Qaida in Europa« bekannte sich zu der Tat und erklärte, das Engagement der Briten im Irak und Afghanistan vergelten zu wollen. Sicherheitskräfte bezweifelten die Echtheit des Schreibens.

14. Juli 2005
Nach den Anschlägen von London ist es britischen Terror-Fahndern gelungen, die Täter zu identifizieren. Nach Angaben der Polizei führten vier muslimische Selbstmordattentäter im Alter von 18 bis 30 Jahren die Anschläge aus. Drei der Männer stammten aus Leeds und waren in England zur Welt gekommen. Der Vierte wohnte in der Grafschaft Buckinghamshire und wurde in Jamaika geboren, teilten die Behörden mit. Der mutmaßliche Bombenbauer wurde in Ägypten verhaftet.

21. Juli 2005
In London sind vier Bomben in U-Bahnen und einem Bus explodiert. Weil die Sprengsätze nicht richtig funktionierten, wurde niemand verletzt. Die Täter konnten entkommen. Am 22. Juli erschoß die Polizei einen Tatverdächtigen. Zwei Wochen zuvor hatten Anschläge in London mehr als 700 Menschen verletzt und mindestens 56 getötet. Die Selbstmordattentäter hatten Verbindungen nach Pakistan, dessen Regierung bei Razzien am 20. Juli 150 mutmaßliche Islamisten verhaftete.

23. Juli 2005
Bei den verheerendsten Bombenanschlägen in der Geschichte Ägyptens sind im Badeort Scharm el-Scheich nach Krankenhausangaben 85 Personen getötet worden. Die Explosionen vor einem Hotel, auf einem Basar und auf einem Taxistand verletzten außerdem mindestens 150 Personen. Drei Tage nach dem Bombenterror identifizierte die Polizei einen mutmaßlichen Attentäter, der ein mit Sprengstoff beladenes Auto vor einem Hotel gezündet haben soll.

1. August 2005
König Fahd von Saudi-Arabien ist im Alter von etwa 84 Jahren gestorben. Am gleichen Tag wurde Kronprinz Abdullah zum Nachfolger ernannt.

4. August 2005
In Schfaram tötet ein rechtsextremer Israeli vier israelische Araber aus Protest gegen den Abzug Israels aus dem Gazastreifen.

15. August 2005
Gegen den Widerstand Hunderter jüdischer Siedler hat Israel mit der Räumung des Gaza-Streifens begonnen. Der Abzugsplan sieht die Räumung aller 21 Siedlungen im Gaza-Streifen und vier weiterer im Westjordanland bis Ende September vor.

23. August 2005
Israel hat nach einer Woche die Räumung von 25 jüdischen Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten abgeschlossen. Polizisten stürmten in den Siedlungen Sanur und Homesch im Westjordanland mehrere Gebäude, in denen sich Demonstranten verbarrikadiert hatten.

28. August 2005
Trotz mehrere Änderungsvorschläge hat ein Verfassungsentwurf im Irak nicht die Zustimmung der Sunniten gefunden. Er wurde dennoch mit der Mehrheit von Schiiten und Kurden im Verfassungskonvent verabschiedet. Die sunnitischen Vertreter kritisierten an dem Entwurf unter anderem die geplante föderale Ordnung und die Bewertung der von Sunniten dominierten Baath-Partei.

31. August 2005
Bis zu tausend Menschen sind bei einer Massenpanik unter schiitischen Pilgern in Bagdad ums Leben gekommen. Auslöser war das Gerücht, ein Selbstmordattentäter habe sich unter die Menge gemischt. Nach dem Unglück wuchsen Ängste vor einem Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten.

12. September 2005
Brigadegeneral Avi Koschavi hat als letzter israelischer Soldat den Gaza-Streifen verlassen und damit 38 Jahre Besatzung beendet. Zehntausende Palästinenser feierten die Räumung. Palästinenserpräsident Machmud Abbas sprach von einem »historischen Tag«.

29. September 2005
In Algerien hat die Bevölkerung eine Charta gebilligt, mit der Präsident Abdelaziz Bouteflika einen Schlußstrich unter die Gewalt ziehen will. Mehr als 97 Prozent stimmten nach offiziellen Angaben für das Dokument, das eine Amnestie für Islamisten und Militärangehörige, die Gewalttaten verübt hatten, vorsieht.

1. Oktober 2005
Bei Selbstmordanschlägen auf Touristen-Restaurants der idonesischen Ferieninsel Bali sind 22 Menschen getötet worden. Es gab 104 Verletzte, unter Ihnen zwei Deutsche. Die Polizei vermutet Islamisten als Täter.

26. Oktober 2005
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadi-Nedschad hat die »Tilgung Israels von der Landkarte« und eine Zerstörung des Staates durch palästinensische Anschläge gefordert. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon fordert den Ausschluß Irans aus den Vereinten Nationen. Ahmadi-Nedschads Aussagen lösten heftige internationale Kritik aus.

9. November 2005
Bei drei fast gleichzeitigen Selbstmordanschlägen auf drei internationale Hotels in der jordanischen Hauptstadt Amman sind mindestens 57 Menschen gestorben. es gab mehr als 150 Verletzte. In einem Schreiben bekannte sich die Al-Qaida-Terrorgruppe unter der Führung des Jordaniers Abu Musab al-Sarkawi zu dem Anschlag.

10. November 2005
Der überraschende Sieg von Amir Peretz bei der Wahl zum Chef der israelischen Arbeitspartei Awoda hat die Regierung in Jerusalem in eine tiefe Krise gestürzt. Peretz kündigte an, er werde ide Regierungskoalition unter Premier Ariel Scharon verlassen. Er forderte Scharon zu Neuwahlen auf.

23. November 2005
Israels Präsident Mosche Katzav hat ein Dekret zur Auflösung des Parlaments unterzeichnet und so Neuwahlen im März ermöglicht. Premier Ariel Scharon hatte am 21. November um die Auflösung gebeten, nchdem er seinen Austritt aus dem Likud erklärt und die Gründung einer neuen Partei (Kadima) angekündigt hatte.

25. November 2005
Zehn Wochen nach dem Abzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen ist der Grenzübergang Rafach zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten geöffnet worden. Mit der Öffnung übernahmen die Palästinenser erstmals die Kontrolle über eine internationale Grenze.

15. Dezember 2005
Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen haben die Iraker erstmals seit dem Sturz von Saddam Hussein ein Parlament für eine volle vierjährige Legislaturperiode gewählt. 15 Millionen Iraker waren zu der Wahl aufgerufen, mehr als 70 Prozent der Berechtigten gaben ihre Stimme ab.

18. Dezember 2005
Die deutsche Archäologin Susanne Osthoff, die sich 23 Tage lang in der Hand irakischer Geiselnehmer befand, ist frei gelassen worden. Das Bundesaußenministerium nannte weder die Höhe der Lösegeldsumme noch Einzelheiten der Befreiung. Sicherheitskreise gingen davon aus, daß die Entführung von dem sunnitischen Duleimi-Stamm organisiert wurde.

28. Dezember 2005
Der frühere Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, und seine Familie sind Opfer einer Entführung im Jemen geworden.

24. Januar 2006
Zwei Deutsche Ingenieure aus dem Raum Leipzig sind in der irakischen Stadt Beidschi verschleppt worden. In einer Videoaufnahme, die der arbische Fernsehsender al-Dschasira am 27. Januar ausstrahlte, baten sie die Bundesregierung um Hilfe.

25. Januar 2006
Die Hamas hat die Parlamentswahl in Palästina gewonnen und die bisher allein regierende Fatah-Organisation von der Macht verdrängt. Der überraschende Wahlsieg löste international Besorgnis über den Friedensprozess im Nahen Osten aus. Israel kündigte an, keine Verhandlugen mit der Hamas zu führen.

28. Januar - 3. Februar 2006
Wegen der angeblichen Verunglimpfung des Propheten Mohammed in Karikaturen einer dänischen Zeitung ist es in der islamischen welt zu Massenprotesten, Boykottaufrufen und Gewaltandrohungen gegen Europäer gekommen.

30. Januar 2006
Knapp eine Woche nach dem Wahlsieg der radikal-islamischen Hamas hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Israel und die Palästinensergebiete besucht. Bei einem Treffen mit palästinenser-Präsident Machmud Abbas sagte sie, Bedingung für weitere finanzielle Hilfe sei, dass die Hamas der Gewalt abschwöre und den Staat Israel anerkenne.

31. Januar 2006
Die Entführer der beiden deutschen Ingenieure im Irak haben in einem Video mit der Enthauptung der Geiseln gedroht, falls ihre Forderungen nicht binnen 72 Stunden erfüllt werden. Sie verlangten, dass Deutschland die Zusammenarbeit mit dem Irak beendet. Bisher gab es keine Kontakte zu den Tätern oder Hinweise zu ihrem Hintergrund.

17. Februar 2006
Deutschland und Großbritannien haben die Hamas aufgefordert, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Jerusalem drohte mit dem Abbruch der Beziehungen, falls die Palästinenser bei der Regierungsbildung einen Premier der Hamas wählen sollten.

18. Februar 2006
In den Palästinensergebieten hat sich das von der radikalislamischen Hamas dominierte Parlament konstitutiert. Die Abgeordneten nominierten Ismail Hanija als Ministerpräsidenten. Israel beschloss, den Palästinensern keine Zölle und Steuern mehr zu überweisen.

22. Februar 2006
In der irakischen Stadt Samarra ist ein Anschlag auf die Goldene Moschee verübt worden. Das schiitische Heiligtum wurde stark beschädigt. Anschließend eskalierte die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten. Nahezu 130 Menschen kamen bei Krawallen ums Leben.

23. Februar 2006
Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat während des Irak-Krieges doch potenzielle Bombenziele an die USA gemeldet. Die Regierung räumte erstmals ein, dass der BND Koordinaten militärischer Objekte weitergegeben habe. Diese Angaben seien aber für die Kriegsführung nicht relevant gewesen.

8. März 2006
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat den Streit um das iranische Atomprogramm an den Sicherheitsrat der UN überwiesen. Die USA sprachen sich für Sanktionen gegen Teheran aus. Russland und China warben für weitere Verhandlungen. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad übte scharfe Kritk am Westen.

9. März 2006
Das irakische Gefängnis Abu Ghraib in Bagdad soll geschlossen werden. Wie ein Sprecher der US-Armee mitteilte, sollen die Insassen in andere Gefängnisse verlegt werden. Abu Ghraib war 2004 wegen Misshandlungen von Häftlingen durch US-Soldaten in die Schlagzeilen geraten.

10. März 2006
Die Opposition im Bundestag hat sich darauf geeinigt, einen BND-Untersuchungsausschuss einzusetzen. Drei Komplexe sollen geklärt werden: Die CIA-Gefangenenflüge via Europa, die Verschleppung des Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri durch den US-Geheimdienst und die Aktivitäten des Bundesnachrichtendienstes im Irak.

28. März 2006
Die Kadima-Patei des amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert hat bei der Parlamentswahl die meisten Stimmen geholt. Sie erhielt 29 von 120 Sitzen. Die Arbeitspartei bekam 20 Sitze, die Schas- und die Likud-Partei je zwölf Mandate.

7. April 2006
Der Bundestag hat einen Untersuchungsausschuss zur BND-Affäre eingesetzt. Das Gremium soll klären, ob der deutsche Geheimdienst den USA während des Irak-Krieges kriegsrelevante Informationen geliefert hat.

17. April 2006
Erstmals seit den palästinensischen und den israelischen Wahlen im Januar und im März hat ein Palästinenser ein Selbstmordattentat in Israel verübt. Bei dem Anschlag in Tel Aviv kamen der Attentäter und neun Passanten ums Leben, etwa 60 Personen wurden verletzt. Ein Sprecher der neuen Hamas-Regierung bezeichnete die Tat, zu der sich die militante palästinensische Gruppe »Islamischer Heiliger Krieg« bezichtigte, als »Akt der Selbstverteidugung«.

22. April 2006
Der Schiit Nuri al-Maliki ist von Staatspräsident Dschalal Talabani mit der Regierungsbildung im Irak beauftragt worden. Der Kurde Talabani war kurz zuvor vom Parlament als Präsident im Amt bestätigt worden. Nach monatelangen Auseinandersetzungen über den künftigen Regierungschef hatte das wichtigste schiitische Parteienbündnis Malaki nominiert.

24. April 2006
Bei Explosionen von drei Bomben im ägyptischen Badeort Dahab auf dem Sinai wurden am 24. April 20 Einheimische und drei Ausländer getötet, darunter ein zehnjähriger Junge aus Tübingen.

30. April 2006
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, ist im Alter von 68 Jahren nach langer Krankheit in Düsseldorf gestorben. Spiegel hatte den Vorsitz des Zentralrats nach dem Tod von Ignatz Bubis im Jahr 1999 übernommen.

2. Mai 2006
Die vor mehr als drei Monaten im Irak verschleppten deutschen Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nietzschke sind aus ihrer Gefangenschaft entlassen worden. Sie kehrten nach Deutschland zurück. Nach Aussagen des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, hatte die Entführung einen kriminellen und keinen politischen Hintergrund.

9. Mai 2006
Das Nahost-Quartett hat sich darauf geeinigt, die Hilfszahlungen für die palästinensische Bevölkerung wieder aufzunehmen. Auch Israel will das seit drei Monaten gesperrte Geld an die Palästinenser freigeben. Diese finanzielle Hilfe soll nur in die Gesundheitsfürsorge fließen und nicht der radikal-islamischen Hamas zugute Kommen.

11. Mai 2006
Der Untersuchungsausschuss des Bundestages ist erstmals zusammengetreten. Er soll die Rolle des BND während des Irak-Krieges klären. Zudem sollen Gefangenentransporte der CIA, die Entführung des Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri und die Vernehmung von Terrorverdächtigen in Syrien und Guantanamo behandelt werden.

28. Juni 2006
Die israelische Armee ist erstmals seit ihrem Rückzug aus dem Gaza-Streifen im August vergangenen Jahres in das Gebiet einmarschiert. Zuvor hatten palästinensische Terrorgruppen einen israelischen Soldaten und einen 18-jährigen Siedler entführt. Die israelischen Streitkräfte nahmen 60 führende Hamas-Politiker gefangen und bombardiertendas Innenministerium. Die Entführer hatten die Freilassung in Israel inhaftierter Palästinenser gefordert und den verschleppten Siedler getötet.

6. Juli 2006
Der neue UN-Menschenrechtsrat hat die Militäroperation Israels im Gaza-Streifen als völkerrechtswidrig verurteilt. Zuvor hatte die Israelische Luftwaffe den Regierungssitz der Hamas angegriffen und auch auf eine Schule in Gaza-Stadt gefeuert. Auch Palästinenser beschossen ihrerseits israelische Grenzstädte mit Raketen.

12. Juli 2006
Nach der Entführung von zwei israelischen Soldaten durch die Terrorgruppe Hisbollah hat Israel den Libanon mit Luft- und Bodentruppen angegriffen. In den folgenden Tagen rückte die Armee in den Südlibanon vor, die Luftwaffe beschoss die Hauptstadt Beirut. Die israelische Militäroffensive im Gaza-Streifen dauerte unterdessen an.

19. Juli 2006
Die eskalierenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz haben im Libanon eine Massenflucht ausgelöst. Mehr als 500 000 Menschen flohen vor den israelischen Bombardements innerhalb des Landes, Zehntausende Ausländer verließen den Libanon, darunter 4200 Deutsche. Israel weitete seine Lufangriffe im Libanon aus, die Hisbollah feuerte weiter Raketen auf israelisches Gebiet. Im Südlibanon kam es in der Nacht erstmals zu Boden-Gefechten zwischen israelischen Soldaten und der Hisbollah. UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte am 20. Juli ein Ende der Kämpfe. Israel wies Annans Vorwurf der überzogenen Gewalt zurück.

26. Juli 2006
Eine internationale Konferenz in Rom hat keinen entscheidenden Fortschritt auf dem Weg zu einer Lösung der Libanon-Krise gebracht. Vertreter von 15 Staaten einigten sich lediglich auf eine Absichtserklärung zu einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah. Israel interpretierte dies als einen Freibrief, seine Angriffe auf das Nachbarland fortzusetzen. Die Hisbollah schoss weiter Raketen nach Israel. Israel wurde massiv kritisiert, nachdem bei einem Angriff am 25. Juli vier Angehörige der im Südlibanon stationierten UN-Beobachtertruppe Unifil getötet worden waren. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einem »offenbar absichtlichen« Angriff. Die USA verhinderten aber eine Verurteilung Israels durch den UN-Sicherheitsrat. Bereits am 23. Juli drohte Syrien mit einem Gegenschlag für den Fall, dass Israel eine groß angelegte Bodenoffensive starte. Im deutschen Bundestag zeichnete sich eine Mehrheit für einen UN-Einsatz ab. Die Bundesregierung will über eine deutsche Beteiligung jedoch erst entscheiden, wenn der Auftrag für eine Mission feststehe.

3. August 2006
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hat sich für deutsche Soldaten als Teil eines möglichen UN-Einsatzes im Libanon ausgesprochen. Bis eine internationale Friedenstruppe eintrifft, wolle Israel zudem selbst den Südlibanon besetzen. Die deutsche Regierung äußerte sich zurückhaltend zu einem Bundeswehreinsatz, Außenminister Frank-Walter Steinmeier will statt dessen Syrien für eine starke Rolle im Friedensprozess gewinnen. Am 30. Juli reagierte die Welt mit Entsetzen auf einen israelischen Luftangriff auf das libanesische Dorf Kana, bei dem ein Dutzend Zivilisten, darunter viele Kinder, starben.

6. August 2006
Die Bemühungen um eine Waffenruhe im Nahostkrieg sind erfolglos geblieben. Die USA und Frankreich hatten sich auf einen Entwurf für eine UN-Resolution geeinigt. Sie wurde vom UN-Sicherheitsrat nach Einwänden Arabischer Staaten nicht verabschiedet. Sie verlangten den Abzug Israels aus dem Libanon. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier reiste in den Nahen Osten, konnte bei Gesprächen in Beirut und Jerusalem aber nichts erreichen.

8. August 2006
In der vierten Woche des Libanon-Kriegs haben Israel und die Hisbollah erneut Verluste hinnehmen müssen. Bei Gefechten nahe der Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil starben mehr als 50 Menschen. Bei einem Rakentenangriff der Hisbollah auf das Dorf Kfar Giladi kamen zwölf israelische Soldaten ums Leben.

10. August 2006
Britische Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben ein Terror-Komplott aufgedeckt. Am Morgen nahmen sie 24 Menschen fest, die angeblich auf mehrere Linienflugzeuge mit Ziel USA Anschläge mit Flüssigsprengstoff geplant hatten. Dieser hätte, als Getränke getarnt, an Bord geschmuggelt werden sollen. Der Londoner Flughafen Heathrow blieb den ganzen Tag über geschlossen, viele internationale Flüge über das Drehkreuz Heathrow wurden gestrichen. Auch in Deutschland wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

14. August 2006
Einen Monat nach Kriegsbeginn haben Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz die gegenseitigen Angriffe beendet. Gemäß der UN-Resolution 1701, in der am 11. August ein Ende der Kämpfe gefordert wurde, iehen sich Israels Armee und die Hisbollah sukzessive aus dem Südlibanon zurück. Die libanesische Armee rückt am 17. August in die Region vor.

17. August 2006
Auf einer Truppensteller-Konferenz in New York haben Vertreter von 49 UN-Mitgliedstaaten ihre Beiträge zu der verstärkten Unifil-Mission im Südlibanon diskutiert. 15 000 Blauhelm-Soldaten sollen künftig gemeinsam mit der Armee Libanons den Waffenstillstand in den Gebieten sichern. Bisher geben die Konferenzteilnehmer nur Zusagen für 3500 Soldaten. Die deutsche Regierung bot den Einsatz ihrer Marine an.

22. August 2006
Iran hat auf internationale Vorschläge zur Beilegung des Streits um das Atomprogramm geantwortet. Forderungen nach einem Stopp der Uran-Anreicherung lehnte Iran ab.

25. August 2006
Nach weltweiter Kritik hat Frankreich angekündigt, sein Kontingent bei der UN-Mission im Libanon auf 2000 Soldaten zu erhöhen. Bei einer EU-Konferenz boten Frankreich und Italien die Fühung der Blauhelme an.

31. August 2006
Bei einer Konferenz in Stockholm haben Regierungen und internationale Organisationen 940 Millionen Dollar für den Wiederaufbau des Libanon zugesagt – mehr als doppelt so viel als erwartet worden war. Deutschland will sich mit 22 Millionen Euro daran beteiligen.
Das Ultimatum der Vereinten Nationen, in dem die UN von Iran die Einstellung der Urananreicherung fordern, ist ausgelaufen. Iran trieb sein Atomprogramm jedoch weiter voran. Schon am 26. August nahm Präsident Mahmud Ahmadinedschad eine Nuklearanlage für Schwerwasser in Betrieb.

12. September 2006
Papst Benedikt XVI. hat mit einer Rede in Regensburg Proteste in islamischen Ländern ausgelöst. Er zitierte einen byzantinischen Kaiser, der gesagt haben soll, der Prophet Mohammed habe nur »Inhumanes und Schlechtes« gebracht. Die Organisation der islamischen Konferenz, der 57 Staaten angehören, sprach von einer »Verleumdungskampagne« gegen ihre Religion.

13. September 2006
Die Bundesregierung hat am Mittwoch entschieden, acht Schiffe und 2400 Soldaten für eine Marinemission vor der libanesischen Küste bereitzustellen. Das deutsche Kontingent soll die Führung einer internationalen Flotte übernehmen, die Waffenlieferungen an die militante Hisbollah abfangen soll.

21. September 2006
Acht deutsche Kriegsschiffe mit etwa tausend Soldaten an Bord haben Kurs Richtung Libanon genommen. Am Vortag hatte der Bundestag der Marine ein Mandat für den Einsatz erteilt. Der Flottenverband soll im Rahmen einer UN-Mission Waffenschmuggel an die israel-feindlichen Hisbollah verhindern.

24. Oktober 2006
Israelische Kampfjets haben ein deutsches Marineboot in geringer Höhe überflogen und dabei nach Angaben der Bundeswehr zwei Schüsse sowie Störmunition abgefeuert. Israel bestritt zunächst, dass der Überflug dem deutschen Boot galt, schloss sich aber später der Bundeswehr-Version weitgehend an.

21. November 2006
Der christlich-libanesische Politiker und Industrieminister Pierre Gemayel ist einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Damit wuchs eineinhalb Jahre nach dem Attentat auf Ex-Premier Rafik al-Hariri die Sorge vor einer Eskalation der politischen Spannungen im Libanon. Der Täter konnte entkommen.

12. Dezember 2006
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat bei seinem Besuch in Berlin Israel in einer Reihe mit den Atommächten USA, Frankreich und Russland genannt. Er wich damit erstmals von der offiziellen Politik der Zweideutigkeit ab, derzufolge sich Israel nicht dazu äußerte, ob es Atomwaffen besitzt. Israels Opposition forderte daraufhin Olmerts Rücktritt.

25. Dezember 2006
Jordanien will im Januar ein Friedenstreffen zwischen den verfeindeten Palästinensergruppen Fatah und Hamas ausrichten, wie der jordanische Regierungschef Maruf Bachet nach einem Treffen mit Palästinenserpräsident Machmud Abbas in Amman mitteilte. Nachdem bei einem Angriff palästinensischer Extremisten mit Kassam-Raketen auf die nordisraelische Kleinstadt Sderot zwei 14-Jährige schwer verletzt worden waren, kündigte Israel an, wieder gezielt Extremisten töten zu wollen, und verschob bereits vereinbarte vertrauensbildende Maßnahmen.

26. Dezember 2006
Ein Berufungsgericht in Bagdad hat das Todesurteil gegen den früheren irakischen Diktator Saddam Hussein bestätigt. Anfang November hatte das Sondertribunal in Bagdad Saddam Hussein nach einem etwa ein Jahr dauernden Prozess wegen eines Massakers an 148 Schiiten in der Kleinstadt Dudschail im Jahr 1982 zum Tode durch den Strang verurteilt.

30. Dezember 2006
Der frühere irakische Diktator Saddam Hussein ist in Bagdad gehängt worden. Ein Sondertribunal hatte ihn vor zwei Monaten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung des Urteils stieß weltweit überwiegend auf Kritik. Ein mit einem Handy aufgenommenes Video von der Hinrichtung brachte die Irakische Regierung in Erklärungsnöte.

2. Januar 2007
Der ehemalige Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Kollek leitete von 1965 bis 1993 die Geschicke der israelischen Hauptstadt.

23. Januar 2007
Die israelische Staatsanwaltschaft hat bekanntgegeben, gegen Staatspräsident Moschee Katzav Anklage wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen zu erheben. Premierminister Ehud Olmert und weitere Minister riefen Katzav am 24. Januar zum Rücktritt auf. Katzav kündigte an, sein Amt nur ruhen zu lassen, einen Rücktritt lehnte er ab. In einer Fernsehansprache beschuldigte er am 24. Januar Medien, Polizei und Politiker eines Komplotts.

2. Februar 2007
Vor dem Treffen des Nahost-Quartetts ist es im Nahen Osten wieder zu Gewalt gekommen. Erstmals seit April 2006 verübte am 29. Januar ein Palästinenser ein Selbstmordattentat in Israel; in Eilat starben drei Israelis und der Attentäter. Im Gaza-Streifen eskalierte der innerpalästinensische Konflikt zwischen Fatah und Hamas, innerhalb weniger Tage starben Dutzende Menschen. Die vereinbarte Waffenruhe brach am 1. Februar zusammen.

20.Mai 2007
Bei Gefechten zwischen der libanesischen Armee und Palästinensern, die der Terrororganisation Al-Qaida nahestehen, sind am 20.Mai in Tripoli mindestens 57 Menschen getötet worden.

13.Juni 2007
Ehud Barak wird neuer Vorsitzender der israelischen Arbeiterpartei

13. Juni 2007
Der stellvertretende israelische Regierungschef und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres ist zum neuen Staatspräsidenten Israels gewählt worden. Der 83-Jährige wird im Juli Mosche Katzav ablösen, der das Amt seit Monaten ruhen lässt, weil ihm Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vorgeworfen werden.

14. Juni 2007
Die radikal-islamische Hamas hat die Entlassung der Regierung durch den palästinensischen Präsidenten Machmud Abbas zurückgewiesen. Abbas hatte zuvor den Bruch der Koalitionsregierung von Hamas und Fatah bekannt gegeben. Bei Kämpfen der beiden Gruppierungen waren innerhalb einer Woche etwa 100 Menschen getötet worden.

4.Juli 2007
Nach 114 Tagen in Gefangenschaft ist der im Gaza-Streifen entführte Journalist Alan Johnston am 4. Juli freigekommen. Palästinenser hatten den BBC-Reporter am 12.März entführt.

31.Juli 2007
Die USA planen in den nächsten zehn Jahren Waffenlieferungen an Nahost-Staaten für mehr als 60 Milliarden Dollar. Das bestätigte Außenministerin Condoleezza Rice am 31.Juli. Um Irans Einfluss zu beschränken, sollen vor allem Israel, Saudi-Arabien und Ägypten unterstützt werden.

28.November 2007
Sieben Jahre nach dem gescheiterten Gipfel von Camp David haben Israels Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Machmud Abbas auf einer Nahost-Konferenz in der US-Stadt Annapolis am 28.November ihre Absicht erklärt, bis 2008 einen Friedensvertrag zu schließen. Sowohl in Israel als auch in der arabischen Welt wurde die Erklärung mit Ablehnung aufgenommen.

11.Dezember 2007
Der nordafrikanische Flügel der Terrororganisation Al-Qaida hat am 11.Dezember schwere Anschläge in der algerischen Hauptstadt Algier verübt. Bei mehreren Autobombenexplosionen kamen mindestens 31 Menschen ums Leben.

17.Dezember 2007
Bei einer internationalen Geberkonferenz in Paris haben Staaten aus aller Welt am 17.Dezember Hilfe für die Palästinenser in Milliardenhöhe angekündigt. Gastgeber Frankreich sprach von insgesamt 5,15 Milliarden Euro.

26. Januar 2008
Tod von George Habashi, dem Begründer der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP).

18. März 2008
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat während ihres Israels-Besuchs in der Knesset gesprochen und Deutschlands Verantwortung für den Holocaust betont. Die Rede gilt als historisch, weil bisher nur Staatsoberhäupter in der Knesset sprechen durften.

19.Juni 2008
Zwischen Israel und der Hamas gilt seit dem 19. Juni eine Waffenruhe. Vereinbart ist, dass die Hamas den Raketenbeschuss Südisraels einstellt. Im Gegenzu will Israel die Wirtschaftsblokade des Gazastreifens lockern. Später soll es zu einem Gefangenenaustausch kommen. Auch mit dem Libanon und Syrien startet Israel eine Friedensinitiative.

24. Juni 2008
Mehr als 40 Staaten haben am 24. Juni in Berlin der palästinensischen Autonomiebehörde eine Aufbauhilfe in Höhe von 156 Millionen Euro versprochen. Das Geld soll für Infrastruktur, Ausbildung und Ausrüstung von Polizei und Justiz eingesetzt werden. Es gilt als wichtiger Baustein für einen unabhängigen Palästinenser-Staat. Überschattet wurde die internationale Konferenz von neuen Raketenangriffen auf Israel.

13. Juli 2008
In Paris haben 43 Länder aus Europa, Afrika und der Nahost-Region eine Union für das Mittelmeer gegründet. Sie soll sich zunächst konkreten Projekten wie der Säuberung des Mittelmeers widmen. Israel und die Palästinenser nutzen das Treffen, um ihre Annäherung voranzutreiben. Syrien und der Libanon vereinbarten die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

16. Juli 2008
Die schiitische Hisbollah-Miliz hat am 16. Juli an Israel die Leichen zweier Soldaten übergeben, deren Entführung im Juli 2006 im israelisch-libanesischen Grenzgebiet den 33 Tage dauernden Libanonkrieg ausgelöst hatte. Im Gegenzug kehrten vier Hisbollah-Mitglieder sowie der Druse Samir Kuntar, der 1979 drei Israelis getötet hatte, in den Libanon zurück.

9. August 2008
Tod von Mahmoud Darwisch, dem bedeutendsten palästinensischen Dichter. Jahrzehntelang war er eine der wichtigsten Stimmen der Palästinenser.

17. September 2008
Israels Außenministerin Tzipi Livni hat das Rennen um den Vorsitz in der regierenden Kadima-Partei knapp gewonnen. Sie kündigte an, rasch ein neues Kabinett bilden zu wollen. Ihr unterlegener Rivale, der Verkehrsminister Schaul Mofas, kündigte seinen Rückzug aus der israelischen Regierung an.

26. Oktober 2008
Israels Außenministerin Tzipi Livni hat ihre Bemühungen um die Bildung einer Regierung für gescheitert erklärt. Livni hatte Mitte September Koalitionsverhandlungen aufgenommen, nachdem der bisherige Ministerpräsident Ehud Olmert zurückgetreten war. Nun werden Neuwahlen erwartet.

4. Januar 2009
Israelische Truppen haben nach tagelangen Luftangriffen in der Nacht zum 4. Januar mit einer Bodenoffensive im Gazastreifen begonnen. Zu heftigen Kämpfen mit Mitgliedern der radikalislamischen Hamas kam es vor allem in der Stadt Dschabalia, wo bei der Bombadierung einer UN-Schule am 6. Januar mindestens 40 Menschen getötet wurden.

17. Januar 2009
Mit einem einseitigen Waffenstillstand hat Israel am 17. Januar seine dreiwöchige Offensive gegen die radikalislamische Hamas im Gazastreifen beendet. Israel habe seine Kriegsziele erreicht, begründete der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak diesen Schritt. Kurz darauf verkündete die Hamas ihrerseits einen siebentätigen Waffenstillstand. Israel zog seine Truppen bis zum 21. Januar ab. Bei den Kämpfen starben etwa 1300 Menschen.

10. Februar 2009
Die liberal-konservative Kadima-Partei von Außenministerin Tzipi Livni ist mit voraussichtlich 28 der insgesamt 120 Mandate knapp als stärkste Partei aus den israelischen Parlamentswahlen hervorgegangen. Oppositionsführer Benjamin Netanjahu vom rechtsnationalen Likud-Block liegt an zweiter Stelle. Er gilt dennoch als aussichtsreichster Kandidat für eine Regierungsbildung. Netanjahus Likud verfügt zusammen mit den rechten und den religiösen Parteien über eine deutliche Mehrheit von mindestens 65 Mandaten.

4. Juni 2009
US-Präsident Barack Obama hat in einer Rede in Kairo für einen Neubeginn im Verhältnis zwischen Amerika und der arabischen Welt plädiert. Obama sprach von der »Pflicht, Klischees über den Islam zu bekämpfen«. Doch müsse dieses Prinzip auch für die Sicht der Muslime auf Amerika gelten. Er betonte die Notwendigkeit eines eigenen Palästinenser-Staates und mahnte alle Konfliktparteien zu mehr Toleranz. Es müsse möglich sein, der Gewalt und dem Islamismus abzuschwören. In seiner Rede zitierte er nicht nur aus dem Koran, sondern auch aus der Torah und aus der Bibel.

26. August 2009
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist zu einem Besuch in Deutschland eingetroffen. Bei den Gesprächen, die er während seines Aufenthalts mit verschiedenen Politikern führte, ging es vor allem um die Friedensverhandlungen im Nahen Osten. Bundeskanzlerin Merkel forderte Israel zum Stopp des Siedlungsbaus sowie zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den Palästinensern auf.

22. September 2009
Israels Premier Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Machmud Abbas haben sich in New York versprochen, gemeinsam nach Frieden zu suchen. Zusammen mit US-Präsident Obama trafen sie sich zu einem Dreiergipfel. Einen Durchbruch im Friedensprozess erzielten sie jedoch nicht.

19. Januar 2010
Ein mindestens elfköpfiges Killerkommando hat den hochrangigen Führer der Hamas, Mahmud al-Mabhuh, in einem Hotel in Dubai ermordet. Nach Einschätzungen deutscher Sicherheitsexperten verübte der israelische Geheimdienst Mossad den Mord. Am 16. Februar wurden in Dubai internationale Haftbefehle erlassen. Die Täter, nach denen Interpol nun fahndet, benutzten bei der Aktion gefälschte Ausweise, allerdings mit den Daten existierender Personen. Der britische Regierungschef Gordon Brown kritisierte den Missbrauch britischer Pässe und forderte eine umfassende Untersuchung.

18. März 2010
Während des Besuchs der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton im Gaza-Streifen haben militante Palästinenser eine Kassam-Rakete auf Israel abgefeuert und einen Menschen getötet. Zwei Tage zuvor hatte George Mitchell, Nahost-Vermittler der USA, seine Reise nach Israel als Zeichen der Verärgerung Washingtons über den Siedlungsbau in Ostjerusalem verschoben.

3. Juli 2010
Der Palästinenser Abu Daud, Drahtzieher des Münchner Olympia-Anschlags von 1972, ist im Alter von 73 Jahren in Syrien gestorben.

1. September 2010
In Washington haben sich die israelische und die palästinensische Führung zu Friedensgesprächen getroffen. Es war die erste Zusammenkunft dieser Art nach fast zwei Jahren. Das Treffen fand trotz eines Terroranschlags statt, bei dem am Vorabend nahe Ramallh vier jüdische Siedler starben. Beide Seiten vereinbarten die Fortsetzung der Verhandlungen am 14. September.

25. Januar 2011
Im Libanon ist Nadschib Mikati zum neuen Regierungschef ernannt worden. Der als moderat geltende Geschäftsmann setzte sich bei einer Abstimmung im Parlament mit 68 zu 60 Stimmen gegen den bisherigen Amtsinhaber Saad al-Hariri durch. Mikati steht der Hisbollah nahe, die ihn für das Amt des Premierministers vorgeschlagen hatte. Die proiranische Schiitenmiliz hatte al-Hariri am 12. Januar gestürzt.

27. Januar 2011
Die Massenproteste in arabischen Staaten haben auch Ägypten erreicht. Friedensnobelpreisträger Mohamed El Baradei landete in Kairo, um Staatschef Hosni Mubarak herauszufordern. Mubarak ließ El Baradei festsetzen, nachdem dieser ihn zum Rücktritt aufgefordert und sich bereit erklärt hatte, eine Übergangsregierung zu leiten. Auch im Jemen protestierten Zehntausende Menschen gegen Präsident Ali Abdullah Salih. Unterdessen erließ die tunesische Justiz am 26. Januar einen internationalen Haftbefehl gegen den gestürzten Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali, die EU-Mitgliedstaaten einigten sich darauf, seine Konten einzufrieren. Der erfolgreiche Sturz Ben Alis in Tunesien hatte die Proteste in den anderen arabischen Ländern mit ausgelöst.

19. Mai 2011
In einer Rede zur amerikanischen Politik im Nahen Osten hat US-Präsident Barack Obama den demokratischen Wandel als "oberste Priorität" bezeichnet. Er versprach Ägypten den Erlaß von einer Milliarde Dollar Schulden. Im Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern plädierte Obama für Verhandlungen auf der Basis der Grenzen von 1967. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies den Vorstoß zurück. Am 15. Mai waren Proteste der Palästinenser an Israels Grenzen eskaliert, mindestens 14 Menschen starben.

18. August 2011
Im Süden Israels sind bei den schwersten Anschlägen seit drei Jahren acht Israelis getötet und 31 verletzt worden. Verteidigungsminister Ehud Barak warf Ägypten vor, bei der Kontrolle des Sinai versagt zu haben. Wenige Stunden nach den Anschlägen flog Israels Luftwaffe Angriffe auf den Gaza-Streifen, bei denen nach palästinensischen Angaben sieben Menschen ums Leben kamen.

2. September 2011
Die Türkei hat den israelischen Botschafter ausgewiesen und alle militärischen Verträge mit dem Land außer Kraft gesetzt. Grund für den Konflikt ist der israelische Angriff auf eine Hilfsflotte für den Gaza-Streifen im Mai 2010, bei dem insgesamt neun Menschen getötet wurden. Der New York Times zufolge kritisiert ein UN-Bericht den Angriff als »exzessiv«.

23. September 2011
Präsident Mahmud Abbas hat vor den Vereinten Nationen in New York die Anerkennung Palästinas als Staat beantragt. US-Präsident Obama hatte zuvor vor diesem Schritt gewarnt und die Auffassung geäußert, daß ein palästinensischer Staat nur durch Verhandlungen mit Israel entstehen dürfe. UN-Genearlsekretär Ban Ko Moon soll Abbas' Antrag auf eine UN-Vollmitgliedschaft an den Sicherheitsrat weiterleiten. Eine unmittelbare Entscheidung ist nicht zu erwarten. In Israel wurden die Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zum Westjordanland massiv verstärkt.